Jena im Winter erstaunlich anziehend

Jena.  Touristen suchen Jena als Winterferien-Reiseziel aus: Tendenz leicht steigend.

Ob Jena sich noch als großer Tourismus-Magnet entpuppt, steht in den Sternen. Das Planetarium (im Bild) bleibt gemessen an den Besucherzahlen nach wie vor Jenas stärkster Touristen-Magnet.

Ob Jena sich noch als großer Tourismus-Magnet entpuppt, steht in den Sternen. Das Planetarium (im Bild) bleibt gemessen an den Besucherzahlen nach wie vor Jenas stärkster Touristen-Magnet.

Foto: Peter Michaelis

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Auf den ersten Blick scheint Jena im Winter kein besonderer Tourismusstandort zu sein. Dieser Eindruck entsteht, wenn man derzeit einige Hoteliers der Stadt dazu befragen möchte, wie diese Woche sich auf ihr Geschäft auswirke. Die sind nämlich nicht erreichbar, sondern selbst auf Urlaub. Ausgelastet dürften deren Hotels diese Woche also kaum sein. Oder?

„Gewöhnlich ist es im Winter sehr ruhig, besonders in den Ferien ist wenig los“, sagt Christian Hempfe, Chef de Cuisine im Hotel Scala. Hempfe vertritt den Geschäftsführer, Andreas Machner, in seiner Abwesenheit. Dabei ist es nicht unwahrscheinlich, dass Machner und seine Kollegen sich künftig ein neues Zeitfenster zum Reisen suchen müssen. Offenbar zieht Jena wieder mehr Winterurlauber an als in den vorherigen Jahren. Hempfe spricht von steigenden Besucherzahlen. „Diesmal stehen wir überraschenderweise gut da. Das freut uns natürlich besonders. Normalerweise sind die Winterferien eine eher schlechte Woche für uns“, sagt Hempfe. Es herrsche im Haus nahezu Hochbetrieb. Den Worten des Gastronomen zufolge ist das Turmhotel derzeit zu rund 80 Prozent ausgelastet. Hempfe kann ein Profil seiner momentanen Besucher erstellen: Einerseits seien da nationale und internationale Businessgäste. Sie würden für das Hotel aber ohnehin eine Konstante darstellen. Andererseits die Neuen: vorrangig deutsche Familien mit Kindern. Jene also, die in dieser Woche frei haben und verreisen können. Lange dauert deren Aufenthalt in Jena aber nicht. „In der Regel sind das Tagestouristen, die für eine oder maximal zwei Nächte bleiben. Sie sehen sich die Stadt und die Umwelt hier an und fahren wieder.“

Hälfte der Planetariums-Besucher kommt in Winterferien

Ein weiterer Gradmesser für die Beliebtheit der Stadt ist, wie viele Reisende sich ihre Sehenswürdigkeiten ansehen. Im Zeiss-Planetarium genießen die Winterferien einen guten Ruf. Seit einiger Zeit wirken sich die Winterferien dort positiv auf die Zahlen aus. „Die Ferienwoche ist für uns eine sehr besucherstarke Zeit. Sie macht gleich viel aus wie der restliche Monat“, sagt Geschäftsführer Jörg Hühn. Von mehr als 10.000 Personen, die sich im Februar das Zeiss-Planetarium ansehen, kamen nach Hühns Worten rund 5.000 in den Winterferien. „Diesen Trend beobachten wir schon seit Jahren, und die Tendenz steigt.“ Noch mehr Gäste könne man im Dezember verbuchen. Im tendenziell starken Monat kommen etwa 15.000 Personen ins Planetarium – der Anteil in den Ferien sei durchschnittlich. „Von außerhalb kommen besonders viele Schulgruppen“, sagt Hühn. Er weiß ebenfalls über die Herkunft seiner Gäste Bescheid. Wie auch das Scala wird das Zeiss-Planetarium vorrangig von Deutschen besucht. Meistens seien es Personen, die ursprünglich aus Jena kommen. „Oft sind es Studenten, die in den Ferien in die Heimat zurückkommen. Oder Leute, die sich bereits in einer anderen Stadt ein Leben aufgebaut haben, Kinder haben, die zur Schule gehen und nun in der freien Woche ihre Eltern und die Familie besuchen“, sagt Hühn.

Ein anderer Faktor seien die Reisegruppen, die am selben Tag an- und abreisen. Sie würden rund ein Zehntel der Besucherzahlen ausmachen.

Ruf der Wirtschaft nach einem Hotel

Noch so ein Indikator: die Stadtführungen? Carsten Müller, Vize-Chef des Eigenbetriebes Jenakultur und verantwortlich für Stadtmarketing und Veranstaltungsmanagement, er kann da keine auffälligen Wasserstandsmeldungen geben. „Nein, da merken wir gerade nichts“, sagte er. Er hat auch eine Erklärung dafür, dass in der Tourist-Information als Ticket-Shop der Andrang beim Planetarium weniger genau messbar ist. „Wer im Alter der digital Affinen ist, bucht direkt im Planetarium.“ Durch die touristische Brille geschaut, sei es aber zum Beispiel erfreulich, dass 2019 die Zahl der Übernachtungen in Jena gegenüber dem Vorjahr wieder gestiegen sei. Das habe auch mit dem neu eröffneten „B & B“-Hotel Am Anger zu tun. Überdies sei das Hotel höheren Standards, das auf dem Parkplatz am Volksbad entstehen soll, dringend erforderlich. Beim Standard Vier-Sterne-Plus „muss in Jena noch was passieren“, sagte Müller. „Das ist ein Impuls, der regelmäßig von der Jenaer Wirtschaft kommt.“ Insgesamt sei in Jena städtetouristisch vieles in Bewegung. Etwa für den Qualitätswanderweg „Saale-Horizontale“ sei ein „intensiver Entwicklungsprozess“ im Gange. „Das passiert nicht mit Schnipps bis morgen.“

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