Nun doch Impfungen für Erfurter Rettungsdienst ab kommender Woche

Erfurt  Das Thüringer Gesundheitsministerium stimmt nun zu. Zuvor sprach der ärztliche Leiter Rettungsdienst von einer "Katastrophe".

Der lang erwartete Piks könnte nun für den Rettungsdienst erfolgen.

Der lang erwartete Piks könnte nun für den Rettungsdienst erfolgen.

Foto: Marco Schmidt

„Es ist eine völlige Katastrophe.“ Andreas Hochberg, der ärztliche Leiter Rettungsdienst, kämpft seit zwei Wochen darum, dass die Mitarbeiter des Rettungsdienstes geimpft werden. Sie zählen zwar zur Kategorie 1, müssten sich aber wie jeder Bürger über 80 über das Landesportal anmelden. Diese Termine sind rar. „Der Rettungsdienst riskiert seine Gesundheit. Ich bin daher stinksauer, dass das Land eine solche Strategie fährt.“ Corona-Blog: Landtagswahl wird verschoben - Bisher 15.000 Impfungen in Thüringen

Eine Lösung schien bis Donnerstag nicht in Sicht. Sozialdezernentin Anke Hofmann-Domke (Linke) hatte sich an die Thüringer Sozialministerin Heike Werner (Linke) gewandt, gemeinsam mit dem ärztlichen Direktor des Helios-Klinikums Erfurt, Thomas Steiner, scheint nun eine Möglichkeit gefunden. „Er bot an, die Mitarbeiter des Rettungsdienstes im Helios impfen zu lassen. Das Ministerium gab grünes Licht, so kann Helios die Bestellung nun über dessen Apotheke auslösen“, gibt die stellvertretende Oberbürgermeisterin auf Anfrage unserer Zeitung bekannt. „Wir hoffen, dass Anfang nächster Woche mit dem Impfen des Erfurter Rettungsdienstes begonnen werden kann.“

Die Feuerwehr gehöre zu Kategorie 2, „immerhin haben wir es geschafft, dass die Beamten regelmäßig getestet werden“, erzählt sie. Aus Sicht von Andreas Hochberg müssten die Feuerwehrleute ebenfalls zeitnah geimpft werden. Denn auch sie haben Kontakt zu Patienten, auch wenn sie nicht auf dem Rettungswagen fahren, beispielsweise bei einer Personenrettung aus einem brennenden Haus oder bei der Rettung eines schwer verletzten Menschen aus dem Auto.

„Wenn ich einen reanimationspflichtigen Patienten habe, kann ich mich nicht erst komplett anziehen mit zwei Paar Handschuhen, Overall,... Da zählt jede Sekunde. Die Abstandsregeln können nicht immer eingehalten werden. Wir kommen bis auf 20 Zentimeter nah ran an den Patienten, etwa bei einer Intubation“, erklärt Andreas Hochberg. Er dankt Rettungsdienst und Feuerwehr, „die in ihrer Freizeit Zusatzschichten fahren – und häufig nicht wissen, ob jemand positiv ist oder nicht“.