Größtes Erfurter Gewerbegebiet wächst und gedeiht

Die Zeichen stehen auf Zuwachs im Güterverkehrszentrum (GVZ). Und dies ist nicht erst seit der Ansiedlung der beiden Logistik-Riesen Redcoon und Zalando im soeben zu Ende gegangenen Jahr der Fall. Derzeit rund 80 Unternehmen beschäftigen 2400 Menschen in dem mit Abstand größten Erfurter Gewerbegebiet.

Was vor Jahren zögerlich in die Puschen kam, ist nun voll: Im Güterverkehrszentrum entstehen bis ins nächste Jahr hinein voraussichtlich 1600 weitere Arbeitsplätze. Foto: Sascha Fromm

Was vor Jahren zögerlich in die Puschen kam, ist nun voll: Im Güterverkehrszentrum entstehen bis ins nächste Jahr hinein voraussichtlich 1600 weitere Arbeitsplätze. Foto: Sascha Fromm

Foto: zgt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Erfurt. Bis nächstes Jahr sollen es mindestens 4000 Arbeitsplätze sein. Mit seinen 218,83 Hektar war es zunächst sogar das größte Gewerbegebiet Thüringens, bis ihm das Erfurter Kreuz im Nachbarkreis in dieser Hinsicht den Rang ablief.

Allen Grund zur Freude über diese Entwicklung hat Stadtoberhaupt Andreas Bausewein. Während das GVZ in den ersten Jahren vor sich hindümpelte, hat sich das Blatt mit der Übernahme durch die Stadt nach der Insolvenz der GVZ-Entwicklungsgellschaft 2004 gewendet. "Das war zwar vor meiner Zeit und die Stadt musste seit damals erheblich investieren. Aber es hat sich gezeigt, dass die Entscheidung goldrichtig war", so der Oberbürgermeister.

Da sei zunächst die Aufnahme des Kredites über elf Millionen Euro gewesen, um die Flächen aufkaufen zu können. Dazu kamen weitere Investitionen für die Entsorgung wilder Müllablagerungen - noch 2010 wurden welche entdeckt - für die Suche nach Munitionsresten, für den Bau von Regenrückhaltebecken und den Rückbau von Kleinkläranlagen. Gebaut wurde auch die Havarie-Einfahrt. Doch nun ist das GVZ belegt, der Kredit im Prinzip getilgt. "An den Quadratmeterpreis von 20 Euro sind wir durch das Landesverwaltungsamt gebunden", so der OB. Obwohl es im Umland günstigere Angebote gegeben habe, konnten die Verkäufe das Geld wieder einspielen. 2012 werde dieses Ziel erreicht.

Allmählich füllen sich sichtbar auch die Flächen vorn an der B7. "Ein wichtiges Signal", findet Bausewein, wenn die großen Hallen von DHL, Norma und Zalando von der Straße her zu sehen sein werden. Allerdings geht es schon längere Zeit enger zu auf den Gewerbeflächen, als es der äußere Schein vermuten lässt. Knapp 94 Prozent der Flächen sind nämlich vermarktet. Übrig bleiben nur noch etwa 13 Hektar - in etwa zur Hälfte in Besitz der Stadt und privat. "Das größte zusammenhängende Stück, welches noch zu haben ist, macht drei Hektar aus", sagt Bausewein, der nicht sicher ist, ob die ganz kleinen Flächen ausnahmslos Interessenten finden.

Von solchen Folgen wie dem Schneechaos vor Jahresfrist blieben Beschäftigte, Kunden und Zulieferer im GVZ in diesem Winter bislang verschont. Nach Lösungen für das Problem einer fehlenden zweiten Ausfahrt oder für den Mangel an bewirtschafteten Parkplätzen wird zwar gesucht, in Sicht sind sie aber noch nicht. "Es wird geprüft, wo die zweite Ausfahrt liegen könnte", sagt der OB. Allerdings darf sie nicht gebaut werden, ehe nicht schriftlich zugesichert wird, dass Fristen für eine mögliche Rückforderung von Fördermitteln in Millionenhöhe damit verbunden wären. "Wir sind sehr froh, dass so viel Bewegung ins GVZ gekommen ist", begrüßt auch Roland Brückner vom Gewerbeverein GVZ Erfurt die jüngsten Ansiedlungen.

Dennoch wird der Verein nicht müde, die Mängel anzumahnen. Dabei ist der fehlende Parkraum für Brummifahrer, die ihre Ruhezeiten einhalten müssen, ebenfalls ein Dauerthema. "Selbst wenn eine Fläche gefunden wird, kann die keiner kostendeckend bewirtschaften", so Brückner. Einen Schock hat den Unternehmern jedoch Post vom Entwässerungsbetrieb im Dezember bereitet. Das Abwasser soll um 62 Prozent teurer werden. Hintergrund ist eine spezielle Insellösung für das GVZ, die nun passé sein soll. An der neuen Gebührensatzung, die der Stadtrat abgelehnt hat, die der Stadt nun aber wohl vom Landesverwaltungsamt aufgedrückt wird, haben nicht nur Besitzer von Klärgruben, sondern auch die ans Kanalnetz angeschlossenen GVZ-Unternehmen finanziell zu knabbern.

Hohe Nachfrage nach Verkaufsflächen: Erfurt boomt

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren