Jenaer Bürgermeister: Neue Regel für Schulen ist „skandalös“

Jena.  Christian Gerlitz empört sich über Thüringer Sonderweg des Verzichts auf komplett vorgezogene Weihnachtsferien

Jenas Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD)

Jenas Bürgermeister und Stadtentwicklungsdezernent Christian Gerlitz (SPD)

Foto: Stridde

„Das ist skandalös und empört mich.“ So hat Bürgermeister Christian Gerlitz (SPD) Thüringens neue Verordnung zum Umgang mit dem Corona-Schulalltag am Jahresende kommentiert. Dass der Freistaat nach dem Ministerpräsidenten-Treffen mit der Bundeskanzlerin nun einen Sonderweg ohne vorgezogene Ferien geht, sei besonders ärgerlich:

Von der 7. Klasse an aufwärts sollen die Schüler zwischen dem 21. Dezember 2020 und dem 10. Januar 2021 in das häusliche Lernen wechseln. Die Kleineren gehen erst planmäßig ab 23. Dezember in die Ferien. Wenn Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) jetzt so tue, als würde mit jenem Schritt die Bildungsgerechtigkeit gestützt, sei das nicht stimmig. Mit seinem zögerlichen Agieren in den letzten Pandemie-Wochen habe Ramelow doch befördert, dass Thüringen beim Infektionsgeschehen „nicht mehr das Polster“ des Sommers habe und Hildburghausen als Deutschlands Hotspot Nummer 1 dasteht. Gerlitz denkt etwa an die lediglich „freundliche Empfehlung“, im Privaten die sozialen Kontakte einzuschränken. Alle Maßnahmen der Pandemie-Eindämmung würden doch aber nach dem Prinzip der kommunizierenden Röhren funktionieren.

Klagen sind programmiert

Der „große Thüringer Ferienkompromiss“ sei schon deshalb fragwürdig, weil die kleinen Schüler besonders wenig Abstand halten und viel eher die Infektion weitertragen. Jena habe mit seiner nun nicht erhörten Bitte der komplett vorgezogenen Ferien erreichen wollen, dass eine Atempause im Kampf gegen die Pandemie entsteht. – Und dass eine Vorlaufzeit gewonnen wird, ehe die Familien Weihnachten zusammenkommen. Zudem seien juristische Anfechtungen der jetzt manifestierten Ungleichbehandlung programmiert.

Und wie aberwitzig aus Gerlitz’ Sicht: Das Landesverwaltungsamt habe soeben die Thüringer Gesundheitsämter angeschrieben. Mit Hinweis auf die thüringenweit über 50 liegende Inzidenzzahl habe das Landesverwaltungsamt „weitergehende Maßnahmen“ angemahnt. Offenkundig, so sagt Gerlitz, spielten nicht mehr alle Teile der Landesregierung die gleiche Musik.