Sprengstoff im Plattenbau: Todesfall nach Experiment in Lobeda

1998, im selben Jahr, als das Jenaer Neonazi-Trio nach dem Auffinden von 1,4 Kilo TNT untertauchte, sprengte sich in der Plattenbausiedlung Jena-Lobeda ein junger Mann in die Luft. Seine Nachbarn kamen noch einmal mit dem Schrecken davon.

Rechtsextremismus mitten in Deutschland – eine DVD aus dem Heron-Verlag, finanziert vom Verfassungsschutz. Foto: Rita Specht

Rechtsextremismus mitten in Deutschland – eine DVD aus dem Heron-Verlag, finanziert vom Verfassungsschutz. Foto: Rita Specht

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Jena. Dass der Jugendliche dem braunen Milieu zuzurechnen ist und womöglich Beziehungen zum Fahndungs-Trio hat, bestritten Polizei und Staatsanwaltschaft damals.

Im November 2000 fragte unsere Zeitung in ihrer Jenaer Ausgabe, ob es sich um einen Rechtsterroristen gehandelt haben könnte. Die Vermutung wurde genährt durch Aussagen, die der damalige Thüringer Ex-Verfassungsschutzchef Dr. Helmut Roewer am Rande einer Vorstellung des Films "Jugendlicher Extremismus mitten in Deutschland - Szenen aus Thüringen" vom einstigen Jenaer Landtagsabgeordneten Reyk Seela (CDU) machte. Der Film entstand im Heron-Verlag, wie sich später heraus stellte - ein Tarnverlag des Thüringer Verfassungsschutzes. Darin kommen auch der einstige V-Mann Tino B. und der Jenaer Rechtsextreme André K. zu Wort. Am Rande dieser Veranstaltung verteidigte Helmut Roewer, den Lobeda-Täter amtsintern in einem Atemzug mit Uwe B., Uwe M. und Beate Z. genannt zu haben. Es gebe eine Anzahl "nicht zu unterschätzender Einzeltäter und Kleinstgruppen", ließ er sich damals zitieren. Der Lobedaer Sprengstoffbastler sei solch ein Einzeltäter, ein Einzelgänger zwar, jedoch bekannt in der lokalen Naziszene. Das sei mühsam nach dessen Tod rekonstruiert worden.

Der Verfassungsschutzchef war im selben Jahr nach Vorwürfen der Zusammenarbeit mit dem Neonazi Thomas Dienel vom Amt suspendiert worden. Dass sich Beate Z. vom flüchtigen Jenaer Trio unter den falschen Namen, die sie in der Illegalität führte, auch mal Susann Dienelt nannte, mag ein Zufall sein - könnte aber auch auf eine Art Seelenverwandtschaft zu Thomas Dienel, einem der führenden Köpfe der braunen Szene, hinweisen.

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