Eichsfeld. Eichsfelder Kleingärtner besuchen Familienbetrieb und holen sich Anregungen. Diese geben sie gern weiter.

Die Kleingärtner stehen in den Startlöchern. Endlich wollen sie in die neue Saison starten. Es muss einiges getan werden, um den Garten wieder fit zu machen. „Am meisten wächst die Vorfreude, wenn man im Gewächshaus oder zu Hause bereits mit der Aussaat der Gemüsesorten beginnt. Das Aufgehen der Samenkörner, das Heranwachsen zu jungen kräftigen Pflanzen und das spätere Auspflanzen in die Beete bringen eine Verheißung auf eine umfang- und abwechslungsreiche Ernte“, meint Kreisfachberaterin Andrea Mock.

Doch gleich zu Beginn wird der Kleingärtner schon mit Fragen und Problemen konfrontiert. Nutzt man spezielle Anzuchterde oder viel beworbene Substrate? Welche Bedingungen brauchen die verschiedenen Saatgüter für eine erfolgreiche Keimung und wie kann man die gewährleisten? Und wie kann man sich Wechselwirkungen zwischen Pflanzen zunutze machen und viel mühsames Beikraut-Jäten und Umgraben sparen?

Diesen und noch einigen anderen Fragen ging die Arbeitsgruppe „Fachberatung Eichsfeld“ jetzt auf den Grund. Andrea Mock und ihre Amtskollegin Michaela Beyer besuchten mit 18 weiteren Fachberatern und Interessierten die Gärtnerei Leibeling in Worbis, einen traditionellen Familienbetrieb.

Tipps und Tricks der dritten Generation

„Jonas Leibeling, die dritte Generation im Unternehmen und mit dem Studienabschluss Bachelor of Science frisch von der Fachhochschule für Gartenbau in Erfurt, führte uns nicht nur durch die Produktionsstätten, sondern auch fachkundig durch das Rahmenprogramm ‚Anzucht von Gemüse im Kleingarten, sachgerechte Verwendung von Substraten, Düngung in der Jungpflanzenanzucht‘“, erzählt Mock.

Wie im Betrieb die einzelnen Etappen der Aussaat und Keimung, die Jungpflanzenaufzucht und die anschließende Ertragskultur im Freiland aussehen, stellte er dar und hatte so machen Tipp und Trick für den heimischen Garten.

Gelegenheit war auch, um Erfahrungen auszutauschen und für offene Fragen Lösungsansätze zu finden. „Wer hätte gedacht, dass man schon mit der Auswahl der Anzuchtmaterialien eine eigenverantwortliche Entscheidung für den Umweltschutz treffen kann? Durch den Verzicht auf torfhaltige Anzuchtsubstrate und die Nutzung von alternativen Substraten mit zum Beispiel Kokosfasern oder Anzuchterden kann die Freisetzung von CO2 stark reduziert und der Schutz von Mooren als massiver CO2-Speicher aktiv gefördert werden“, sagt Mock.

Die einzelnen Vor- und Nachteile von Anzuchtsubstraten und -erden legten dabei den Grundstein für eine gute Gemüsebausaison im Kleingarten. Auch die Entscheidung für nährstoffarme Produkte in der Anzucht bis zum Pikieren bringe tiefgründig wurzelnde Gemüsepflanzen mit festem Stand, einer gewissen Trockentoleranz sowie allgemeiner Robustheit und Gesundheit hervor.

Teures Saatgut falsch ausgesät ist ärgerlich

Neben einer passenden Grundlage und Wasser brauche es für die verschiedensten Samen auch unterschiedliche Temperaturen und Lichtverhältnisse, so Mock. Die spezifischen Ansprüche von Licht- und Dunkelkeimern veranschaulichte sie unter anderem mit Bildern. „Nichts ist ärgerlicher, als wenn man unter Umständen teures Saatgut falsch aussät und dadurch nicht nur die Kosten für die Samen, sondern auch einige Wochen Zeit durch das Warten verliert“, weiß sie.

Eine nützliche Methode für die Überprüfung der Keimfähigkeit von Samen und die Anzucht von besonderen Pflanzen in kleinem Maßstab stellte ihrerseits Michaela Beyer vor. Auch bei der sogenannten Keimbeutelmethode kann durch das Ausweichen auf Einmachgläser und Zellstofftücher der Einsatz von Plastik vermieden werden.

Interaktionen zwischen Pflanzen nutzen

Sind die Jungpflanzen bereit für den Umzug ins Beet und die Saison in vollem Gange, gibt es wieder einiges zu beachten. Jonas Leibeling erläuterte den Gästen daher das Konzept des „Market Gardening“. Dieses, so Mock, möchte er langfristig in der Gärtnerei integrieren, es könne aber auch im Kleingarten angewendet werden.

Kennzeichnend sei die effektive und teilweise ganzjährige Flächennutzung durch Prinzipien der Mischkultur und Kulturfolge, wobei fördernde Interaktionen zwischen Pflanzen genutzt und gezielt provoziert würden, erklärt die Fachfrau. Dadurch würden Dinge wie Unkraut jäten und Bodenbearbeitungen weitestgehend reduziert und sogar vermieden.

Unter dem Leitsatz „Die Natur ist bunt und vielfältig“ wurden Wechselwirkungen zwischen Kulturen und Prozessen in der Kultivierung beleuchtet und die Natur zum Vorbild genommen, erzählt Mock. So werde zum Beispiel die Schädlingsabwehr spezieller Pflanzen auf benachbarte Kulturen ausgedehnt. Ebenso sei es nützlich, Tiefwurzler als Zwischenfrucht zu nutzen, um den Boden für nachfolgende Kulturen zu lockern und Wasserspeichereigenschaften zu verbessern.

Zusätzliche Gründüngung in der Wintersaison

„Diese sogenannte Wurzelgare kann genauso effektiv das Bodenleben fördern wie die bekanntere Frostgare, nur dass man sich das mühsame Umgraben im Herbst erspart“, meint Mock. Der Einsatz von Leguminosen (Hülsenfrüchtler) als Zwischenfrucht reichere den Boden auf natürliche Weise mit Stickstoff aus der Atmosphäre an und reduziere den Einsatz von mineralischen Düngern. „Eine zusätzliche Gründüngung in der Wintersaison verhindert die Austrocknung der Bodenoberfläche, reichert nach dem Umbruch den Boden mit organischen Strukturen an, sorgt für eine verbesserte Wasserspeicherfähigkeit und steigert als Nährstofflieferant die Bodenaktivität“, erklärt die Beraterin.

Zudem lohne sich der Anbau von Kulturen, die nach der Ernte als Mulch zwischen den anderen Kulturen eingesetzt werden. Dadurch würden Beikräuter unterdrückt, dem Boden Nährstoffe zugeführt, die Aktivität gesteigert, der Untergrund gelockert, die Oberfläche vor Austrocknung geschützt und das Gießen reduziert.

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