Weimarer Christopher-Street-Wochen gingen mit Parade zu Ende

Gottes Schöpfung ist kunterbunt, linksdrehend, rechtsdrehend, so rum, anders rum oder queer durch die Mitte. Damit ist die Kernthese schon benannt, die auf den Kundgebungen zum Christopher-Street-Day (CSD) fröhlich unters Volk zu bringen ist.

CSD-Parade zu Fuß: Mehr als 200 zumeist junge Leute waren am Samstag dem Aufruf der Aidshilfe Weimar-Ostthüringen gefolgt und hatten an der Demonstration durch die Innenstadt - hier die Schillerstraße - teilgenommen. Am Theaterplatz lasen die Schauspieler Karolin Dietrich, Michael Wächter und Frieder Aurich erotische Gedichte. Foto: Sabine Brandt

CSD-Parade zu Fuß: Mehr als 200 zumeist junge Leute waren am Samstag dem Aufruf der Aidshilfe Weimar-Ostthüringen gefolgt und hatten an der Demonstration durch die Innenstadt - hier die Schillerstraße - teilgenommen. Am Theaterplatz lasen die Schauspieler Karolin Dietrich, Michael Wächter und Frieder Aurich erotische Gedichte. Foto: Sabine Brandt

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Weimar. "Wir sind homosexuell, heterosexuell, bisexuell, transsexuell, intersexuell, asexuell - wir sind alle ganz normale Leute." Der Ruf fuhr am Samstagnachmittag auch durch diese Stadt. Nicht ganz so pünktlich wie in den Metropolen, aber nicht weniger laut und nachdrücklich. Ein Lastwagen mit Musikanlage vorneweg, mehr als 200 meist junge Menschen hinterher.

Vielfalt zulassen

Die großen CSD-Paraden in Berlin, Köln et cetera finden Ende Juni statt, wenn sich der Aufstand in der New Yorker Christopher Street von 1969 jährt. Weimar ist Provinz, deshalb lässt es sich Zeit mit seinem CSD. Weil viele Aktivisten der Schwulenbewegung und ihre Unterstützer sich die Prozessionen in den großen Städten nicht entgehen lassen, hatte sich die Aidshilfe Weimar-Ostthüringen als Veranstalterin des CSD 2012 entschlossen, ihre eigene Parade auf ein Wochenende zu legen, an dem nicht alle Teilnehmer ausgeflogen sind, erklärt Madlen Nagel, die Sprecherin des Vereins.

Die fröhliche Demonstration am zurückliegenden Samstag war der Höhepunkt zweier Wochen mit vollem Programm. Wenn die Aktionen schon zeitlich verschoben werden müssen, dann können sie auch gleich ausgeweitet werden. So kam Weimar nicht nur zu seinem ersten eigenen CSD, sondern gleich zu einem halben Christopher-Street-Monat.

Rednerin Katrin Schuchardt, die vom einzigen Wagen der Parade herunter sprach, setzte bewusst auf Begegnung: "Wir sind wunderbar. Haben Sie keine Angst vor uns." Und siehe: Es ging die Sonne auf in den Gesichtern von Passanten, eingeborenen wie auch zugereisten. Selbst als es politisch wurde.

Der CSD Weimar hat eine Reihe von Forderungen formuliert, die sich zunächst an die Bundesregierung richten. Zentraler Punkt: die Gleichstellung aller Beziehungsformen mit der Ehe. Aber auch dem Land Thüringen eröffnet der regionale Verband die Möglichkeit, einen Beitrag zum Abbau von Hass und Diskriminierung zu leisten. So enthält der Katalog zum CSD Weimar 2012 auch die Forderung nach einer Reflexion auf die Vielfalt menschlicher Lebensformen in Lehre und Bildung.

Schubladen öffnen

In Schulbüchern, zu Beispiel. Sie waren Gegenstand eines Workshops, der im Mon Ami stattgefunden hatte und auf dem durchaus kontrovers debattiert wurde. "Auch eine Gruppe von Menschen, die stark im christlichen Glauben verwurzelt sind, nahm daran teil", sagte Madlen Nagel. "Gegensätzlicher hätten die Standpunkte zum Thema Vielfalt in Schulbüchern gar nicht sein können." Dennoch habe die Veranstaltung allen Teilnehmern zu einem Erkenntnisgewinn verholfen: "Dass völlig unterschiedliche Menschen miteinander in einem Raum sitzen und fair ihre Argumente austauschen."

Abzulassen vom Schubladendenken, dazu hatte auch Katrin Schuchardt am Ende der Demo eingeladen - und auch die Teilnehmer der Parade mit ins Gebet genommen.

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