Veranstaltungsreihe des ThürAZ in Jena: Menschenrechte in der DDR und in Osteuropa

Zeitzeugengespräche, Vorträge, eine szenische Lesung und Podiumsdiskussionen zu Bürgerbewegungen nach der Schlussakte von Helsinki. Die Reihe startet am Dienstag, 28. April, 19 Uhr mit einem Vortrag Professor Hermann Wentkers über den KSZE-Prozess und die oppositionellen Bewegungen in Osteuropa und in der DDR.

 Der Weiße Kreis in Jena im Sommer 1983. Quelle: Weißer Kreis in Jena (BStU, MfS, HA XX/Fo/211).

Der Weiße Kreis in Jena im Sommer 1983. Quelle: Weißer Kreis in Jena (BStU, MfS, HA XX/Fo/211).

Foto: zgt

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Jena. Als Erich Honecker seine Unterschrift unter die Schlussakte von Helsinki - der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (KSZE) - setzte, hofften viele DDR-Bürger auf Presse-, Meinungs- oder zumindest Reisefreiheit. Denn die Regierungen der DDR und der Sowjetunion hatten damit auch den Passus unterschrieben, die allgemeinen Menschenrechte anzuerkennen und einzuhalten. Doch dies stand bloß auf dem Papier, wie eine Veranstaltungsreihe des Thüringer Archivs für Zeitgeschichte 40 Jahre nach der Unterzeichnung zeigen wird. In Zeitzeugengesprächen, Vorträgen, einer szenischen Lesung und Podiumsdiskussionen wird über die Folgen von Ausreiseanträgen und für oppositionelle Bewegungen berichtet, die sich auf die Schlussakte von Helsinki beriefen. Dietrich und Monika Lembke aus Jena werden von der Ausreisegruppe "Weißer Kreis" erzählen und wie ihr Sohn, nachdem sie den Ausreiseantrag gestellt hatten, so stark diskriminiert wurde, dass er sich das Leben nahm. "Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden" - mit diesem Transparent mit einem Zitat Rosa Luxemburgs beteiligten sich Bürgerrechtler 1988 an einer offiziellen Luxemburg-Liebknecht-Demo - und wurden dafür aus dem Land geworfen: "Darüber wurde in den Untergrundzeitungen berichtet. Diese Artikel wollen wir in einer szenischen Lesung mit dem Theaterhaus Jena den offiziellen Texten der Partei gegenüberstellen", sagt Bildungsreferentin Katharina Kempken. Mit diesem Format wolle man auch ein junges Publikum ansprechen und an die Wurzeln des Trägervereins anknüpfen, so Andreas Ilse, Vorstandsvorsitzender von Künstler für Andere e. V. Der Verein hatte sich schon zu DDR-Zeiten gegründet und nutzte kirchliche Rahmenstrukturen, um Künstler mit Auftrittsverbot in staatlichen Räumen abseits davon bekannt zu machen und verschiedene Umwelt-Projekte zu realisieren.

Bei einem Zeitzeugen-Podium werden Günther Schau und Christian Radeke über das "Querfurter Papier" sprechen, das auf theologischer Grundlage die Einhaltung der Menschenrechte forderte. Daraufhin wurde die Gruppe unterwandert und zersetzt. "Das Ministerium für Staatssicherheit versuchte natürlich, die Effekte der Schlussakte von Helsinki einzudämmen, darüber wird Dr. Douglas Selvage in seinem Vortrag ,Der Kampf der DDR gegen die Menschenrechte‘ berichten", nennt Katharina Kempken einen weiteren Höhepunkt. Die Reihe wird gefördert mit Mitteln der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und des "Imre Kertész Kollegs" Jena.

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