Vom Erfurter Hirschgarten zur Actienbrauerei – Eine Zeitreise entlang der Arnstädter Straße

Erfurt  Der Ansichtskarten-Experte Frank Seyfarth lädt in seiner 11. Broschüre zu einer Zeitreise entlang der Arnstädter Straße ein.

Eine der Postkarten lässt aus der Luft auf die Lingel-Fläche blicken. Entlang der heutigen Nexö-Straße zeigt sie die Schuhfabrik und am Steigerrand einen Gebäudekomplex, von dem es bisher eigentlich überhaupt keine Abbildungen gab – die Actienbrauerei . Heute noch zu erkennen ist in der Arndtstraße der Eingang in die einstigen Felsenkeller.

Eine der Postkarten lässt aus der Luft auf die Lingel-Fläche blicken. Entlang der heutigen Nexö-Straße zeigt sie die Schuhfabrik und am Steigerrand einen Gebäudekomplex, von dem es bisher eigentlich überhaupt keine Abbildungen gab – die Actienbrauerei . Heute noch zu erkennen ist in der Arndtstraße der Eingang in die einstigen Felsenkeller.

Foto: Sammlung Frank Seyfarth

Schon einmal hat er vermeldet: „Dies wird mein letztes Buch!“ Jetzt kommt er doch wieder mit einer Fortsetzung – die dazu noch verspricht, nicht die letzte zu sein, die mit Teil 1 unterschrieben ist. „Erfurter Straßen, Plätze und Gebäude“ ist das inzwischen elfte Nachschlagewerk für Ansichtskartensammler betitelt, mit dem Frank Seyfarth zu einer Zeitreise, 120 Jahre zurück, durch die Erfurter Geschichte einlädt. Diesmal geht es entlang bekannter Magistralen – zuerst durch die ehemalige südliche Hauptzufahrt, durch die Löberstraße und darüber hinaus bis in die Arnstädter Hohle an den Steigerrand.

Neue interessante Postkarten-Funde hätten den Sammler zu einer Fortsetzung ermuntert – und außerdem sei in der Löber-straße seine Geburtsstätte gewesen. Deshalb lag der Entschluss nahe, zuerst die aus der Kindheit bekannten Straßenzüge zu beleuchten. Deshalb beginnt die Reise auch am Hirschgarten. In einer Privatklinik mit Blick zum „Ententeich“ hat Frank Seyfarth 1943 in dieser Region das Licht der Welt erblickt. Wobei der heutige „Ententeich“ vor der neuen Synagoge nur noch ein Überbleibsel der alten Anlage ist. Diese war einst eine ausgedehnte Parkanlage, die heute vom Juri-Gagarin-Ring und von den dahinter gelegenen Hochhäusern überbaut ist.

Von dort führt die Ansichtskarten-Tour Richtung Steiger – mit eindrucksvollen Einblicken in die Seitenstraßen beiderseits der Löberstraße und der Arnstädter Straße. Ausführlich werden die Karten vom Autor dabei erläutert. Selbst für gestandene Erfurter dürfte vieles zu finden sein, das im Heimatkundeunterricht einst nicht gelehrt wurde. Zum Beispiel, dass das „Mehlhose“ einst das erste mit Automaten betriebene Restaurant in Erfurt war, dass in der Löber-straße einmal das kleinste Haus der Stadt stand und dass der inzwischen abgerissene „Goldene Löwe“ bei der Einführung der DDR-Mark 1957 für einen Tag die einzige Anlaufstelle war, um das Ersparte in die neue Währung umzutauschen.

Ein ganz besonderes Motiv sei eine Karte, die Bootsfahrer im aufgestauten Flutgraben zeigt. In den 1930er-Jahren wurde unmittelbar vor der Löberbrücke ein Walzwehr errichtet, um für die Erfurter eine zusätzliche Freizeitanlage zu schaffen. Auf 800 Metern wurde der Flutgraben auf zwei Meter Wassertiefe angestaut. So lange, bis die Keller im Katholischen Krankenhaus unter Wasser standen, das Wehr wieder geöffnet und die Paddelboot-Attraktion wieder zu den Akten gelegt wurde. Das Wehr gibt es heute noch. Es steht unter Denkmalschutz und ist von der Löberbrücke aus zu sehen. Meist im geöffneten Zustand. Nur zur Flussfege wird das Wehr heute noch kurzzeitig geschlossen.

Zu jeder Karte eine Geschichte

Mit vielen unbekannten Motiven geht es von dort weiter bergauf. Die kunstvolle Fassade des alten „Kaffeetrichters“ kann bestaunt werden. Es gibt Einsichten in die Thomaskirche, wie sie sich vor der Bombardierung präsentierte, Immer wieder sorgen einzelne Fassaden und Eckhäuer für Orientierung – einige Kartenmotive sind allerdings kaum noch nachzuvollziehen. Endpunkt der Foto-Reise ist der Schützenplatz mit dem davor liegenden Stadion. Es wurde geprägt durch das Marathontor – nur auf dieser Seite gab es zur Einweihung 1931 Sitzplätze.

Neben Postkarten auf denen heute dicht umbaute Gebäude auf nahezu freiem Feld zu sehen sind, werden dabei auch Aufnahmen gezeigt, die nach der Bombardierung 1944 entstanden, als viele Häuser in Schutt und Asche lagen, sich ein weiterer Umbruch der Straßengestaltung abzeichnete.

Die von Seyfarth herausgegebenen Nachschlagewerke sind nicht nur für Erfurter gemacht, die sich gern an das alte Erfurt erinnern, sondern auch für die nächsten Generationen und für Zugezogene. Deshalb achte er bei der Auswahl der Karten stets auf heute noch existierende Bezugspunkte, die dazu einladen, auf Entdeckungstour zu gehen. Das Verständnis für die Stadt, so ist sich Seyfarth sicher, wird dadurch ein ganz anderes – besseres.

Dass es eine Fortsetzung geben wird, steht außer Frage. Die ersten Motive dafür hat Frank Seyfarth schon festgelegt. Im zweiten Teil wird es durch die Kartäuser Straße gehen, Richtung Westen. Wann es erscheinen wird bleibt offen. Seyfarth: „Motive habe ich genug, die Beschreibung der Bilder ist es, die Zeit benötigt.“

Das Buch, Format A5, umfasst 92 Seiten mit 177 Postkarten und ist ab sofort bei Peterknecht und Hugendubel erhältlich.

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