Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre: CDU knapp unter 40 Prozent

Weimar/Erfurt  Insa-Umfrage zeigt: Die Thüringer SPD schrumpft weiter – AfD hat sich bei 18 Prozent eingependelt

Die Zahlen unserer Umfrage zeigen auch: Viele Thüringer sind noch unentschlossen, welcher Partei sie aktuell ihre Stimme geben würden.

Die Zahlen unserer Umfrage zeigen auch: Viele Thüringer sind noch unentschlossen, welcher Partei sie aktuell ihre Stimme geben würden.

Foto: Arne Dedert

Wenn an diesem Sonntag in Thüringen Landtag oder Bundestag gewählt würden, wäre in jedem Fall die CDU deutlich im Aufwind. Die jüngste Sonntagsfragen des Erfurter Insa-Institut zeigen im Vergleich zum Frühjahr mit Blick auf beide Wahlen einen Anstieg der Union in der Wählergunst um je vier Prozent punkte. Aktuell käme die Partei von Partei- und Fraktionschef Mike Mohring im Land auf 37 Prozent; bei der Landtagswahl 2014, bei der noch die seinerzeitige Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht an der Spitze stand, hatten die CDU lediglich 33,5 Prozent erreicht.

Noch mehr Wähler könnte die CDU in Thüringen auf sich vereinen, wenn am Sonntag bereits der Bundestag gewählt würde. Dann würden 39 Prozent im Freistaat für die Partei unter Führung der Dauer-Kanzlerin Angela Merkel stimmen. Allerdings hatte die Bundes-CDU im Herbst 2013 bei der Wahl tatsächlich in Thüringen 38,8 Prozent erringen können. Das heißt: Die CDU liegt derzeit bei der Meinungsumfrage etwa auf gleichem Niveau wie vor vier Jahren – und hat so gesehen nicht zugelegt.

Richtig stark angewachsen ist dagegen die Fangemeinde der Alternative für Deutschland (AfD) in Thüringen. Würde an diesem Sonntag hierzulande gewählt – und zwar unerheblich, ob es sich um den Landtag oder den Bundestag handelt –, würde beinahe jeder Fünfte (18 Prozent) seine Stimme der Partei von Björn Höcke geben. Höcke ist nicht nur Parteichef, sondern er führt auch die Landtagsfraktion, die 2014 mit 10,6 Prozent in das Landesparlament gewählt worden war. Obwohl die AfD-Fraktion mittlerweile um drei Mitglieder schrumpfte, ist sie in der Gunst eines Teiles des Wahlvolkes mächtig gewachsen. Bei der Bundestagswahl 2013 hatten in Thüringen bereits 6,2 Prozent ihre Stimme der damaligen AfD von Bernd Lucke gegeben; bundesweit war sie aber mit 4,7 Prozent zu schwach, um in den Bundestag einzuziehen.

Auffällig bei den AfD-Zahlen: Im April hätten 19 Prozent der Befragten die AfD in den Landtag gewählt, nun ist es ein Prozentpunkt weniger. Bei der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl schafft es die AfD ebenfalls auf 18 Prozent – trotz aller Querelen bei der AfD hat die Wählergunst seit April sogar um 3 Prozentpunkte zugenommen.

Stark nach unten geht es derweil mit der einst so stolzen Sozialdemokratie. Sie schrumpft in Thüringen weiter: Seit dem Frühjahr, als offenbar der Hype um Martin Schulz noch wirkte, sind die Werte deutlich abgesackt – um vier Prozentpunkte bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl auf 11 Prozent; bei der Landtagswahl 2014 hatte die SPD magere 12,4 Prozent. erreicht. Viel besser sieht es auch für die bevorstehende Bundestagswahl nicht aus: Aktuell würden nur 14 Prozent die SPD in den Bundestag wählen – im Frühjahr waren es sechs Prozentpunkte mehr; 2013 waren es 16,1 Prozent gewesen.

Die Linke liegt in Thüringen als stärkste Partei im rot-rot-grünen Bündnis stabil bei 22 Prozent. Das ist allerdings deutlich weniger als zur Landtagswahl 2014: Damals konnte die Linke 28,2 Prozent erringen.

Einen kleinen Aufwind kann die Linke bei der Sonntagsfrage zur Bundestagswahl erzielen: Aktuell würden 19 Prozent (+1) bei ihr das Kreuz machen. 2013 hatte die Linke im Land bei der Bundestagswahl mit 23,4 Prozent fast jede vierte Stimme erringen können.

Insa-Chef Hermann Binkert kommt bei der Sonntagsfrage zur Landtagswahl zu folgenden Bewertungen:

Die CDU ist die mit Abstand stärkste Kraft in Thüringen. Sie ist alleine so stark wie Linke, SPD und Grüne zusammen.

Rot-Rot-Grün hat im Land keine Mehrheit mehr. Die Linke hält ihr Ergebnis der April-Umfrage, Grüne und SPD verlieren.

In der Mitte der Legislaturperiode in Thüringen ist das rot-rot-grüne Bündnis auf einem demoskopischen Tiefpunkt angelangt.

Ohne und gegen die CDU könnte derzeit nach einer Landtagswahl nicht regiert werden.

Mit der FDP ist wieder zu rechnen.

Die Grünen haben in Thüringen einen schweren Stand.

Bei der Sonntagsfrage in Thüringen zur Bundestagswahl ergeben sich aus Sicht des Insa-Chefs folgende Bewertungen:

Der Schulz-Effekt, der vor einem Vierteljahr für die SPD noch zu spüren war, ist vollständig verpufft.

Rot-Rot-Grün hat keine Strahlkraft für die Bundestagswahl.

Die CDU hat in Thüringen die größten Chancen, erneut alle Direktmandate zu gewinnen.

Für beide Befragungen gilt: 1000 Personen wurden repräsentativ am Telefon befragt und zwar Zeitraum vom 24. bis 28. Juli. Die maximale Fehlertoleranz: +/-3,1 Prozentpunkte.

Thüringer wollen FDP wieder in Landtag und Bundestag wählen

Leitkommentar: Der Kampf beginnt

Zu den Kommentaren