Thermobatterie von HM auf Fachmesse gefragt

Dingelstädt. Christian Muhr, Geschäftsführer und Inhaber der Dingelstädter H.M. Heizkörper GmbH & Co. KG, ist optimistisch. Sein Projekt Latentwärmespeicher auf Salzbasis (diese Zeitung berichtete) hat auf der Internationalen Sanitär- und Heizungsausstellung ISH in Frankfurt am Main ein großes Echo gefunden. Wenn wir weiter gewesen wären, hätten wir schon verkaufen können, berichtet Christian Muhr.

Christian Muhr, Geschäftsführer und Inhaber der Dingelstädter H.M. Heizkörper GmbH & Co. KG

Christian Muhr, Geschäftsführer und Inhaber der Dingelstädter H.M. Heizkörper GmbH & Co. KG

Foto: zgt

Auf der weltgrößten Messe der Branche habe es aus Industriebau, Wohnungsbau und gehobenem Eigenheimbau großes Interesse an der bei HM entwickelten Thermobatterie gegeben. Diese besteht aus einer Solarthermie-Anlage, die bei Sonnenschein (also meistens im Sommer) Wärme aufnimmt, Batterien von Behältern mit Salz (Natriumacetat), das die Wärme bei seiner Verflüssigung speichert, und dem Wärmeüberträger im Gebäude. Muhrs Unternehmen hat das patentierte System entwickelt, wird es herstellen und vertreiben.

Gerade wegen der aktuellen Debatte um den Ausstieg aus der Atomkraft, eine Verringerung des CO2-Ausstoßes und einen Ausbau erneuerbarer Energieformen ist eine solche Technik gefragt, die Wärme ohne Isolierungsproblem dauerhaft speichern und in dosierten Mengen an die Heizung abgeben kann. "Das ganze Thema Regenerative Energie ist superaktuell", weiß der aus dem Sauerland stammende Firmenchef. Es gebe niemanden, "der alle Probleme auf einen Schlag lösen kann". Die Lösung könne nur ein Mix aus verschiedenen erneuerbaren Energiequellen sein, sagt Muhr. "Und wir haben hier die Lösung für einige dieser Probleme." Das flüssige Salz wird in einem einzelnen Zylinder kristallisiert nach einem mechanischen Impuls und gibt Wärme ab.

Schon im nächsten Jahr soll die Produktion der neuartigen Anlagen in Dingelstädt starten. Allerdings macht Christian Muhr keinen Hehl daraus, dass er mit 500 Thermobatterien pro Jahr nicht die Energieprobleme ganz Deutschlands lösen kann – und dass die Technik anfangs recht teuer sein wird.

Start mit Rolls Royce

Preislich, so zieht er einen Vergleich zur Autowelt, wird 2012 mit der Rolls-Royce-Klasse begonnen; darauf folge die S-Klasse von Mercedes und hoffentlich bereits nach drei Jahren die Golf-Klasse. Benötigt würden in einem Eigenheim 60 bis 80 mannshohe, mit Salz gefüllte Zylinder mit dem Raumbedarf eines Garagenstellplatzes im Keller oder unter der Terrasse sowie etwa 30 Quadratmeter Solarthermiefläche auf dem Dach.

"Dieses Jahr brauchen wir noch, um die Fertigung aufzubauen", sagt Christian Muhr. Während im Labor das Verfahren noch weiter verfeinert wird, haben auf dem firmeneigenen Gelände im Industriegebiet die Erdarbeiten begonnen. Hier soll noch im Lauf dieses Jahres eine Halle entstehen, in der Christian Muhr die Thermobatterien bauen will. 12 000 Quadratmeter – ursprünglich war die Halle noch größer geplant – sollen überdacht werden. Für den Aufbau des Maschinenparks werden schon mögliche Lieferanten gesichtet.

Christian Muhr geht davon aus, dass er für die Investition in zweistelliger Millionenhöhe in dieses "recht innovative Produkt" – das Wort "revolutionär" gebraucht er vorerst nicht – die beantragten Fördermittel vom Freistaat Thüringen erhält.