Handwerksbetriebe fürchten das Ausbleiben des qualifizierten Nachwuchses

"Man muss sich darauf gefasst machen, dass manches Handwerk, so auch unser Beruf, schmutzig sein kann", sagt Malermeister Thomas Jüttner. Er will dieses Jahr einen Lehrling ausbilden und ist nicht sicher, ob sich überhaupt ein geeigneter Bewerber findet.

Anstrengender, aber kreativer Handwerksberuf mit täglichen Resultaten: Malermeister Thomas Jüttner ist einer von vielen Handwerkern mit freien Ausbildungsplätzen. Foto: Florian Girwert

Anstrengender, aber kreativer Handwerksberuf mit täglichen Resultaten: Malermeister Thomas Jüttner ist einer von vielen Handwerkern mit freien Ausbildungsplätzen. Foto: Florian Girwert

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Jena. 50 000 unbesetzte Lehrstellen befürchtet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag dieses Jahr in Deutschland – der demographische Faktor wirkt sich also im Jahr 2010 überaus hinderlich auf ausbildungswillige Betriebe aus.

Auch in Ostthüringen, im Saale-Holzland-Kreis und der Stadt Jena, ist diese Situation spürbar: Auf 1645 gemeldete betriebliche Ausbildungsstellen kommen 1520 Bewerber im Bezirk der Agentur für Arbeit, der sich von Jena bis nach Saalfeld erstreckt – für die Schulabgänger paradiesische Zustände, doch schlecht für die Betriebe. Die Handwerker sind besorgt: "Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klima werden gebraucht, auch Tischler, Steinmetze, Metallbauer, Estrichleger und Maler werden besonders gesucht", sagt Kristin Voltersen von der Kreishandwerkerschaft. Noch gut 40 Stellen seien in den vertretenen Unternehmen unbesetzt.

Malermeister Jüttner bietet in seiner Firma eine dieser Stellen an. Er vermutet als Ursache den Aufschwung der deutschen Industrie: "Die Konjunktur läuft gut", damit sei die Bereitschaft auszubilden überall gestiegen. In seiner Firma hat er in sieben Jahren vier Lehrlinge ausgebildet: "Handwerk ist meistens, aber nicht immer, auch eine körperliche Herausforderung. Aber Maler ist ein schöner und kreativer Beruf. Man sieht täglich Resultate", sagt Jüttner.

Bildung sei dabei eine zentrale Voraussetzung: "Ohne PC-Kenntnisse geht es nicht." Fundiertes Wissen in Chemie und Physik sei auch vonnöten, damit die Lehrlinge verstehen, was sich etwa beim Auftragen von Farbe abspielt. Unterschiedliche Bewerberqualitäten hat er in seinen Jahren als Ausbilder gesehen: "Einer unserer Lehrlinge blüht richtig auf und hat jeden Tag sichtbar Spaß an seiner Arbeit, ein Bewerber hingegen hatte sogar einmal Probleme, eine Baustelle zu finden, die nur wenige Straßenecken entfernt war."

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