Gegen die Wegwerfgesellschaft: In Jena eröffnet ein Reparier-Café

In der Krautgasse werden ab kommender Woche defekte Sachen wieder fit gemacht.

Das erste Reparier-Café eröffnet in der Krautgasse: Stephan Richter zeigt, wie einfach es ist, einen kaputten Mixer wieder zum Laufen zu bringen. Einmal im Monat soll es das Angebot geben unter Anleitung kaputte Dinge zu reparieren. Foto: Anne Zeuner

Das erste Reparier-Café eröffnet in der Krautgasse: Stephan Richter zeigt, wie einfach es ist, einen kaputten Mixer wieder zum Laufen zu bringen. Einmal im Monat soll es das Angebot geben unter Anleitung kaputte Dinge zu reparieren. Foto: Anne Zeuner

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Jena. Gegen die Wegwerfgesellschaft wollen sich ein paar junge Leute aus Jena stellen. Sie eröffnen in der kommenden Woche das erste Jenaer Reparier-Café. "Kaum einer weiß doch heute noch, wie man einen Toaster aufschraubt", sagt Oda Beckmann vom Gründungsteam des Cafés.

Genau darin liege auch der Grundgedanke des Treffpunktes. "Man soll nicht zu uns kommen, sein kaputtes Zeug abgeben und wieder gehen, es geht darum gemeinsam zu lernen, wie der Toaster wieder fit gemacht werden kann", sagt sie. Oft seien die heutigen Geräte sogar schon so hergestellt, dass sie nach einem halben Jahr den Geist aufgeben, sagt Max Dornheim, der ebenfalls zu den Gründern des Reparier-Cafés gehört. "Manchmal werden sogar extra Teile eingebaut, die schnell verschleißen." Das sei zu Großvaters Zeiten noch anders gewesen, da sind sich die Macher des Reparier-Cafés einig. Vor allem zu DDR-Zeiten sei man ja sogar darauf angewiesen gewesen, die kaputten Geräte zu reparieren.

Am Donnerstag, 31. Juli, von 16 bis 21 Uhr öffnet das Café in der Krautgasse 26 zum ersten Mal seine Türen. Vier Teams leiten die Besucher an. Da gibt es die Gruppe "Nähen", die Löcher in Klamotten stopft oder Knöpfe annäht. Die Gruppe "Elektro" kümmert sich um alles, was ein Kabel hat, also Mixer, Toaster oder Elektro-Werkzeug. Selbst Möbel, Spielzeug und alles andere, was sonst kaputt zu Hause steht, kann mitgebracht werden. "Eine Garantie können wir natürlich nicht geben, dass das Gerät dann wieder funktioniert", sagt Oda Beckmann. "Aber einen Versuch ist es ja wert."

Stephan Richter führt direkt vor, wie leicht es ist, einen kaputten Mixer wieder zum Laufen zu bringen. Schrauben rausgedreht, ein kurzer Blick in das Innenleben. "Oft ist es nur ein Kabel wie hier, das abgebrochen ist. Das Löten wir jetzt einfach wieder zusammen", sagt er. Und tatsächlich, ein paar Minuten später hört man das Surren des Mixers aus der kleinen Werkstatt. Die Initiatoren des Reparier-Cafés haben sich zusammengeschlossen mit dem Jenaer Verein "Hackspace". Hinter "Hackspace" verbergen sich lokale Hacker, die Spaß am kreativen Umgang mit Technik haben, sagt Vorstand Jena Kubieziel.

Mit dem Reparier-Café folgen die Jenaer nun einem Trend, der sich bereits in ganz Deutschland und Europa ausbreitet. Die Bastler wollen ein Zeichen setzen, sich gegen die Profitgier großer Firmen stellen, die die billigen Geräte oft unter nicht-fairen Bedingungen herstellen lassen. "Wir können uns solch einen Stil doch gar nicht leisten, wir wissen doch, dass die Ressourcen auf dieser Erde endlich sind", sagt Barbara Nietzel. Ihr Können haben sich die Tüftler im Übrigen selbst beigebracht und wollen es nun an die Jenaer weitergeben.

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