Fehlendes Häkchen sorgt für Verwirrung um Corona-App im Thüringer Landtag

Sebastian Haak
| Lesedauer: 4 Minuten
Bodo Ramelow weiß jetzt, woran es bei der Ergebnisübermittlung hakte

Bodo Ramelow weiß jetzt, woran es bei der Ergebnisübermittlung hakte

Foto: Sascha Fromm

Erfurt.  Nach dem PCR-Tests im Landtag fiel auf, dass das Ergebnis nicht über die Corona-Warn-App abrufbar war. So wurde das Problem behoben.

Kurz vor der jüngsten Landtagssitzung: Mund auf, Wattestäbchen rein, dann noch mal mit dem Wattestäbchen in die Nase. Fertig. Bodo Ramelow wunderte sich in der Fortfolge allerdings, dass das Ergebnis seines PCR-Tests gar nicht so leicht in Erfahrung zu bringen war; jedenfalls mit Blick auf die Corona-Warn-App. Alles Wichtige zur Corona-Pandemie in Thüringen lesen Sie in unserem Blog

Das Problem, das Ministerpräsident und Linke-Politiker Ramelow bei seinem Versuch begegnete, sein Testergebnis mittels Corona-Warn-App abzurufen, sieht so aus: Nach dem Abstrich hatte Ramelow einen QR-Code erhalten, der seinen Test eindeutig identifiziert. Als er diesen QR-Code mit der Corona-Warn-App scannte, sagte ihm die Software, der Test werde noch ausgewertet, es liege noch kein Testergebnis vor. Das war aber nachweislich falsch war, weil Ramelow das – negative – Testergebnis über eine andere App zu diesem Zeitpunkt bereits vorliegen hatte.

Nicht nur ihm, sondern auch mehreren anderen Personen, die zum PCR-Test im Landtag erschienen waren und dann versucht haben, das Ergebnis für die Corona-Warn-App abzurufen, ist das so ergangen. Die eigentlich so wertvolle Corona-Warn-App war in diesem Fall also ziemlich wertlos – was auf den ersten Blick wie ein weiterer Beleg dafür erscheint, dass sich Deutschland mit der Digitalisierung gerade auch im Gesundheitssystem extrem schwer tut. Doch auf den zweiten Blick, den Ramelow wagte, sah die Sache allerdings eher nach menschlichem Versagen aus. Die Angelegenheit war jedenfalls komplexer. Was wiederum ein Beispiel dafür ist, dass Digitalisierung so gut sein kann, wie sie will, aber ohne den Menschen Digitalisierung nichts ist. Das ist so, weil sie richtiges menschliches Handeln voraussetzt.

Anruf bringt Aufklärung

Nach einem Anruf in dem Labor, das seinen Test ausgewertet hatte, war Ramelow schlauer. Man habe ihm erklärt, sagt Ramelow, dass für seine Tests keine von ihm gegebene Einwilligung vorliege, um die Daten aus dem Labor an die Corona-Warn-App zu übertragen. Deshalb könne diese App – anders als die Labor-App – sein Testergebnis gar nicht abrufen. Egal, wie lange er noch gewartet hätte. Ein Sprecher des Thüringer Landtages bestätigt diese Darstellung im Kern.

Das heißt: Für jene, die sich zuletzt im Landtag vor einer Plenarsitzung mittels PCR-Test auf eine mögliche Corona-Infektion untersuchen ließen, gab es keine Einwilligung, diese Daten an eines der mutmaßlichen wichtigsten, digitalen Instrumente im Kampf gegen Corona weiterzuleiten. Weil niemand nach dieser Einwilligung gefragt hatte. Auf dem entsprechenden Datenerfassungsbogen, heißt es aus dem Landtag, fehle das Kästchen für diese Abfrage. Das sei nicht nur ein Problem bei Tests im Parlament.

Einwilligungen sollen nun einfacher eingeholt werden

Immerhin: Nach Angaben des Sprechers des Landtages soll sich das nun ändern. Der Landtag habe mit dem Arzt und dem DRK, die die Abstriche durchführen, Kontakt aufgenommen, um zu klären, wie sich derartige Einwilligungen bei den Testwilligen unbürokratisch einholen lassen. Das ist umso wichtiger, weil die Bedeutung der Corona-Warn-App in den vergangenen Wochen noch gestiegen ist. Zwar war sie schon am Beginn der Pandemie vor mehr als einem Jahr zu einem der wichtigsten Instrumente im Kampf gegen Sars-CoV-2 erklärt worden. Seit die Corona-Warn-App nach einem Update nun potenziell auch zum Ein- und Auschecken in Restaurants, in Geschäften oder bei Veranstaltungen benutzt werden kann, wirkt die Software wie der Schlüssel zu einer Tür, die in ein halbwegs normales Leben zurückführt. Die App wurde nach Angaben des Robert-Koch-Instituts inzwischen mehr als 27 Millionen Mal heruntergeladen.