Jenaer Museen: Stühle-Rücken in der Chef-Etage

Jena.  Erik Stephan wird Interimsdirektor, Ulf Häder leitet jetzt das Romantikerhaus. Es kommt die Zeit der Strukturarbeit.

Jenakultur-Chef Jonas Zipf (3. von links) hat die neue Leitungsstruktur der Städtischen Museen verkündet. Der bisherige Direktor Ulf Häder (von links) übergibt an den Kurator der Kunstsammlung Erik Stephan (von links) und dessen nunmehrige Stellvertreterin Christiane Hühn (rechts). Häder wird Leiter des Romantikerhauses. Bildmitte: eine Fotoarbeit des Künstlers Julian Röder, dessen Ausstellung vom 5. Dezember an die erste nach der aktuellen Sanierung der „Göhre“ ist.

Jenakultur-Chef Jonas Zipf (3. von links) hat die neue Leitungsstruktur der Städtischen Museen verkündet. Der bisherige Direktor Ulf Häder (von links) übergibt an den Kurator der Kunstsammlung Erik Stephan (von links) und dessen nunmehrige Stellvertreterin Christiane Hühn (rechts). Häder wird Leiter des Romantikerhauses. Bildmitte: eine Fotoarbeit des Künstlers Julian Röder, dessen Ausstellung vom 5. Dezember an die erste nach der aktuellen Sanierung der „Göhre“ ist.

Foto: Thomas Stridde

In den Städtischen Museen hat sich das Personalkarussell gedreht. Vom 1. Oktober an wird Kunstsammlungskurator Erik Stephan auf zwei Jahre Interimsdirektor sein. Als Stellvertreterin hat er Christiane Hühn an der Seite, die seit 2016 Teamleiterin für Verwaltung im Hause ist und zuvor als Referentin des damaligen Bürgermeisters Christoph Schwind wie auch im Finanzdezernat Erfahrungen sammelte. Der bisherige Direktor Ulf Häder lenkt fortan das Romantikerhaus, das seit dem Ausscheiden des verdienstvollen Klaus Schwarz schon viele Monate ohne eigenen Leiter dasteht.

Mit der neuen Leitungsstruktur sollen an den drei „Kernstellen“ der Städtischen Museen – Kunstsammlung, Stadtgeschichte, Romantikerhaus – „Entwicklungsprozesse“ angestoßen werden, sagte Jonas Zipf, Chef des Eigenbetriebes Jenakultur. Gleichwohl: „Wir stehen mit der Kultur und den Museen vor Herausforderungen.“ So werde das museale Projektvolumen in den nächsten anderthalb Jahren kaum aufrechtzuerhalten sein. Zuletzt standen pro Jahr zehn Wechselausstellungen zu Buche – fünf in der Kunstsammlung, drei im Stadtgeschichtsbereich, zwei im Romantikerhaus. Auch die Geschicke des 1806-Museums Cospeda, der Pelzer-Werkstatt und des Karmelitenklosters müssten im Auge behalten werden.

Zipf erläuterte, dass die fällige neue Zuschussvereinbarung zwischen Stadt und Jenakultur wegen Corona um ein Jahr verschoben werden musste und anschließend für die Zeit von 2022 bis 2025 fixiert werden soll. „Dadurch haben wir einen einjährigen Notwirtschaftsplan; das nächste Jahr wird das harte Jahr.“ Weniger Ausstellungen – das lasse aber auch „Zeit für Strukturarbeit“.

Stichwort Kunstsammlung: Weil seit Jahrzehnten nach einem Kunsthaus gerufen werde, „braucht es in den nächsten sechs Jahren eine Klärung dieser Frage“, sagte Zipf – eine Anspielung auf den 60-jährigen Erik Stephan, der seit dem Jahr 2000 hochkarätige Kunstausstellungen ins Haus holt und 2026 in den Ruhestand geht. In der „Jenaischen Zeitung“ sei 1911 erstmals ein Kunsthaus für Jena gefordert worden, berichtete Stephan. „Man kann nicht sagen, dass wir es nicht erwarten können.“ Zipf räumte aber ein, dass Erik Stephan jetzt weniger Zeit für die Kunstausstellungen und die Sammlung bleibt. „Das ist die Lücke, die es in der Familienaufstellung zu füllen gilt.“

Stichwort Stadtgeschichte: Hier sei dringend eine Überarbeitung vonnöten. Die „Zeitstrahlgestaltung“ im Treppenhaus der „Göhre“ hört kurz nach 1945 auf, und die Dauerausstellung endet bei der Zeit vorm Ersten Weltkrieg, so berichtete Ulf Häder. Die Dringlichkeit der Weiterentwicklung des Ressorts Stadtgeschichte und die chronische Beengtheit der Kunstausstellungen markieren aber auch das schier ewige Platzproblem in der Göhre. Der Kunsthaus-Wunsch speist sich aus diesem Zwist.

Stichwort Romantikerhaus: Es sei „der Impuls von Ulf Häder“ gewesen, das Romantikerhaus mit neuer Leitungskraft voranzubringen, sagte Jonas Zipf. Im Vergleich zu den Kunstausstellungen: Deren Reputation sei Erik Stephan zu danken. „Das Romantikerhaus aber bringt das Alleinstellungsmerkmal per se mit“, sagte Häder mit Hinweis auf die Frühromantiker und auf Jena als Zentrum der Denker und Dichter um 1800. „Jena ist vor Zeiss und Schott bekannt gewesen.“ Japanern und Koreanern falle beim Stichwort Jena „zuerst Hegel ein“. Die bei der Germanistin Cornelia Ilbrig in Auftrag gegebene Arbeit am Konzept für das Romantikerhaus befindet sich nach Jonas Zipfs Worten auf der Zielgeraden. Es bleibe die Frage, ob das Konzept sich jetzt schon umsetzen lasse.