BffK: Süd-IHK hat zuviele Vollzeit-Beschäftigte

Suhl/Berlin  Der Bundesverband für freie Kammern (BffK) wirft der Industrie- und Handelskammer (IHK) vor, im Vergleich mit anderen Kammern zu viele Vollzeit-Stellen zu haben.

Vor kurzem angekündigt: Die Beitragssenkung der IHK Südthüringen. Foto: Girwert

Vor kurzem angekündigt: Die Beitragssenkung der IHK Südthüringen. Foto: Girwert

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Der Bundesverband für freie Kammern (BffK) nimmt die Industrie- und Handelskammer (IHK) Südthüringen in Suhl aufs Korn.

Der BffK, der sich insbesondere für eine Aufhebung der Pflichtmitgliedschaft von Unternehmen bei Handwerkskammern und IHKs einsetzt, wirft der Kammer vor, sie habe auf die Zahl ihrer Mitglieder gerechnet zu viele Vollzeit-Beschäftigte. Das sagte bffk-Geschäftsführer Kai Boeddinghaus der TLZ. Der Verband veröffentlicht heute seinen vierten Kammerbericht. Erstmals sind darin Zahlen über die Effizienz des Personaleinsatzes erhoben worden. Dabei sei die südthüringer Kammer negativ aufgefallen. Eine Prüfung durch den Landesrechnungshof, der sich die Suhler Kammer bisher verweigert, sei daher dringend geboten, schlussfolgert man beim Verband. Die Kritik bezieht sich auf die Zahl 395: So viele Mitglieder hat die Kammer pro Vollzeit-Beschäftigten. Das hält man für zu wenig – wenn auch nicht ganz deutlich wird, wo für den BffK die Grenze liegt. Tatsächlich sieht es bei einer ganzen Reihe von Kammern deutlich schlechter aus: In Ulm arbeitet 1 Vollzeitkraft für 311 Kammer-Mitglieder, in Coburg sind es 325, in Bremerhaven 288, in Hagen nur 239.

Gut bewertet Boeddinghaus hingegen Kammern, in denen etwa doppelt so viele Mitglieder eine Vollzeit-Stelle mit ihren Mitgliedsbeiträgen zahlen. Fulda etwa wird mit 593 unter den kleineren Kammern mit bis zu 34000 Mitgliedern als gut bewertet. In größeren Kammern, etwa in Berlin, finanzieren teilweise mehr als 1000 Mitglieder einen Vollzeit-Mitarbeiter.

Beiträge jüngst gesenkt

Doch die Kammermitglieder in Südthüringen bekommen zumindest einen Trost. Die Vollversammlung hatte am 1. Dezember beschlossen, die Beiträge rückwirkend fürs ganze Jahr um 22 Prozent zu senken. Somit würden etwa 800 000 Euro an die Beitragszahler zurückerstattet. Seit 1999 seien die Beiträge damit zum zehnten Mal gesenkt wurden. „Die gute wirtschaftliche Entwicklung der Region verbunden mit der Kostendisziplin der IHK Südthüringen kommt somit direkt bei unseren Unternehmen an“, sagte Kammerpräsident Peter Traut über die Beitragssenkung bei der Kammer.

Die Aufgabe der Kammern – in Thüringen gibt es drei IHKen und drei Handwerkskammern – liegt besonders im Ausbildungsbereich. Die Kammer kümmert sich zum Beispiel um Ausbildungsberatung, Weiterbildungen und die Organisation von Prüfungen. Zudem bieten die meisten Kammern umfangreiche Existenzgründungsberatungen sowie Hilfe für Messeauftritte an.

Je nach Selbstverständnis sehen sich Kammern auch als Interessenvertretung gegenüber dem Staat. Die Einmischung in politische Debatten oder in Tarifkonflikte unterliegt jedoch starken Einschränkungen