Erfurt: Zalando in der Bratwursthauptstadt

Was haben sommerliche Flip-Flops und die Thüringer Bratwurst gemeinsam? Beide gehören wohl untrennbar zum Schuh- und Textil-Onlinehändler Zalando, der gestern in seiner erst vierjährigen Unternehmensgeschichte mit der Eröffnung des Logistikzentrums im Güterverkehrszentrum Erfurt ein neues Kapitel aufschlug.

Zalando-Geschäftsführer Rubin Ritter (Mitte) zeigt mit Mitarbeiterin Rita Keil dem Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (re.) das neue Logistikzentrum. Foto: Marcus Scheidel

Zalando-Geschäftsführer Rubin Ritter (Mitte) zeigt mit Mitarbeiterin Rita Keil dem Erfurter Oberbürgermeister Andreas Bausewein (re.) das neue Logistikzentrum. Foto: Marcus Scheidel

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Erfurt. Mit dem Versand von Flip-Flops aus einem fensterlosen Büro startete einst Zalando in Berlin. Mit der Bratwurst samt Domblick, zu der sie eingeladen hatte, gab Rosemarie Klubescheid von der Wirtschaftsförderung der Stadt Erfurt den Zalando-Geschäftsführern den letzten Anstoß, eines ihrer Logistikzentren in der Bratwursthauptstadt Erfurt bauen zu lassen.

In Betrieb: Zalando-Logistikzentrum startet durch
In Betrieb: Zalando-Logistikzentrum startet durch

So war es nach ausführlichen Testläufen zwar nicht das erste Paar Schuhe, das gestern vom Güterverkehrszentrum (GVZ) aus auf die Reise ging, aber das erste Paket, das mit Unterstützung von OB Andreas Bausewein, Wirtschaftsminister Matthias Machnig und Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht gepackt wurde - zur offiziellen Eröffnung des "größten Kleiderschranks Europas", wie die Zalando-Chefs Rubin Ritter und David Schröder verlauten ließen. Typisch in Jeans gekleidet und mit offenem Hemdkragen, passten beide so gar nicht in das sonst übliche Bild von millionenschweren Investoren, zollten Machnig und Bausewein den beiden Chefs Respekt. Von einem "Meilenstein", der "größten E-Commerce-Immobilie Europas" und einem zum Vorjahr verdoppelten Jahresumsatz von einer Milliarde Euro sprachen die beiden Zalando-Manager gestern. Und von einer reibungslosen Kooperation mit der Stadt, die innerhalb von nur 18 Tagen einen Bauantrag genehmigt habe. Auch der Bau der Hallen durch die Firma Max Bögl im Auftrag des auch künftigen Eigentümers Goodman sei in Rekordzeit gelungen.

Noch schreibt Zalando rote Zahlen

800 Mitarbeiter sind im Zalando-Logistikzentrum vorerst beschäftigt - Platz böten die Hallen bei weiter so rasantem Wachstum des Unternehmens für 4000. Ausgebildet worden waren die Mitarbeiter in einem Trainingszentrum - 80 Prozent derer, die dort die Abläufe erlernten, hätten übernommen werden können.

Kritikern des Zalando-Geschäftsmodells hielt Wirtschaftsminister Machnig entgegen, dass Zalando nicht nur Arbeitsplätze für niedrig-qualifizierte Menschen böte, dies bei einem garantierten Einstiegs-Mindestlohn von 8,53 Euro, sondern auch höher qualifizierte Arbeitsplätze habe.

170 Millionen Euro wurden in den Standort Erfurt investiert, davon sind 20 Millionen Euro Fördermittel des Landes. Zweifler, so Machnig, möge Zalando mit guten Zahlen überzeugen, appellierte er an die beiden Chefs.

Beliefert werden von Erfurt aus Kunden in 14 Ländern. Da spräche für Erfurt die zentrale Lage, in Deutschland und Europa, so David Schröder. "Wir haben in Erfurt verlässliche Partner gefunden", war der Zalando-Chef voll des Lobes für Stadtverwaltung, LEG und Landespolitik.

Am 8. Dezember 2011 erst war der Grundstein des Logistikzentrums gelegt worden, nun stünde eine Gesamtfläche von 120.000 Quadratmetern zur Verfügung, mehrere 10.000 Pakete werden hier täglich verschickt. Ein baugleiches Zentrum wächst in Mönchengladbach heran.

Zalando ruft auch Zweifler hervor

Apropos Wachstum: Das mit immer höheren Umsatzzahlen für sich werbende Unternehmen Zalando ruft auch Zweifler hervor. Macht David Schröder schließlich auch auf Nachfrage ein großes Geheimnis aus tatsächlichem Gewinn oder Verlust. Auch die Quote der Retouren sei ein Firmengeheimnis, sagte er zunächst. "Wenn wir aber Probleme hätten, hätten wir nie soviel Geld für dieses Logistikzentrum in die Hand genommen. Wir brauchen schlicht mehr Lagerkapazitäten", so Schröder gegenüber unserer Zeitung.

Eine Umsatzsteigerung von Null auf eine Milliarde Euro sei nicht ohne Anlaufverluste machbar, räumte er schließlich ein, dass das Unternehmen nicht in allen Märkten schwarze Zahlen schreibe, was die Marke insgesamt das Vorjahr mit Verlusten habe abschließen lassen.

Was derzeit aber in den Medien über Zalando kursiere - 40 Millionen Euro Verluste, verursacht auch durch eine Rücksendequote von 70 Prozent - nannte Schröder "aus der Luft gegriffen". Die Quote läge bei marktüblichen Werten, folglich bei 50 Prozent, ließ Schröder dann doch wissen. Mit dem Unterschied, dass - im Gegensatz zu Zalando - bei vielen anderen Online-Händlern die Retoure nicht kostenlos zu haben ist.

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