Wenn schon auf der Bühne nichts läuft: Virtuell durch das Theater Erfurt spazieren

Erfurt  360-Grad-Aufnahmen laden bereits auf die Krämerbrücke und zur Vernissage ein. Nun zieht das Theater nach.

Hereinspaziert: Blick von der Bühne in den Zuschauerraum.

Hereinspaziert: Blick von der Bühne in den Zuschauerraum.

Foto: Theater Erfurt

Nachdem die Krämerbrücke bereits zu einem virtuellen Spaziergang über das Pflaster mit Blicken in die Häuser und Werkstätten einlädt, hat nun auch das Theater Erfurt diese Möglichkeit für entdeckt, sich trotz coronabedingter Schließung wenigstens virtuell für Besucher zu öffnen. Selbstbewusst wird darauf hingewiesen, dass es sich beim Theater Erfurt nicht nur um „eine der modernsten Spielstätten Europas mit anspruchsvollem Musiktheater und abwechslungsreichen Konzerten“ handele, sondern nun nach eigenem Bekunden auch um eines der wenigen Theater in Deutschland, die sich virtuell erkunden ließen.

Während beim Krämerbrücken-Rundgang sogar Einblicke in einen Wohnbereich, vor allem aber in Geschäfte und Werkstätten gewährt werden, bleibt dem virtuellen Theaterbesucher in den Etagen des Gebäudes mancher Einblick verwehrt. Büros beispielsweise finden sich in den Abbildungen der sechs Etagen nicht wieder, ebenso wenig gibt es einen Einblick in das Werkstattgebäude. Immerhin: Bühne, Publikumsraum, Technikbereiche – Theaterfans können vor dem Rechner schauen, was Opernfans seit September 2003 im Neubau im Stadtteil Brühl erwartet. Dazu gibt es zahlreiche Bilder, verlinkte Videos und einige Hintergrundinformationen per Mausklick zu entdecken. Eine Erweiterung aber ist bereits geplant: Stück für Stück sollen weitere Gebäudeteile und Einblicke hinzukommen.

Fotografie-Hobby in der dritten Dimension

Der 3-D-Scan des Theaters basiert auf dem gleichen Matterport-System, mit dem Dominik Kalies die Krämerbrücke fotografiert hat, zum Zuge kam beim Theater-Auftrag aber jemand anderes. Kalies, eigentlich Personaldisponent bei den Erfurter Verkehrsbetrieben, hat schon lange einen Ausgleich zum Job in der Fotografie gefunden, seit jüngerer Vergangenheit eben in 360 Grad. Nachdem er etliche Aufnahmen der Krämerbrücke, die er quasi mit der Kamera komplett abgescannt hat, vom System hat zusammenbauen lassen samt Puppenhaus-Ansicht, hat er weitere Projekte gestartet. So konnte er unlängst zur Vernissage im Haus zum bunten Löwen mit der 360-Grad-Technik einladen. Klaus Nerlichs Fotografien sind in der Ausstellung des Verbandes Bildender Künstler Thüringen zu sehen. Coronabedingt konnte es keine Vernissage in den engen Räumen geben, so dass nun zum virtuellen Kunstbesuch eingeladen wird.

„Ein cooles System aus Kamera und Software, dessen Ergebnis mich immer wieder neu begeistert“, sagt Kalies. Er hat noch viel vor damit. So hat er die Umbauten der Kaufmannskirche am Anger schon sechs Mal gesannt, so dass der Bau im Wandel auch nach Fertigstellung der Arbeiten noch erlebbar sein wird. Sein Engagement für eine virtuell begehbare Krämerbrücke hat ihm inzwischen eine Berufung zum „Erfurt-Botschafter“ eingebracht.

Das sind die Links zu den Seiten im Internet:
www.theater-erfurt.de/rundgang
http://www.kuenstler-thueringen.de/
https://www.kraemerbruecke-erfurt.de/
https://www.360grad-world.de/