Weimarer setzen starkes Zeichen gegen Rechtsextremisten

Nach Angaben der Veranstalter nahmen etwa 1500 Menschen an den Demonstrationen gegen einen Neonaziaufmarsch am Rande der Weimarer Innenstadt teil. Die Rechten waren weniger als erwartet.

Nach dem Ende der Neonazi-Demonstration zogen die Gegendemonstranten noch in die Weimarer Innenstadt. Foto: Jan-Henrik Wiebe

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Weimar. Angemeldet hatten die Neonazis für 150 Teilnehmer. Gekommen waren, laut Polizei, aber nur 100. Auf der Seite der Gegendemonstranten waren kurz vor 11 Uhr schon über 250 Menschen versammelt. Diese Zahl erhöhte sich im Laufe der Zeit. Am Ende sprach das "Bürgerbündnis gegen Rechts" von 1500 Demonstranten auf ihrer Seite. Die Polizei bezifferte die Zahl auf etwa 1300.

Beide Veranstaltungen verliefen weitestgehend friedlich. Nur am Rande kam es zu kleineren Auseinandersetzungen. Die Neonazis demonstrierten anlässlich der Bombardierung der Gustloff-Werke am 9. Februar 1945. Zwischen 12.24 Uhr und 12.37 Uhr hatten 198 englische Flugzeuge 481 Tonnen Bomben insbesondere über dem Rüstungsbetrieb abgeworfen. Anfang 1945 bestand die gesamte Belegschaft dieses Rüstungsbetriebes aus ca. 6.000 Arbeitern. Neben 1.800 deutschen Zivilarbeitern waren ca. 2.500 KZ-Häftlinge sowie Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene beschäftigt. Da die Zwangsarbeiter, Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge aus Buchenwald bei Luftangriffen grundsätzlich weiterarbeiten mussten, starben 600 Buchenwald-Häftlinge bei diesem Angriff.

Allein am 9. Februar 1945 starben 1.103 Menschen in Weimar, unter ihnen zahlreiche Einwohner, hauptsächlich aber KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, die sich zu Sklavenarbeit in der Stadt aufgehalten hatten.

Bei einer Kundgebung forderte auch Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke), Rechtsextreme dürften die Geschichte nicht für sich instrumentalisieren. Er warnte zudem davor, die Verbrechen der Nationalsozialisten zu verharmlosen. Außerdem sprachen unter anderem Weimars Oberbürgermeister Stefan Wolf (SPD) und der Präsident der Hochschule für Musik, Christoph Stölzl.

Die Neonazis konnten nur einen Teil der festgelegten Route marschieren: "Wir haben die Marschstrecke verkürzen müssen wegen einer Blockade", sagte Polizeisprecherin Steffi Kopp. Uta Kühne vom Bürgerbündnis wertete dies als Erfolg: "Das Bürgerbündnis hat erfolgreich verhindert, dass alte und neue Nazis die Bombardierung Weimars vor 70 Jahren für ihre Zwecke missbrauchen konnten."

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