Geschichtsverein "Flugplatz Nohra" gibt ehemaliges Sperrgelände auf

Rot leuchtet es hinter Wladimir Iljitsch Lenin. Der Revolutionsführer und ein "unbekannter Soldat" sind auf der ehemaligen sowjetischen Militärliegenschaft Nohra-Süd die Letzten, die noch die Stellung halten. Die Lenin-Skulptur ließ die LEG im Rahmen der Abrissarbeiten noch einmal konservieren.

Das Casino erwies sich als untauglich für eine Umnutzung als Jugendclub. Sein Keller steht unter Wasser. Versuche der Jugendlichen von Nohra, ihn trocken zu legen, misslangen. Foto: Sabine Brandt

Foto: zgt

Nohra. Das Denkmal für den unbekannten Soldaten dagegen wird gerade vom Wald zurück erobert. Sein roter Stern verblasst. Leise rieselt der sich zersetzende Beton in den Schnee.

Vor zwei Jahren träumten die Männer vom Geschichtsverein "Flugplatz Nohra" noch davon, das ehemalige Sperrgelände für Wanderer zu erschließen und für Wissbegierige zu beschildern. In einem der beiden Wachhäuser, die von der Abrissbirne verschont blieben, sollte ein kleines Museum zur Geschichte des Garnisonsstandorts Weimar eingerichtet werden. Es mit Material zu bestücken, wäre ein Leichtes gewesen für den Verein. "Wir hätten neben dem Garnisonsmuseum Wünsdorf das einzige Museum für sowjetische Militärgeschichte in der ehemaligen DDR werden können", glaubt Christian Handwerck, der zweite Vorsitzende des Vereins. Doch es kam anders.

Ein großer Teil des Geländes ist inzwischen von einem stabilen Zaun umgeben. Auch das östliche Wachhaus, das der Geschichtsverein bespielen wollte, ist nicht mehr zugänglich. Alternativ sei den ambitionierten Regionalforschern das westliche Torhaus angeboten worden. Dessen Zustand aber ist derart marode, dass sie dankend ablehnten.

Sonderausstellung

Mittlerweile geht auch Christian Handwerck davon aus, dass die Aktivitäten seines regen und sehr penibel arbeitenden Vereins sich eher in Weimar entfalten lassen als am ehemaligen Kasernenstandort Nohra. So läuft derzeit im Weimarer Stadtmuseum eine Sonderausstellung zur "Geschichte der Garnison Weimar-Nohra bis zum Abzug der Sowjetarmee", die der Geschichtsverein erarbeitet hat.

Auch die Gemeinde Nohra hat ihre früheren Pläne für das beräumte Areal inzwischen aufgeben müssen.

Ursprünglich wollte sie das Gelände von der LEG übernehmen; es sollte verschiedenen Freizeitaktivitäten vorbehalten bleiben. Der Traum von einem Jugend-Zentrum unter dem Dach des ehemaligen Offizierskasinos, wo man laut Musik hätte spielen können, ohne jemandem die Nachtruhe zu rauben, war aber bald ausgeträumt.

Keller erweist sich als Fass ohne Boden

Laut Bürgermeister Andreas Schiller hatten die Jugendlichen seiner Gemeinde versucht, zu retten, was zu retten gewesen wäre an dem völlig desolaten Casino aus den Fünfzigerjahren. Sie seien aber schon an der Trockenlegung des Kellers gescheitert: "Sobald er ausgepumpt war, lief der Keller wieder voll Wasser", sagt Schiller. Sprichwörtlich ein Fass ohne Boden, obwohl es technisch betrachtet das Gegenteil davon war.

Der Gemeinderat von Nohra mochte die Verantwortung für einen solch schweren Sanierungsfall nicht übernehmen. Zumal auch das Dach kaputt und immer mehr Scheiben eingeschlagen waren.

So kam der Gemeinde die Anfrage eines Unternehmers aus Isseroda entgegen, der sich für das komplette Gelände interessierte und plant, dort ein Wildgehege einzurichten. Inzwischen ist Nohra-Süd samt Wache, Denkmalen, Casino und der sogenannten Kommandeursvilla verpachtet. Im Großen und Ganzen ist Andreas Schiller froh, dass die Absicherung des Areals und der wenigen übrig gebliebenen Gebäude nicht mehr Aufgabe der Gemeinde ist.

Lenin und der unbekannte Soldat allerdings befinden sich auch weiterhin außerhalb der Umzäunung und freuen sich über Besuch ab und zu.

Im Rahmen der Sonderausstellung "Garnisonsstandort Weimar-Nohra" lädt der Geschichtsverein "Flugplatz Nohra" zum Ausstellungsgespräch: Sonntag, 27. Januar, 15.30 Uhr, Stadtmuseum Weimar.

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