Bierflasche sorgt in Gotha für Chaos

Klaus-Dieter Simmen
| Lesedauer: 4 Minuten
Eine Bierflasche war der Auslöser für ein Gerangel zwischen zwei Frauen und der Polizei. Jetzt wurde der Fall vor dem Amtsgericht Gotha verhandelt.

Eine Bierflasche war der Auslöser für ein Gerangel zwischen zwei Frauen und der Polizei. Jetzt wurde der Fall vor dem Amtsgericht Gotha verhandelt.

Foto: Symbolbild

Gotha.  Personenkontrolle durch die Polizei gerät im Lockdown aus den Fugen. Die Folgen werden vor dem Amtsgericht Gotha verhandelt.

Eigentlich wollten die Polizisten dem Quartett, das sich durch diese Aprilnacht vergangenen Jahres bewegte, nur sagen, dass es gegen geltende Corona-Regeln verstößt. Der erhobene Zeigefinger hätte durchaus ausreichen sollen. Stattdessen geriet die ganze Aktion aus den Fugen. Und das vor allem, weil eine Frau sich weigerte, ihre Bierflasche abzustellen.

Sie ist ebenfalls angeklagt, bleibt jedoch der Verhandlung vorm Amtsgericht in Gotha fern. Es heißt, sie befinde sich im Krankenhaus. So nimmt denn ihre 21-jährige Tochter allein auf der Anklagebank Platz. Ihr wirft die Staatsanwältin vor, sich gegen die Maßnahmen der Polizisten widersetzt und dabei auch Gewalt ausgeübt zu haben. Außerdem soll sie die Beamten beleidigt haben.

Mutter und Tochter waren mit zwei Männern unterwegs, als die Streife auf sie aufmerksam wurde. Während die Männer den Forderungen nachkamen, ignorierten die Frauen diese völlig und liefen einfach weiter. Schließlich traten ihnen die Polizisten in den Weg. Einer von ihnen verlangte von der Mutter, die Bierflasche, die sie in der Hand trug, abzustellen. Sie weigerte sich, so dass der Beamte sie ihr wegnehmen wollte. Das versuchte die Frau zu verhindern, es gab ein Gerangel, an der sich auch die Tochter beteiligte.

Das rief einen weiteren Ordnungshüter auf den Plan, der die 21-Jährige fortzog und zu Boden brachte. Beim Versuch, ihr Fesseln anzulegen, biss sie dem Mann kräftig in den kleinen Finger. In der Zwischenzeit war auch die Mutter fixiert, was jedoch keine der beiden davon abhielt, die Polizisten anzufeinden. Dabei konnten sie auf ein beachtliches Reservoir an Schimpfworten und Beleidigungen zurückgreifen, wie einer der Beamten aussagt. Was schon vorher zu erkennen war, bestätigte eine Atemalkoholprobe: Die beiden hatten einen Blutalkoholwert von jeweils knapp 1,9 Promille.

Die Angeklagte hat eine andere Version parat. Sie leugnet nicht, sich der Kontrolle entzogen zu haben. Doch wütend auf den Beamten sei sie erst losgegangen, weil einer seiner Kollegen die gefesselte Mutter gegen den Kopf getreten habe. Allerdings kann keiner der als Zeugen befragten Polizisten das bestätigen. Und auch der Mann, der zum Quartett gehörte, hat das nicht gesehen. Unmittelbar nach der Aktion habe er weder eine Verletzung bei der Mutter bemerkt noch habe sie oder ihre Tochter davon gesprochen, erzählt er.

Die vier haben gemeinsam getrunken, bis das Bier ausgegangen sei, sagt der Zeuge. Aus diesem Grunde habe man beschlossen, die Wohnung zu wechseln – nämlich dahin, wo noch ausreichend Vorräte lagerten. Das habe man nach dem Ende der Polizeiaktion auch getan. An weitere Einzelheiten könne er sich nicht erinnern, er vertrage halt nicht so viel, sicher sei nur, dass er am frühen Vormittag wieder zu Hause gewesen ist.

Die junge Frau hat in ihrem bisherigen Leben wenig Erfolgserlebnisse, dafür bereits fünf Einträge im Bundeszentralregister. Nach der Schule hat sie keine Ausbildung begonnen und keine Arbeit angenommen. An Hartz IV bezieht sie nur knapp 200 Euro. Ein Anwalt klagt derzeit, um ihr die vollen Bezüge zu sichern. Sie ist alkoholabhängig und greift auch zu Marihuana. Beides nicht wirklich die besten Mittel bei der Depression, die ihr diagnostiziert ist. Das berücksichtig die Staatsanwältin auch in ihrem Plädoyer. Für sie ist die Angeklagte schuldig. Und sie fordert deshalb eine Bestrafung: 100 Arbeitsstunden soll die Angeklagte leisten. Ebenso soll sie sich in die Hände einer Suchtberatung begeben.

Dem kann der Verteidiger wenig entgegensetzen. Er befindet 60 Arbeitsstunden für ausreichend, die Suchtberatung aber zwingend. Am Ende entscheidet sich Richterin Viola Steigerwald für eine Verwarnung an die junge Frau. Sie verdonnert diese zudem zu 100 Arbeitsstunden. Und für vier Monate muss eine Suchtberatungsstelle aufgesucht werden. Dabei berücksichtigt die Richterin den Zustand der Angeklagten. Anfangs könne sie es bei zwei Arbeitsstunden pro Tag belassen, bis sie wieder zu einem geregelten Tagesablauf gefunden hat.