K-UTEC AG Salt Technologies: Vom Petersenschacht bis nach Bolivien

Sondershausen  Kaliforscher der K-UTEC AG Salt Technologies Sondershausen sind weltweit unterwegs. Besonders gut kennen sie sich mit der Gewinnung von Salz aus. Ein neuer Teil unserer Serie Weltmarkt Thüringen.

Weltweit unterwegs: Die Vorstände Heiner Marx und Volker Asemann (m.) im Labor des Betriebes mit Joachim Schaal, einem Mitarbeiter der Mikroskopie. Foto: Dieter Lücke

Foto: zgt

Selbstbewusst präsentiert sich die K-UTEC AG Salt Technologies gerade auf der Achema 2015 in Frankfurt (Main), Weltforum und alle drei Jahre stattfindende Leitmesse der Prozessindustrie. Das mittelständische Unternehmen aus Sondershausen mit seinen weltweit gefragten Spezialisten, Kaliforschern und Verfahrensingenieuren ist auf dieser Messe unter 3800 Ausstellern aus aller Welt in guter Gesellschaft. Denn in jüngster Zeit überschlagen sich die guten Nachrichten bei der K-UTEC am Petersenschacht in der nordthüringischen Berg- und Musikstadt. Gerade erst hatte das Unternehmen mit dem Auftrag zur Planung einer Anlage zur schachtlosen Salzgewinnung, Solungsbergbau auf Carnallitit, in Laos den bis dahin größten Einzelauftrag seiner Firmengeschichte bekommen. Fast zeitgleich gewann es die internationale Ausschreibung für einen Großauftrag zur Planung einer Anlage zur Lithium-Gewinnung am weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien.

Während für das Projekt in Laos die staatliche Chemiegesellschaft Vietnams, Vinachem, etwa 300 Millionen US-Dollar investieren will, plant der bolivianische Staat bei der gewünschten Lithium-Gewinnungs-Anlage mit einem Investitionsvolumen von 620 Millionen US-Dollar. Dass den beiden Vorständen der K-UTEC AG Salt Technologies, Heiner Marx und Volker Asemann, bei solchen Größenordnungen ihrer Projekte nicht schwindelig wird, hat einfache Gründe. Das Salzprojekt in Laos ist zwar einerseits ein „Beleg für die Innovationskraft aus Thüringen“, wie Marx jüngst erst im TLZ-Gespräch betonte, aber gewissermaßen technologisch „ein alter Hut“. Denn dieses Verfahren sei lange erprobt und werde seit den 1980er Jahren in Nordthüringen schon angewendet – bei der Deusa in Bleicherode. Die hohen Summen für die Projekte fließen auch nur zum Teil nach Thüringen: Insgesamt erreicht die Firma mit 85 Mitarbeitern einen Umsatz von knapp 8 Millionen Euro pro Jahr.

Das Lithium-Projekt in Bolivien ist längst auf den Weg gebracht: Die Pilotanlage dazu läuft modellhaft seit einigen Monaten erfolgreich in einer eigens dazu errichteten Produktionshalle der K-UTEC in Sondershausen. Die heißt Lars-Eckmann-Halle – der Name erinnert an einen jungen Mitarbeiter des Unternehmens, der im Alter von gerade mal 31 Jahren bei der Inbetriebnahme einer Salzwaschanlage in Sar Bandar im Iran, die von der K-UTEC konzipiert worden war, tödlich verunglückte.

Bei der Messe Achema 2015 rückt die K-UTEC AG sowohl ihr Know-how in Sachen Lithium-Gewinnung als auch die weltweiten Erfolge in der Verfahrenstechnik in den Fokus. Im Falle der Lithium-Gewinnung können die Sondershäuser nicht nur Referenzen in Deutschland vorweisen, sondern auch in der Türkei, Argentinien, Frankreich, Australien oder Kanada. Und wenn es um Verfahrenstechnik geht, dann können die Sondershäuser auf eine stattliche Erfolgs- und Referenzliste schauen: Projekte wie bei der Deusa in Bleicherode, Projekte im Iran, in Österreich, Chile, Australien, Tunesien, Großbritannien, Argentinien, Ukraine, Indien, China, Thailand, Peru, Brasilien. Kanada, den USA, Äthiopien, Vietnam, Belarus oder Mexiko. Hier wird die Masse schon seit Jahren im Ausland verdient.

Das Know-how der Kaliforscher und Verfahrensingenieure war schon immer weltweit gefragt. Aber das Unternehmen kann nicht nur Lithium- und Salzgewinnung und Verfahrenstechnik. Es ist auf mehr Feldern erfolgreich und entsprechend aufgestellt und auch dort teilweise weltweit aktiv: in der Geophysik, bei der Geomechanik und im Bergbau, dem Gebiet, bei dem die Kaliforscher seit vielen Jahrzehnten zu Hause sind. Aber auch auf dem Gebiet der chemisch-physikalischen Analytik oder der Entsorgungs- und Versatztechnik ist das Expertenwissen aus Nordthüringen gefragt. Egal ob es darum geht, wie die Stollen ehemaliger Bergwerke durch Versatz aufgefüllt werden, um bergbaubedingte Senkungen oder Erdfälle an der Oberfläche zu verhindern oder um Sonderabfälle dauerhaft endzulagern.

Viel Kompetenz, mit der K-UTEC heute weltweit unterwegs und erfolgreich ist, stützt sich auf Wissen und Erfahrung der Kaliforscher des ehemaligen Kali-Kombinates der DDR. Die Kaliforschung war ein Herzstück des einstigen Kombinates und der Mitteldeutschen Kali AG zur Wende-Zeit. Von ehemals 450 Mitarbeitern des Kaliforschungsinstitutes wurden nach der Wende 330 entlassen. 1992 wurde der Rest der Kaliforschung privatisiert. Das Unternehmen Dr. H. Marx GmbH im saarländischen Spiesen-Elversberg bei Neukirchen nahe Saarbrücken wagte im Februar 1992 die Ausgründung ehemaliger Kaliforscher in der damaligen Kali-Umwelttechnik GmbH in Sondershausen mit anfangs 35 Mitarbeitern. Gleich zum Start der neuen Firma wurden der Umbau von Gebäuden der alten Kaliforschung sowie die Beschaffung neuer Gerätetechnik und Laborausrüstungen massiv vorangetrieben. Schon 1994 konnten die Mitarbeiter deshalb in neue Gebäude am Petersenschacht umziehen. Allein bis 1995 wurden 14 Millionen Mark in Sondershausen investiert – gut angelegtes Kapital, wie man heute weiß.

Nach der Ausgründung der damaligen Kali-Umwelttechnik führte die erfolgreiche Evaluierung und Einstufung als wirtschaftsnahe Forschungseinrichtung durch den Freistaat Thüringen in den ersten fünf Jahren zu einer strukturellen Forschungsförderung. Forschung und Entwicklung wurden durch das zuständige Bundesministerium und die Bundesstiftung Umwelt unterstützt. Erfolgreich forschte die Kali-Umwelttechnik zunächst in einem Schwerpunkt zur Verarbeitung und Aufbereitung anorganischer Salze. Dabei wurden bestehende Geschäftsbeziehungen zu ausländischen Kali- und Salzproduzenten erfolgreich intensiviert und neue geknüpft.

„Im Meer schlummert ein riesiges Potenzial“

Arbeitsschwerpunkt in den Jahren nach der Wende waren Projekte in Untertageversatzbergwerken oder zur Verwahrung von Schächten und Grubenhohlräumen nach der Stilllegung von Kali- und Steinsalzbergwerken. Es ging dabei im Kern um die nötige Sanierung von Altbergbaustandorten. Eine neu geschaffene Abteilung Abfall/Altlasten setzte deutschlandweit Schwerpunkte im Bereich der Haldenrekultivierung, ein Projekt dazu wurde auch zur Weltausstellung Expo in Hannover in den Fokus gerückt.

Schließlich wurde ein modernes Forschungslabor aufgebaut und zertifiziert, das sich besonders um die Stoffgruppen Abfallstoffe, mineralische und salinäre Rohstoffe, Grund-, Trink- und Abwasser, Gase, Nutz- und Kulturböden sowie um Klärschlamm kümmert.

Heute gliedert sich das Unternehmen in fünf Abteilungen: Chemisch-Physikalische Verfahrenstechnik (CPV), Chemisch-Physikalische Analytik (CPA), Geomechanik und Bergbau (GMB), die Geophysik (GY) und die Entsorgungs- und Versatztechnik. Und so sieht die Firma vor allem ihre Chancen in der Zukunft. „Heute sind wir als Ingenieurgesellschaft weltweit unterwegs, um aus Salzen Salzlagerstätten definierte Produkte für die chemische Industrie, aber auch für die Düngemittelindustrie herzustellen“, sagt Vorstand Heiner Marx. „Für die Zukunft sehen wir vor allem dort große Chancen, wo wir große Seesalzgewinnungsanlagen haben, die aus dem Meerwasser Seesalz produzieren, wobei große Mengen an Abstoßlösungen anfallen, aus denen man noch eine ganze Reihe weiterer Produkte generieren kann.“ Für die K-UTEC und das dort gebündelte Expertenwissen gebe es vor allem bei der Behandlung der Abstoßlösungen bei der Düngemittelproduktion oder aus Seesalzproduktionen weltweit wenig Konkurrenz. „Da schlummert ein riesiges Potenzial wertvoller Stoffe.“ Nun ist der Firmenstandort Sondershausen in Thüringen nicht gerade der Nabel der Welt. Das ist für die K-UTEC und das weltweite Firmenengagement aber kein Problem: „Wir kommen historisch aus Sondershausen, es ist wirklich egal, wenn wir weltweit unterwegs sind, ob unsere Firma in Frankfurt oder Sondershausen ist.“ Schaue man von Chile aus auf die Landkarte, sei das nicht mal ein Zentimeter. „Wir generieren für die Region eine gewisse Wertschöpfung. Wir sichern Arbeitsplätze. Letztlich ist es heute für eine Firma, die weltweit aktiv ist, nicht unbedingt wichtig, direkt in einem Großzentrum angesiedelt zu sein. Aber deshalb ist es eben auch wichtig, dass unser Unternehmen auf einer weltweit bedeutenden Messe wie jetzt auf der Achema dabei ist.“

Bernd Schultheiß ist bei K-UTEC für die Prozessentwicklung zuständig. Er stammt nicht aus Thüringen, entschied sich aber vor 15 Jahren für einen Job bei den Kaliforschern in Sondershausen: „Heute reise ich für unser Unternehmen weltweit, bin etwa in Chile, Peru oder Indien unterwegs. Und das Reizvolle daran ist, dass wir hier in Sondershausen bei vielen Projekten dem Stand der Technik ein bisschen voraus sind, dass wir Verfahren entwickeln und verwirklichen“, sagt Schultheiß. Es sei immer wieder eine Herausforderung.

Zur Sache: Erfolgreich durch Exporte

Aus Thüringen kommen längst nicht mehr nur Würste und Klöße: Tatsächlich gibt es im Freistaat eine Vielzahl von Unternehmen, die ihre Waren und Dienstleistungen in alle Welt exportieren. Bauteile für schnelle Autos werden im Freistaat ebenso hergestellt wie Software oder Blitzgeräte zur Verkehrsüberwachung. Viele dieser Firmen sind klein oder mittelständisch – und in ihrer Heimat weithin unbekannt. Oft hat das damit zu tun, dass man ihre Produkte als Verbraucher gar nicht kaufen kann, weil sie nur an andere Firmen geliefert werden.

Mit unserer Serie „Weltmarkt Thüringen“ stellen wir immer wieder aufs Neue Thüringer Firmen vor.

Wir schauen darauf, was die Firmen herstellen und wer ihre Kunden sind. Sollten Sie einen Vorschlag für die Serie haben, senden Sie bitte eine E-Mail mit Betreff „Weltmarkt“ an: f.girwert@tlz.de

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.