Kurzarbeit und Jobverluste drohen bei Intershop in Jena

Der Jenaer Software-Anbieter Intershop ist in der ersten Jahreshälfte tiefer in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stand nach sechs Monaten ein Verlust von 4,38 Millionen Euro, wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte. Das sind etwa 50 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum mit 2,89 Millionen Euro.

Die Aussicht war schon mal besser: Der Software-Anbieter Intershop aus Jena schreibt rote Zahlen. Foto: dpa

Die Aussicht war schon mal besser: Der Software-Anbieter Intershop aus Jena schreibt rote Zahlen. Foto: dpa

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Jena. Der Umsatz des Spezialisten für Programme, mit denen Unternehmen ihren Internet-Handel abwickeln können, verringerte sich um sechs Prozent auf 23,8 Millionen Euro. Nun drohen Kurzarbeit und Kündigungen: "Wir müssen die Kosten dem Umsatzniveau anpassen", sagte Finanzvorstand Ludwig Lutter. Er schloss Kurzarbeit in den kommenden Monaten, möglicherweise bereits im September, nicht aus. Ein Antrag sei formell noch nicht gestellt, "wir sind aber mit der Bundesagentur für Arbeit im Gespräch darüber". Betroffen sei der gesamte Entwicklungsbereich in Jena; auch Kündigungen seien hier möglich. "Nichts ist tabu, aber natürlich wollen wir das nicht." Das Unternehmen beschäftigt derzeit 529 Mitarbeiter - knapp 300 von ihnen sind in der Saalestadt tätig.

Werbung neuer Kunden kostet viel Geld

Als Grund für die Probleme nannte Lutter den bisher zu langsam vorankommenden Umbau der börsennotierten Intershop AG vom Dienstleister zum reinen Software-Unternehmen. Der Umsatz mit Softwarelizenzen, den der Vorstand ankurbeln will, habe sich im ersten Halbjahr zwar um ein Drittel verbessert. Er läge mit 2,4 Millionen Euro aber immer noch unter den Erwartungen.

Zudem ließen in dem für Intershop wichtigen US-Markt größere Aufträge noch auf sich warten. Die Hoffnung, dass die Ebay-Tochter GSI Commerce Solutions als Intershop-Aktionär für mehr Dynamik im USA-Geschäft sorgt, habe sich bisher nicht erfüllt. GSI hält etwa 26 Prozent der Intershop-Aktien.

Der Werbung neuer Kunden sei teuer und zeitaufwendig, sagte Lutter. "Es wird länger dauern, als wir hofften." Die Aktionärsversammlung hatte dem Vorstand vor einigen Wochen eine Kapitalerhöhung um 7,5 Millionen Euro versagt.

Ebay fechtet Beschluss an

Intershop hatte bereits in der vergangenen Woche seine Umsatz- und Ergebnisprognose für 2014 gesenkt. Lutter erwartet aber, dass die beiden nächsten Quartale besser ausfallen. Das Unternehmen geht 2014 von einem Umsatzrückgang "im einstelligen bis niedrigen zweistelligen Prozentbereich" und einem Minus beim operativen Ergebnis (Ebit) im mittleren einstelligen Millionenbereich aus.

Die Intershop-Aktionäre hatten vor einigen Wochen mit großer Mehrheit beschlossen, die Geschäfte zwischen Intershop und der Ebay-Tochter GSI Commerce Solutions extern prüfen zu lassen. Hintergrund ist der Verdacht, dass GSI Konditionen gewährt wurden, die nicht marktüblich waren und dem Jenaer Unternehmen Nachteile brachten. Ebay hat den Hauptversammlungsbeschluss vor dem Landgericht in Gera angefochten. Offenbar hält die Aktionärin den Beschluss für zu wenig konkret für eine Umsetzung.

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