Erfurt: Einzige Thüringer Spielbank ist Geschichte

Die Spielautomaten sind abgebaut, die Black-Jack- und Poker-Tische verschwunden - die einzige Thüringer Spielbank, gelegen neben dem Fünf-Sterne-Hotel im Erfurter Brühl, ist Geschichte.

Thüringen hat keine Spielbank mehr: Das einzige Casino des Freistaates in Erfurt ist dicht und ausgeräumt, am Jahresende erlischt die Konzession. Nachmieter für die Räume sollen gefunden sein. Foto: dpa

Thüringen hat keine Spielbank mehr: Das einzige Casino des Freistaates in Erfurt ist dicht und ausgeräumt, am Jahresende erlischt die Konzession. Nachmieter für die Räume sollen gefunden sein. Foto: dpa

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Erfurt. Einen Monat vor Auslauf der Spielbank-Konzession zum Jahresende 2014 hat die "Westspiel" das Casino geräumt und den Spielbetrieb bereits Ende November aufgegeben. Weil sich die Gewinnerwartungen nicht erfüllt hätten, wie ein Sprecher des Unternehmens schon vor Monaten angekündigt hatte, werde man die Konzession auslaufen lassen.

Wie viele der einst 20 Mitarbeiter das Angebot zum Wechsel an andere Westspiel-Standorte angenommen haben, war nicht in Erfahrung zu bringen: Aussagefähige Westspiel-Mitarbeiter zu erreichen, scheint dieser Tage schwieriger als ein Royal Flush beim Poker.

Der beste Kunde kam dem Casino wohl bereits 2011 abhanden: Vierstellige Eurobeträge pro Woche hat Marko K., einstiger Herstellungsleiter des Kinderkanals, hier verspielt. Der Bruttoerlös des Casinos fand sich seither im Sinkflug. Der Betreiber "Westspiel" klagte über zunehmende Konkurrenz durch Spielhallen und die Folgen des Rauchverbots. Dass der Landtag daraufhin die Spielbankabgabe senkte, rettete den Standort nicht.

Das Wechselspiel zwischen Zuschüssen und Einnahmen galt stets als wenig ertragreich, die Spielbank galt als Casino auf Spielhallenniveau. Dies, obwohl 2013 immerhin 243.000 Euro aus den Casinoerlösen für gemeinnützige Zwecke flossen, insbesondere in die Thüringer Ehrenamtsstiftung. Dem gegenüber standen Mietzuschüsse des Landes - von zwei Dritteln der Miete von 31.000 Euro im Monat ist die Rede.

Mit einer Patronatserklärung hatte 2002 der damalige Finanzminister Andreas Trautvetter (CDU) dem Hotelinvestor Reinhard Baumhögger aus Dortmund die Monatsmiete garantiert - ehe ein Spielbankbetreiber überhaupt ausgeschrieben war. Mit den 700.000 Euro, die vor Eröffnung des Spielcasinos Ende 2005 bereits auf diese Weise ausgegeben waren, hatte sich ein Untersuchungsausschuss des Landtages zu befassen.

Reinhard Baumhögger, der 2011 wegen hinterzogener 12,8 Steuermillionen in erster Instanz zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden war, ist mit seiner 2005 nach Hamburg umgesiedelten Firma Transactio noch immer Verwalter des Gebäudes. Nach eigenen Angaben hat er nach dem Urteil in zweiter Instanz nur einige Wochen tatsächlich im Gefängnis seine Strafe abgesessen: "Das ist ein schwarzes Kapitel - und lange her". Das Haus befinde sich weiterhin im Eigentum eines Fonds, wie er gegenüber der TLZ sagte.

Das Hotel unter der Flagge "Pullman" laufe gut - und auch für das Spielcasino hätte er eine Verlängerung der Konzession für machbar gehalten. "Die Politik, also die SPD-CDU-Koalition, hat sich aber anders entschieden", sagt er.

Für das Objekt habe er zwei seriöse Erfurter Firmen als Nachmieter an der Hand, die nichts mit einem Glücksspielbetrieb zu tun hätten. Dies, obwohl nach Auskunft der Stadt Erfurt auch eine Spielhalle an Stelle des Casinos möglich gewesen wäre. Erste Gespräche seien geführt, ernsthaftes Interesse sei da, die Namen der potenziellen Mieter noch geheim, so Baumhögger. Die Lichtinstallation an der Decke des Casinos, die die Stadtkulisse Erfurts zeige, verbleibe zunächst an Ort und Stelle, in der Erwartung, dass auch der Nachmieter sie dort behalten will.

Baumhögger sieht sich zu Unrecht als Buhmann der Situation im Brühl. Schließlich habe er seinerzeit das Hotel auf Wunsch des damaligen LEG-Chefs konzipiert. Erfurt brauchte ein Fünf-Sterne-Hotel - der Erfurter Hof sei als Ort dafür nicht in Frage gekommen. "Die fertigen Hotelpläne habe ich auf Wunsch von Trautvetter geändert, um auch eine Spielbank unterzubringen", erinnert sich Baumhögger. Die Startschwierigkeiten der Spielbank schiebt er auf eine schlechte Abstimmung unter den Ministerien und die lange Betreibersuche. Ein gutes Geschäft habe das Land dennoch mit der Spielbank gemacht, ist sich der heute 68-Jährige sicher.