„Wir schicken niemanden weg“: Thüringer Sportvereine helfen Flüchtlingen

Erfurt  In Thüringen bieten aktuell 46 Vereine regelmäßige Sportangebote für Flüchtlinge und Asylbewerber an.

Viele Flüchtlinge wollen sich in Thüringen gern sportlich betätigen. Wie auch diese, die vergangene Woche in einer Flüchtlingsunterkunft in Hermsdorf angekommen sind. Foto: Sebastian Kahnert

Viele Flüchtlinge wollen sich in Thüringen gern sportlich betätigen. Wie auch diese, die vergangene Woche in einer Flüchtlingsunterkunft in Hermsdorf angekommen sind. Foto: Sebastian Kahnert

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Seit Mai dieses Jahres unterstützt die Egidius Braun-Stiftung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) mit dem Projekt 1:0 für ein Willkommen Vereine, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Für eine einmalige Bewerbung gibt die Stiftung den Vereinen 500 Euro. Auch aus Thüringen haben sich Vereine dafür beworben. Genau 14 sind es bislang.

Zu ihnen gehören zwar noch nicht die Fußballer des ESV Lokomotive Erfurt, dennoch hat der Verein aus dem Südosten der Stadt seit längerem einen regen Zulauf von Flüchtlingen und Asylbewerbern. Allein bei den Lok-Fußballern spielen von den E-Junioren bis zur ersten Männermannschaft 17 Sportler aus aller Herren Länder: aus Tschetschenien, Aserbaidschan, dem Kosovo, der Türkei, Vietnam, Russland oder Syrien. Gerade in diesen Wochen, sagt Fußball-Abteilungsleiter Torsten Fiedler, kommen einige Kinder zu uns, die gern mitspielen wollen. Dass die jungen Kicker bei Lok Willkommen sind, das spricht sich in Erfurt rum. Torsten Fiedler weiß, dass ehrenamtliche Helfer in den Flüchtlingsunterkünften Erfurts den jungen Menschen den Tipp geben, es mit Sport mal bei Lok zu versuchen. Wir schicken niemanden weg, sagt der Fußball-Abteilungsleiter. Die jungen Fußballer erhalten vom Verein ältere Trikots, und sind dann immer ganz stolz, wie Fiedler erzählt. Zwei Mal in der Woche wird trainiert, zudem findet pro Woche jeweils ein Spiel statt.

Dort mitzuwirken, ist dann aber nicht ganz so einfach. Vor allem nicht bei Kindern über zwölf Jahre. Zwar kann ein Antrag auf Spielberechtigung mit den entsprechenden Dokumenten, die die Ausländerbehörden erteilt haben, gestellt werden, doch eine Spielberechtigung unterliegt hier dem Fifa-Transfer Matching System (TMS). Das geschieht über einen Antrag beim DFB und kann bis zur Antwort einige Zeit dauern.

TFV hilft bei Spielgenehmigungen

Besser sieht es bei Kindern unter elf Jahren aus. Dann können wir als Verband die Spielberechtigung ausstellen. Dazu müssen die Dokumente, die zum Kind vorliegen, mit eingereicht werden, sagt Joachim Zeng, Leiter der Passstelle beim Thüringer Fußball-Verband (TFV).

Wie bei Lok Erfurt erklären sich in Thüringen derzeit immer mehr Vereine dazu bereit, regelmäßige Sportangebote für Flüchtlinge und Asylbewerber anzubieten.

Auf TLZ-Anfrage teilte der Landessportbund Thüringen (LSB) gestern mit, dass die Zahl der Vereine im Freistaat aktuell bei 46 liegt, die den Flüchtlingen verschiedene Sportarten wie Fußball, Tanzen, Basketball, Volleyball, Ringen, Judo oder Boxen anbieten.

Der LSB weiß, dass dort, wo Sporthallen derzeit als Quartiere für Flüchtlinge belegt sind, im Moment keine Wettkämpfe ausgetragen werden können. Deswegen wurden die Verbände nun schriftlich gebeten, in diesen Fällen keine Punktabzüge für Gastgeber einzuleiten, falls ein sportliches Duell nicht zustande kommen kann. Das bestätigte LSB-Hauptgeschäftsführer Rolf Beilschmidt gestern der TLZ.

Das Thema bewegt derzeit viele im Freistaat. Die Bereitschaft zu helfen ist groß. Sowohl beim Fußball-Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt als auch beim Viertligisten FC Carl Zeiss Jena wird derzeit überlegt, Flüchtlinge und Asylbewerber, die im Freistaat untergebracht sind, zu einem der nächsten Heimspiele als Zuschauer einzuladen.

Sehr gut war auch die Idee des Jenaer Fanclubs jena citta ragazzi, der kürzlich ein Fanclubturnier des Vereines und damit einige FCC-Dauerkarten gewann. Die stellte der Fanclub Flüchtlingen zur Verfügung.

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