Internethandel schadet und hilft der Thüringer Wirtschaft

Nicht leicht hat es derzeit der Thüringer Einzelhandel. Nicht nur ein schwelender Tarifkonflikt macht den Händlern und ihren Beschäftigten zu schaffen, sondern auch die schnell wachsende Konkurrenz, die Tag und Nacht ihre Waren über das Internet vertreibt.

Schaffen neue Arbeitsplätze, gefährden dafür andere im klassischen Handel:  Die neu enstandenen Auslieferungslager wie hier im Erfurter Güterverkehrszentrum. Foto: Peter Michaelis

Schaffen neue Arbeitsplätze, gefährden dafür andere im klassischen Handel: Die neu enstandenen Auslieferungslager wie hier im Erfurter Güterverkehrszentrum. Foto: Peter Michaelis

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Erfurt/Jena. Es verbindet sich damit außerdem das Phänomen, dass zwar die Beratungsleistung im Geschäft vor Ort gerne wahrgenommen, die Ware dann aber anderswo bestellt wird: "Insbesondere junge Konsumenten informieren sich erst im örtlichen Einzelhandel, um dann schlussendlich doch im Internet zu kaufen", sagte Gerald Grusser, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Erfurt. Zudem bestehe bei jüngeren und besser verdienenden Menschen eine hohe Bereitschaft, ihre Einkäufe auf unterschiedliche Arten zu tätigen.

Profiteure des Umbruchs im Handel sitzen in Jena

Obwohl die Verkäufe des hiesigen Onlinehandels im vergangenen Jahr nur einen Anteil von sieben Prozent am Gesamtumsatz hatten, wächst die Branche kontinuierlich stark. In diesem Jahr wird ein Zuwachs von 30 Milliarden Euro auf 33 Milliarden erwartet - immerhin zehn Prozent. Sichtbar ist das auch in Thüringen: die großen Auslieferungslager von Zalando oder Redcoon im Erfurter Güterverkehrszentrum.

Vom Wachstum profitieren auch Lieferdienste wie DHL oder UPS. Letzterer will künftig auch Postdienste in Deutschland anbieten und nicht mehr nur Expresskurier sein - auch vor dem Hintergrund steigender Umsätze im Online-Handel.

Wichtige Profiteure des Umbruchs im Handel sitzen zudem in Jena. Software-Unternehmen wie Intershop, Demandware oder Ageto profitieren davon, dass die Nachfrage nach einer Infrastruktur hinter den schicken Oberflächen der Internet-Shops weiter steigt - Intershop etwa setzt gut 50 Millionen Euro im Jahr um, Tendenz steigend.

Den ortsansässigen Handel stellt das vor Probleme: "Der Händler bietet die Fachberatung durch geschultes Personal, der Kunde honoriert die Leistung jedoch nur bedingt mit einem Kauf vor Ort", beklagt der IHK-Chef. Das koste vor allem in kleinen inhabergeführten Geschäften Arbeitsplätze und Existenzen, die Vielfalt gehe verloren. Eine Möglichkeit sei jedoch "Multi-Channel" - also eine Verknüpfung von Internet-Shops und Dienstleistungen vor Ort.

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