Konjunktur-Oase: Jena ist in Wirtschaft und Wissenschaft bestens aufgestellt

"In Jene lebt sich's bene", heißt es schon in einem alten Studentenlied. Aber die mit rund 106.000 Einwohnern, darunter knapp 25 000 Studenten, eher kleine Großstadt ist in den vergangenen 25 Jahren noch attraktiver geworden.

Einer der erfolgreichsten Unternehmer Jenas: Klaus Berka baute die Firma Analytik auf. Der global agierende Konzern ist Spezialist für die Herstellung bioanalytischer Geräte. Foto: Peter Michaelis

Einer der erfolgreichsten Unternehmer Jenas: Klaus Berka baute die Firma Analytik auf. Der global agierende Konzern ist Spezialist für die Herstellung bioanalytischer Geräte. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Jena. Die Garanten für diese und eine weitere gute Entwicklung, die wissenschaftlichen Institutionen, sind über die ganze Stadt verteilt: Friedrich-Schiller-Universität und Ernst-Abbe-Fachhochschule, Institute von Max Planck, Fraunhofer, Leibnitz, Löffler und Helmholz, der Forschungs-Komplex am Beutenberg - die Wissenschaftsstadt Jena ist bestens aufgestellt.

Und das gilt auch für die Wirtschaft: Unternehmen wie Carl Zeiss, Schott und Jenoptik, Analytik Jena, Jenaoptronik und viele andere bringen der Stadt regelmäßig gute Einnahmen. Die Arbeitslosenquote liegt derzeit lediglich bei etwas mehr als sieben Prozent. Hinzu kommt, dass die meisten Arbeitgeber eine familienfreundliche Unternehmenspolitik betreiben. Viele sind Mitglied im lokalen Bündnis für Familie und ermöglichen nicht nur flexible Arbeitszeiten. Jenoptik und Zeiss haben sogar wieder Betriebskindergärten eingerichtet, in denen der Nachwuchs ihrer Beschäftigten umsorgt wird. All dies beschert der Stadt seit Jahren steigende Einwohnerzahlen.

Jena ist ein gefragter Technologie-, Forschungs- und Wirtschaftsstandort, der qualifizierte Fachkräfte nicht nur aus Thüringen anzieht. Die Stadt hat sich zu einer Konjunktur-Oase mitten im überwiegend strukturschwachen Ostdeutschland entwickelt. Die Region profitiert vor allem von einer klugen Stadtentwicklungspolitik, mit der schon unmittelbar nach der Wende begonnen wurde. Eigentlich sogar noch viel früher, denkt man an das berühmte Dreigestirn Carl Zeiß, Ernst Abbe und Otto Schott. Ohne die Gründung ihrer Werke in Jena im zu Ende gehenden 19. Jahrhundert und ohne ihre wissenschaftlichen Forschungen, die unmittelbar in Industrieprodukte mündeten, hätte die Stadt diesen Weg nicht beschreiten können.

Dieses Zusammenspiel zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung, dieses Netzwerk ist es, das auch heute den Erfolg Jenas ausmacht. Unternehmen vergeben Forschungsaufträge und Doktorarbeiten an die Hochschulen, und sie unterstützen Forschung und Entwicklung beispielsweise mit der Finanzierung von Lehrstühlen.

Nach der Wende bedurfte es couragierter und kluger Menschen, die die Entwicklung der Stadt in die richtigen Bahnen lenkten. Dazu gehörte der einstige baden-württembergische Ministerpräsident Lothar Späth (CDU), der gegen den Widerstand der Bürgerinnen und Bürger in die Stadt geschickt worden war, um das Zeiss-Kombinat zu zerschlagen. Mit viel Geld von Treuhand und Land Thüringen kaufte Späth damals Zeit und legte den Grundstein für den heutigen Jenoptik-Konzern mit nun mehr als 3500 Mitarbeitern. Rund 16 Prozent der Belegschaft sind im Ausland beschäftigt. Späth und Alt-Oberbürgermeister Peter Röhlinger schufen gemeinsam die Grundlagen für den heutigen Erfolg Jenas. Ehemalige Zeiss-Mitarbeiter gründeten eigene prosperierende Unternehmen beispielsweise in der optischen Industrie, im Bereich Raumfahrt und in der Medizintechnik. Allerdings standen von 30"000 Beschäftigten zunächst 16"000 auf der Straße.

Zu den couragierten Menschen nach der Wende gehörte aber auch der spätere Wissenschafts- und Kulturminister des Freistaates Thüringen, der Jenaer Gerd Schuchardt (SPD), ein ehemaliger Zeissianer. Ihm und zahlreichen Mitstreitern ist es zu danken, dass Schott und Zeiss heute überhaupt noch in Jena existieren. 1990 hatte es einen Machtkampf zwischen Zeiss-West und Zeiss-Ost gegeben, den die Jenaer in ihrem Sinne entscheiden konnten.

Aber auch die so genannten weichen Standortfaktoren stimmen: Nicht nur die landschaftliche Umgebung ist idyllisch. Jena liegt in einem idyllischen Tal, umgeben von viel Wald und von Muschelkalkhängen, an denen Wein und seltene Orchideen gedeihen. Längst stehen diese Gebiete unter Schutz. Durch die Stadt fließt die Saale, umgeben vom einstigen Volkspark Oberaue.

Mit der Jenaer Philharmonie verfügt die Stadt über das größte Konzertorchester Thüringens, dessen musikalisches Können längst über die Landesgrenzen hinaus geschätzt wird. Es gibt Kunstausstellungen, die europaweit Furore machen, und eine eigene städtische Kunstsammlung, deren Grundstein zu Beginn des 20. Jahrhunderts gelegt wurde. Wer mit dem ICE kommt, der steigt im "Paradies" aus - so heißt der Bahnhof -, und er kann mit der Straßenbahn bald bis ins "Himmelreich", eines der Wohngebiete im Norden der Stadt, fahren.

All das zusammen genommen prägt den Erfolg Jenas und macht die Stadt lebenswert.

Da wundert es niemanden mehr, dass Jena in so gut wie allen Rankings, in denen Wirtschaftsforscher die Leistungsfähigkeit der deutschen Städte untersuchen, immer weit vorne liegt.

Zur Sache: Industrie wächst um acht Prozent

Fakten zur wirtschaftlichen Stärke der Stadt Jena.

+ Börsennotierte Unternehmen mit Hauptsitz Jena: Jenoptik AG, Carl Zeiss Meditec AG, Analytik Jena AG, Intershop AG, Biolitec AG, DEWB AG

+ Bruttoinlandsprodukt 3,596 Milliarden Euro (2012) / 3,580 Milliarden Euro (2011)

+ Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem in Euro im Vergleich 2012 (2011) - Jena: 54.525 Euro (54.849 Euro) / Thüringen 47.998 Euro (47.500 Euro)

Umsatz Verarbeitendes Gewerbe / ab 50 Mitarbeiter: 1,43 Milliarden Euro (2013)

Wachstum der Industrie (BIP) > 8 Prozent pro Jahr von 2001 bis 2011 (Quelle: JenaWirtschaft)

Jena und Altenburg sind Spitzenreiter der thüringischen Wirtschaft

19 Millionen Euro-Schub für angewandtes Forschungszentrum der Universität Jena

Carl-Zeiss-Stiftung: Mehr als zwei Millionen Euro für die Jenaer Universität

Zu den Kommentaren