Erfurter Hindernismeister Martin Grau plant Comeback

Erfurt  Erfurter Hindernismeister Martin Grau plant zur Staffel-Meisterschaft sein Comeback und will zur WM.

Martin Grau

Martin Grau

Foto: Jan Huebner/Peters (Archiv)

Auch Hindernisläufer können einmal stolpern. Selbst wenn kein Hindernis im Weg liegt. Als Martin Grau im Mai, ausgerechnet wenige Tage vor dem geplanten Auftakt in die Saison mit der Weltmeisterschaft in Katar (27. September bis 6. Oktober) als Höhepunkt, bei einem gemütlichen Dauerlauf durch den Steigerwald umknickte, kehrte er später noch einmal an den Ort des Geschehens zurück. „Ich wollte nachschauen, ob vielleicht irgendetwas im Weg lag. Aber da war nichts, kein Stock und kein Stein. Trotzdem gehört die Strecke auch in Zukunft zu meinem Trainingsplan. Ich bin da nicht nachtragend“, sagt der 27 Jahre alte deutsche Meister, der sozusagen aus heiterem Himmel seinen Saisonaufbau völlig neu gestalten musste.

Der Leichtathlet vom Top Team des Erfurter LAC macht jedoch keine Abstriche an seinen Zielen. Ihm kommt entgegen, dass in diesem Jahr die Weltmeisterschaft vergleichsweise spät stattfindet. „Ich hatte Glück im Unglück. Alles ist auf einen WM-Start ausgerichtet. Ich plane fest mit einer Teilnahme in Katar“, sagt Grau, der den Bänderriss im Sprunggelenk inzwischen überwunden hat.

Druck hat er dennoch. Denn nachdem er am letzten Juli-Wochenende in Ulm zum Comeback mit der 3x1000-m-Staffel seines Vereins um eine Medaille gelaufen ist, bestreitet er ausgerechnet bei den deutschen Meisterschaften in Berlin (3./4. August) seinen ersten Start über die 3000 Meter Hindernis in diesem Jahr: „So spät bin ich noch nie in die Saison gestartet.“ Auf diese Weise verschieben sich sogar seine Prioritäten. „Klar will ich zur Meisterschaft in Berlin so gut wie möglich abschneiden. Entscheidend ist aber, dass ich die WM-Norm laufe. In diesem Fall wäre ich auch mit Silber zufrieden“, sagt der Erfurter, der für dieses Ziel mindestens 8:29 Minuten laufen muss. Wegen der Hitze in Katar beginnt das Hindernis-Finale der Weltmeisterschaft am 4. Oktober erst um 21.45 Uhr Ortszeit. Aber um überhaupt erst einmal das Ticket zu buchen, braucht der 27-Jährige schon vorher einen kühlen Kopf: „Ich habe nicht viele Versuche, mich zu qualifizieren.“

Vor zwei Jahren wechselte er nach Thüringen in die Trainingsgruppe um Bundestrainer Enrico Aßmus. Seit diesem Jahr startet er auch für den Erfurter LAC. Als der weitere Saisonverlauf im Mai am seidenen Faden hing, fühlte sich Grau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Mit Sportarzt Gerald Lutz plante er die nächsten Schritte, nachdem er eine Woche gar nicht und dann 14 Tage dosiert trainierte. „Ich habe perfekte Bedingungen in Erfurt und bin froh, dass hier alles für mich getan worden ist, um wieder fit zu werden“, sagt der Leichtathlet, der gerade im Höhentraining in der Schweiz für sein Comeback schuftet: „Weil ja die WM so spät stattfindet, habe ich gar nicht so viel verloren.“

Eigentlich wollte Martin Grau schon zum Meeting in Dessau am 14. Juni wieder auf die Tartanbahn zurückkehren. Aber das Risiko damals schien größer, als nun recht spät die Hatz auf die Norm für die Weltmeisterschaft zu beginnen. Sollte er die geforderte Marke zur Meisterschaft in Berlin bestätigen, winkt ihm möglicherweise der dritte deutsche Meistertitel seiner Karriere. Denn auch die Konkurrenz rennt der WM-Fahrkarte noch hinterher. In der aktuellen deutschen Bestenliste liegt mit 8:41,04 Minuten der Berliner Johannes Motschmann an erster Stelle. Hindernis-Meister Grau ist bereit, auch jene Hürde zu meistern. Immerhin hatte er ja Glück im Unglück.

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