Weimarer Reden 2012: Zur Zukunft der EU und zu ihrer Identität

Die Weimarer Reden können von Europa nicht lassen. Nachdem 2011 die Mechanismen des Markts diskutiert wurden, stehen in diesem Jahr unter der Überschrift "Quo vadis Europa?" die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft und Identität im Mittelpunkt der von der TLZ initiierten Redenreihe.

"Quo vadis Europa?" sind die Weimarer Reden in diesem Jahr überschrieben, die gewohnterweise im DNT gehalten werden. Nach dem Auftakt mit Erhard Eppler Anfang März sprechen Otmar Issing, Sven Giegold und Gesine Schwan (v.l.). Foto: Peter Michaelis

"Quo vadis Europa?" sind die Weimarer Reden in diesem Jahr überschrieben, die gewohnterweise im DNT gehalten werden. Nach dem Auftakt mit Erhard Eppler Anfang März sprechen Otmar Issing, Sven Giegold und Gesine Schwan (v.l.). Foto: Peter Michaelis

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Weimar. Die Weimarer Reden können von Europa nicht lassen. Nachdem im vergangenen Jahr die Mechanismen des Markts und die demokratischen Gestaltungsmöglichkeiten innerhalb Europas diskutiert wurden, steht in diesem Jahr die Zukunft der Europäischen Gemeinschaft und Identität im Mittelpunkt der von der TLZ initiierten Redenreihe. "Quo vadis Europa?" fragen Politiker und Wissenschaftler verschiedener Generationen angesichts des drohenden Staatsbankrotts Griechenlands und des weiter schwächelnden Euros an den vier Sonntagen im März, jeweils 11 Uhr, im Deutschen Nationaltheater Weimar.

Für Stephan Märki, noch bis Ende der Spielzeit Intendant des DNT als dem Mit-Veranstalter der Reihe, werden es die letzten Weimarer Reden sein. Bei der Vorstellung der Redebeiträge 2012 dankte er am Mittwoch für die langjährige Partnerschaft und äußerte die Hoffnung, dass die Reihe im Hause weitergeführt werde. Die von TLZ-Chefredakteur Hans Hoffmeister und Christine Lieberknecht (CDU) 1994 begründete Reihe habe als "bürgerschaftliches Organ der Stadt" stets den Blick über den lokalen Horizont zugelassen, betonte er.

Gerade diesen Weitblick schätzten die Besucher der Reden und die Zeitungsleser sehr, unterstrich Hans Hoffmeister. "Die Menschen wollen wissen, was los ist." Wie in den Jahren zuvor werde die TLZ daher die Redenreihe begleiten und aktuell darüber berichten. Auch werden die Reden wieder in der Wochenendbeilage "Treffpunkt" und im Internet nachzulesen sein, kündigte er an.

In Buchform liegen derweil schon die Beiträge der Redner sowie der Laudatoren von 2011 vor, die sich zum Thema "Europa - Markt ohne Gemeinschaft?" geäußert hatten. In der Publikation des Weimarer Taschenbuchverlags sind neben den Reden selbst auch kurze Einführungen zu den Rednern Susanne Schmidt, György Dalos, Heribert Prantl und Adrienne Goehler abgedruckt.

Ein Ausweg aus der Sackgasse

Die Idee für das Thema der diesjährigen Weimarer Reden sei dem Kuratorium, die erneute Finanzierung der Reihe dem Hauptsponsor E.on zu verdanken, sagte Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD). Es sei bereits das zehnte Jahr der Zusammenarbeit zwischen dem Thüringer Energielieferanten und den Weimarer Reden, sagte E.on-Vorstandsvorsitzender Reimund Gotzel und lobte das Konzept der Reihe, Ideen anzusprechen, bevor sie in einem größeren Rahmen zu Themen werden.

Im Zentrum des diesjährigen Diskussionsforums stehen neben der Zukunft des Euro auch die europäische Identität als Wertekanon von Demokratie, Menschenrechten und Freiheit, kündigten Stephan Märki und Stefan Wolf an. Mit der Frage "Europa in der Sackgasse?" wird Erhard Eppler die Redenreihe eröffnen (4. März, Vorrede: Stefan Wolf). Eppler, 1926 geboren, gilt als das "kritische Gewissen" der Bundesrepublik und der SPD. Er war u.a. von 1968 bis 1974 Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, langjähriger Kirchenfunktionär und von 1973 bis 1995 Mitglied und währenddessen mehrere Jahre Vorsitzender der Grundwertekommission der SPD. Die Schrift "Eine solidarische Leistungsgesellschaft: Epochenwechsel nach der Blamage der Marktradikalen" ist seine jüngste Veröffentlichung (2011).

Auch der Volkswirt Otmar Issing setzt in seinem Vortrag in der Woche darauf mit einer Frage an: "Mehr Europa? Der Weg aus der Krise" (11. März, Vorrede: Professor Klaus Dicke, Rektor der Friedrich-Schiller-Universität Jena). Als Professor für Internationale Beziehungen und Volkswirtschaftslehre war Issing (Jahrgang 1936) an den Universitäten Erlangen-Nürnberg und Würzburg tätig, bevor er 1990 Mitglied des Direktoriums und des Zentralbankrates der Deutschen Bundesbank wurde. 1998 wechselte er ins Direktorium der Europäischen Zentralbank, 2008 wurde er von Bundeskanzlerin Angela Merkel zum Vorsitzenden der Expertengruppe für eine neue Finanzarchitektur bestellt. Zu seinen Veröffentlichungen zählen die Lehrbücher "Einführung in die Geldtheorie" und "Der Euro - Geburt, Erfolg, Zukunft".

Der "Grünen"-Europaabgeordnete und Attac-Aktivist Sven Giegold, Jahrgang 1969, wähnt ebenfalls das "Projekt Europa in Gefahr" und zeigt am 18. März Wege aus der Eurokrise auf (Vorredner: Hans Hoffmeister). Giegold tritt für eine solidarische Moderne im globalisierten Kapitalismus ein.

Allein Gesine Schwan, die "europäische Brückenbauerin", wie Stefan Wolf sagte, macht die kulturelle Identität Europas zum Thema und fordert eine neue Kultur der Gemeinsamkeit. Die 1943 geborene Politikwissenschaftlerin, die sich unablässig für die deutsch-polnische Zusammenarbeit einsetzt und die 2009 für die SPD für das Amt des Bundespräsidenten kandidiert hatte, spricht am 25. März "Über die Freude an Europa" (Vorrede: Stephan Märki).

Karten zu den Vorträgen gibt es im DNT. Die Publikation zu den Weimarer Reden 2011 (wtv, 120 S., 12.90 Euro) sowie die Reden-Bücher der Jahre davor sind im Weimarer Pressehaus erhältlich.

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