Gegen Werkverträge: Missbrauchs-Vorwurf gegen Automobil-Branche

Erfurt/Frankfurt (Main)  Die IG Metall will mit einem bundesweiten Aktionstag gegen den Missbrauch von Werkverträgen in der Metall- und Elektroindustrie vorgehen. Die Gewerkschaft moniert, dass vor allem in der Automobilbranche zunehmend auf dieses Instrument zurückgegriffen werde.

Weist Vorwürfe zu Werkverträgen zurück: VMET-Chef Stephan Fauth. Foto: A. Volkmann

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Die IG Metall will mit einem bundesweiten Aktionstag gegen den Missbrauch von Werkverträgen in der Metall- und Elektroindustrie vorgehen. Die Gewerkschaft moniert, dass vor allem in der Automobilbranche zunehmend auf dieses Instrument zurückgegriffen werde. „73 Prozent der Betriebsräte geben an, dass in ihren Betrieben Arbeiten auf Grundlagen von Werkverträgen ausgelagert werden“, hießt es in einer Mitteilung der Gewerkschaft. Häufig gehe es dabei um Kantinenbe­wirtschaftung, Sicherheits­dienste und Haustechnik. In Werkverträgen wird geregelt, dass eine bestimmte Dienst­leistung durch ein Unternehmen für ein anderes Unternehmen zu einem Festpreis erledigt wird.

In Thüringen sei gegenüber anderen Bundesländern die Produktion in den Betrieben besonders betroffen. „Wir brauchen bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Betriebsräte, wenn wir nicht tatenlos zusehen wollen, wie die Unternehmen immer neue, schlechter gestellte Beschäftigungsgruppen bilden“, sagte Jörg Köhlinger, Bezirksleiter der IG Metall im Bezirk Mitte, zu dem auch Thüringen gehört. Die Gewerkschaft sieht die Bundesregierung in der Pflicht, Werkverträge klarer von Leiharbeit und Solo-Selbstständigkeit abzugrenzen.

Derweil mahnt der Thüringer Verband der Metall- und Elektroindustrie (VMET) zur Mäßigung: „Es gibt keinen zusätzlichen Regelungsbedarf“, so Hauptgeschäftsführer Stephan Fauth. „Über 100 Jahre waren Werkverträge kein Problem“, sagte er. Ein Maler, der ein Wohnzimmer streiche, ein Mechaniker, der ein Getriebe repariere – „sie alle sind Werkvertragsnehmer oder dessen Mitarbeiter“, so Fauth. Das mache sie nicht zu Arbeitnehmern zweiter Klasse, sondern sie genössen die gleichen Rechte will alle anderen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten auch.

Der IG Metall wirft Fauth vor, mit ihrem Protest übers Ziel hinauszuschießen: „Auch wir sind gegen Missbrauch. Doch dafür gibt es schon jetzt Gesetze mit entsprechenden Strafen.“ Die Aktion der Gewerkschaft ziele darauf, dass Betriebsräte künftig unternehmerische Grundentscheidungen treffen könnten – ohne die Verantwortung des Unternehmers tragen zu müssen. „Das geht eindeutig zu weit.“ Bereits heute gebe es weitreichende Kontroll- und Mitbestimmungsrechte.

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