FC Rot-Weiß Erfurt: Ein Verein in der Warteschleife

Erfurt  Die wichtigsten Antworten zur Suche nach einem Investor für den FC Rot-Weiß Erfurt und zu laufenden Gerichtsverfahren.

Der FC Rot-Weiß Erfurt will den sportlichen Aufwärtstrend fortsetzen.

Der FC Rot-Weiß Erfurt will den sportlichen Aufwärtstrend fortsetzen.

Foto: Sascha Fromm

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Fußball-Regionalligist FC Rot-Weiß Erfurt kämpft um seine Zukunft. Nach dem zweiten Sieg am Sonntag gegen den BFC Dynamo will der Verein nach dem enttäuschenden Saisonauftakt den sportlichen Aufwärtstrend fortsetzen. Die Zukunft jedoch hängt entscheidend davon an, wann und vor allem ob ein Investor gefunden werden kann, der nach der Ausgliederung der Profis sowie der U 19 die FC Rot-Weiß Erfurt GmbH mit Leben erfüllt. Wir geben einen Überblick über die Entwicklung beim Viertligisten.

Wie sieht die Ausgangslage beim FC Rot-Weiß Erfurt aus?

Der FC Rot-Weiß Erfurt stellte am 14. März 2018 einen Insolvenzantrag, als der sportliche Abstieg des letzten verbliebenen Gründungsmitglieds der 3. Liga so gut wie sicher feststand. Bis August 2018 hatten 132 Gläubiger ihre Forderungen gestellt. Bei Insolvenzverwalter Volker Reinhardt wurden Verbindlichkeiten von 6,8 Millionen Euro angemeldet.

Wie hoch ist der Etat in der laufenden Regionalliga-Saison?

Insolvenzverwalter Reinhardt nennt keine konkreten Zahlen. Aber die Vertragsauflösung mit Andis Shala im vergangenen Sommer und die Entlassung von Sportdirektor Oliver Bornemann im April sowie die Verpflichtung von jungen Spielern zeigt deutlich, dass kräftig gespart werden muss. Im vergangenen Jahr bezifferte Reinhardt den Etat auf 3,5 Millionen Euro. Nur dank privater Sponsoren wurde im Dezember 2018 die Einstellung des Spielbetriebs in der Regionalliga abgewendet. Im März 2019 verhinderte schließlich ein sogenanntes Masse-Darlehen der Volksbank Gera/Jena/Rudolstadt ein weiteres Mal das vorzeitige Aus.

Wer hat aktuell das Sagen beim FC Rot-Weiß Erfurt?

Der Insolvenzverwalter führt den Verein als Verantwortlicher und ist sozusagen auch der Sportdirektor. Ohne ihn kann kein Vertrag abgeschlossen werden. Chef des Aufsichtsrates ist Steffen Böhm. Er wird mit seinem Gremium eine Mitgliederversammlung einberufen: „Eine Frist gibt es nicht. Aber unser Wunsch ist es, dass die Versammlung noch in diesem Jahr stattfinden kann.“

Gibt es inzwischen eine neue Satzung des Vereins?

Ja, die ist im Zuge der Ausgliederung der Profimannschaft notwendig und soll bei der Mitgliederversammlung zur Abstimmung stehen. Die Satzungskommission, die im Januar 2018 berufen wurde, hat nun einen Entwurf vorgelegt, über den die Mitglieder am 25. Oktober, bei einer Informationsveranstaltung beraten werden. Künftig sollen die Mitbestimmungsrechte der Mitglieder gestärkt werden. Zudem ist definiert, wer als Vertreter des Vereins im Beirat der Fußball GmbH sitzen soll.

Wie weit ist inzwischen die Ausgliederung umgesetzt?

Am 30. August ist die FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH ins Handelsregister eingetragen worden. Sie ist eine 100-prozentigeTochter des Vereins. Alle Arbeitsplätze sollen erhalten werden. Die Geschäftsführung der GmbH wird durch einen sechsköpfigen Beirat unterstützt, der sowohl für die Bestellung als auch die Abberufung von Geschäftsführern oder die Zustimmung zu wichtigen Maßnahmen verantwortlich zeichnet. Dem Gremium sollen unter anderem zwei Vorstandsmitglieder sowie der Chef des Aufsichtsrates angehören.

Was bedeutet die Ausgliederung für die künftigen Strukturen?

Im angestrebten Drei-Säulen-Modell können sich Großunternehmen und Finanzinvestoren, regionale Firmen sowie Fans als Investoren durch eine Genossenschaft Anteile am Club sichern. Investoren, die sich mit zehn Prozent am Kapital beteiligen, haben die Möglichkeit, im Beirat vertreten zu sein. Um die 50+1-Regel des DFB zu gewährleisten, hat der Vorsitzende bei Stimmgleichheit zwei Stimmen.

Gibt es nach der Ausgliederung bereits neue Sponsoren?

Der große Investor, der den FC Rot-Weiß eine sichere Zukunft garantieren könnte, ist noch nicht gefunden. „Die Verhandlungen befinden sich in einem sehr fortgeschrittenen Stadium, so dass wir hoffen, zeitnah Ergebnisse präsentieren zu können“, hieß es in einer Erklärung des Insolvenzverwalters vom 29. Juli 2019. Seitdem ist jedoch nichts geschehen. „Wir warten gespannt, dass ein Investor präsentiert wird“, sagt Aufsichtsratschef Böhm. Nur durch finanzkräftige Kapitalanleger kann Erfurt langfristig wieder neue sportliche Ziele angehen.

Ist der Streit mit dem Hauptsponsor inzwischen ausgeräumt?

Insolvenzverwalter Reinhardt, der den Hauptsponsor (Autohaus König) verklagt hatte, äußert sich nicht zum aktuellen Stand. Auch der Hauptsponsor selbst ließ eine Anfrage unserer Redaktion unbeantwortet. Aus Sicht des Insolvenzverwalters war das Unternehmen seiner Zahlungspflicht nicht nachgekommen, weshalb er den juristischen Weg wählte.

Wann ist die Insolvenz beim FC Rot-Weiß Erfurt abgeschlossen?

Insolvenzverwalter Reinhardt geht davon aus, dass die eigentlich bis Juni 2019 geplante Insolvenz unabhängig von der Ausgliederung nun noch mindestens zwei Jahre laufen wird. Es soll gelingen, den Verein, der sich künftig ausschließlich der Jugendarbeit widmet, von den Schulden zu befreien.

Welche Gerichtsverfahren sind noch nicht abgeschlossen?

Ex-Manager Torsten Traub, der trotz unbefristeten Arbeitsvertrags im November 2017 beurlaubt worden war, siegte vor dem Arbeitsgericht. Dies erklärte die zwei erfolgten Kündigungen als unrechtmäßig. Rot-Weiß musste teilweise den Verdienstausfall bis Februar 2019 zahlen. Da der 43-Jährige einen unbefristeten Vertrag besitzt, ist er auf dem Papier sogar wieder Angestellter des Clubs. In einem weiteren Verfahren soll nun entschieden werden, ob dieser Arbeitsvertrag durch den Wegfall der Sportdirektoren-Stelle überhaupt noch Gültigkeit besitzt. Im schlimmsten Fall droht dem FC Rot-Weiß die Zahlung einer zusätzlichen Abfindung.

Gibt es noch weitere juristische Auseinandersetzungen?

Ja, die Staatsanwaltschaft Erfurt ermittelt im Zusammenhang mit der Insolvenzeröffnung des FC Rot-Weiß wegen des Verdachts des Bankrotts. „Die Ermittlungen sind noch nicht abgeschlossen, haben aber den Anfangsverdacht bislang nicht erhärtet“, sagte Oberstaatsanwalt Hannes Grünseisen auf Anfrage unserer Zeitung. Mit dem Abschluss des Verfahrens sei im Oktober zu rechnen, erklärte er.

Droht dem Verein möglicherweise weiterer juristischer Ärger?

Ja. Der einstige Sportdirektor Oliver Bornemann klagt gegen die Beurlaubung zum 30. April. Der Insolvenzverwalter argumentiert, dass die Stelle des Sportdirektors weggefallen sei und erwartet eine Bestätigung der Kündigung durch das Arbeitsgericht. Auch der Prozess gegen Ex-Trainer Stefan Emmerling, der in erster Instanz vom Verein verloren wurde, ist noch nicht abgeschlossen. Er befindet sich in der Berufung.

Wie sieht die sportliche Perspektive in dieser Saison aus?

Der FC Rot-Weiß belegt nach acht Spielen Platz zwölf (9 Punkte/11:14 Tore). Insolvenzverwalter Reinhardt bleibt trotz des dürftigen Saisonstarts gelassen: „Ich habe großes Vertrauen in die Arbeit von Trainer Thomas Brdaric und in die Leistungsstärke der gesamten Mannschaft. Es ist meine feste Überzeugung, dass die Mannschaft am Ende der Saison einen Platz unter den ersten fünf der Tabelle schaffen kann, gerade auch in den neuen Strukturen, die wir jetzt geschaffen haben.“

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