Hoffmann's Buchhandlung ist eine der ältesten in Deutschland

Es gibt in Deutschland nur wenige Buchhandlungen, die auf ein vergleichbares Alter verweisen können: Gegründet vor 300 Jahren, ist Hoffmann's Buchhandlung in Weimar eine der bundesweit ältesten und bedeutendsten ihrer Art. Viele der großen Persönlichkeiten aus Weimars reicher Kulturgeschichte fühlten sich der Buchhandlung im Cranachhaus verbunden.

Sie  halten die Tradition in Ehren: Die Buchhändler Sigrid und Christian Gräf  führen die Jubiläumsbuchhandlung, in den Händen ein Foto der Vorfahren Kuno Gräf mit Gattin Frida und den Kindern Fritz und Ilse. Foto: Maik Schuck

Sie halten die Tradition in Ehren: Die Buchhändler Sigrid und Christian Gräf führen die Jubiläumsbuchhandlung, in den Händen ein Foto der Vorfahren Kuno Gräf mit Gattin Frida und den Kindern Fritz und Ilse. Foto: Maik Schuck

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Weimar. Erst mit Ende der Ära Hoffmann wurde die Buchhandlung 1898 in die Schillerstraße 9 verlegt, wo nach wechselnden Besitzern Kuno Gräf das Geschäft ab 1910 unter dem vertrauten Namen weiterführte. Fünf Generationen Hoffmann und inzwischen vier Generationen Gräf schrieben sich in die Chronik der Traditionsfirma ein.

Blättern wir ein wenig in den Annalen der Buchhandlung, auf die in den Geschäftsräumen auch eine Jubiläumsausstellung verweist: Johann Wilhelm Hoffmann (1777-1859), der das Geschäft anno 1802 übernommen hatte, machte die Buchhandlung rasch zu einem geistigen Mittelpunkt im klassischen Weimar. Mit Goethe, Wieland, Schiller, Schopenhauer, Bertuch war er befreundet. Einer seiner besten Kunden soll Großherzog Carl August, ein großer Bücherfreund, gewesen sein. Alle Neuerscheinungen stellte er dem fürstlichen Freund zusammen. Und besorgte ihm sogar heimlich die gegen Napoleon verbreiteten Schmähbriefe.

Sozial engagiert

Und der Herzog honorierte die Dienste des Buchhändlers umgehend. Nicht nur in barer Münze, – Hoffmann genoss das seltene Privileg, "jederzeit unangemeldet in das Arbeitszimmer des Großherzogs" eintreten zu dürfen. Auch die Verlagstätigkeit entwickelte sich unter Johann Wilhelm Hoffmann weiter. Er verlegte Werke von u.a. Wieland und Herder, Bertuch und Jagemann, von Falk und Kotzebue. Vorfahr Heinrich Siegmund Hoffmann hatte 1734 mit Herausgabe des ersten Intelligenzblatts, der Weimarischen Nachrichten", übrigens den Weg für die Entstehung des Weimarischen Zeitungswesens geebnet.

Hoffmanns Buchhandlung war Treffpunkt aller geistig Interessierten im kleinen Weimar. Doch Hoffmann war kein welt vergessener Bücherwurm. Als sich nach Abrücken der Franzosen eine Bürgerwehr zum Schutz der kleinen Stadt gründete, trat Hoffmann an die Spitze. Sein caritativer sozialer Einsatz bezog das ganze Großherzogtum ein: Als 1810 eine Pulverexplosion ganze Teile Eisenachs zerstörte, sammelte er mit der Büchse in der Hand für die Opfer der Katastrophe. Er gab eine Broschüre über das Unglück heraus und konnte den Notleidenden schließlich 6000 Taler an Spenden zur Verfügung stellen.

Auch später soll Hoffmann stets Helfer und Fürsprecher jener gewesen sein, die durch Feuer oder Wasser ihre Habe verloren hatten. Johann Wilhelm Hoffmann war es auch, der in Weimar den allerersten Weihnachtsbaum für arme Kinder aufstellen ließ. Als Goethe den Ausspruch prägte "Die Buchhändler sind alle des Teufels, für sie muss es eine eigene Hölle geben", konnte er Johann Wilhelm Hoffmann nicht gemeint haben.

In all den Jahrzehnten ihres Bestehens blieb die Buchhandlung in Privathand, auch zu DDR-Zeiten, berichtet Sigrid Gräf. Schwierig sei es zu DDR-Zeiten gewesen, doch Gräfs waren dafür bekannt, dass sie möglich machten, was irgend möglich war. Wenn sie des Abends mit einer Bücherlieferung in Weimar eintrafen, standen die Kunden am nächsten Morgen vor Geschäftsöffnung bereits Schlange. Trotz stärkerer Konkurrenz heute: Nicht nur das Stammpublikum hält die Treue, und die Touristen staunen über die sorgsam restaurierte alte Einrichtung von 1898 und meinen "Hier riecht’s noch nach Buch".

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