Schmalkalder Unternehmen entwickelte ein Dachlast-Warnsystem

Es läuft gut. Es läuft sogar so gut, dass die kleine Vier-Mann-Firma in diesem Jahr daran denken kann, noch zwei, drei Leute einzustellen. Der Erfolg resultiert unter anderem aus einer Erfindung, die seit Mitte 2011 auf dem Markt und inzwischen auch zum Patent angemeldet ist: Die Schubert Messtechnik GbR in Schmalkalden hat ein Messsystem für Dachlasten, insbesondere Schneelasten entwickelt, das sich bislang allein rund 50 Mal in Norwegen verkauft hat.

In Wintern vergangener Jahre ein gewohntes Bild: Mitglieder des Technischen Hilfswerks schippen Schnee vom Dach eines Einkaufszentrums. Eine Schmalkalder Firma hat jetzt ein Messsystem entwickelt, das bei zu großen Schneelasten Alarm schlägt. Foto: Maik Ehrlich

In Wintern vergangener Jahre ein gewohntes Bild: Mitglieder des Technischen Hilfswerks schippen Schnee vom Dach eines Einkaufszentrums. Eine Schmalkalder Firma hat jetzt ein Messsystem entwickelt, das bei zu großen Schneelasten Alarm schlägt. Foto: Maik Ehrlich

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Schmalkalden. Klaus Fähnrich, einer der beiden Tüftler in der auf Wäge- und Temperaturmesstechnik spezialisierten Firma, war zufällig in Bad Reichenhall, als dort im Januar 2006 die Eislaufhalle unter der Schneelast auf dem Dach einstürzte und 15 Menschen unter sich begrub. Den Werkzeugmacher und Waagenbauer hat seither die Frage, wie sich so etwas verhindern lässt, nie wieder losgelassen. Könnte man nicht etwas erfinden, das anzeigt, wenn die Belastungsgrenze eines Daches erreicht ist und das Gebäude entweder sofort gesperrt oder die Last verringert werden muss, fragte er sich. Der Zufall wollte es, dass er ein paar Jahre später Daniel Schubert kennen lernte, der dem Schmalkalder Unternehmen auch seinen Namen gab. Der heute 32-Jährige gelernte Restaurantfachmann war als technischer Leiter von Hotels in Österreich rund zehn Jahre lang immer aufs Neue mit dem Problem großer Schneemengen auf Dächern konfrontiert. "Wir wollten etwas entwickeln, dass die Überschreitung von Grenzwerten anzeigt", sagt Fähnrich. Beide tüftelten an Prototypen, testeten und verfeinerten sie immer weiter, bis ihre Entwicklung am 1. Juni 2011 Marktreife erlangte. "Ein solches Datum vergisst man genauso wenig wie den Hochzeitstag", meint Klaus Fähnrich schmunzelnd. Das System besteht aus Messsensoren, die nachträglich in Dächer eingebaut werden können - und zwar nicht in die Dachhaut, "die bekäme man nämlich nie wieder dicht", wie Klaus Fähnrich sagt, sondern in die Tragwerkskonstruktion, zum Beispiel an Sparren oder Platten. Dabei sind die Sensoren so klein, dass sie kaum Platz beanspruchen. Ihr Einbau an die Dachinnenseite hat obendrein den Vorteil, dass die Sensoren keinen störenden Umwelteinflüssen wie Regen oder Frost ausgesetzt sind und dass ihn - bei entsprechender Anleitung - selbst Laien hinbekommen. Die miteinander vernetzten Sensoren messen die Lasten nicht punktuell, sondern großflächig, die erfassten Daten werden auf einer Plattform zusammengefasst und laufen über einen Server der Uni Jena. "Der Anwender erhält schließlich per Mail oder SMS eine Mitteilung, wenn zulässige Grenzwerte überschritten sind und Gefahr in Verzug ist. Er kann sich also theoretisch auch am Strand von Hawaii aalen und dort die Mitteilung abrufen", macht Fähnrich deutlich, wie die Erfindung das Leben erleichtern kann.

Zur Sicherheit archiviert das Unternehmen die Daten und Mitteilungen natürlich selbst für den Fall, dass jemand behauptet, gar nicht Bescheid bekommen zu haben. Ganz besonders gefragt ist die Neuerung, die beim Thüringer Landesideenwettbewerb 2011 mit einem Preis ausgezeichnet und bei der Internationalen Erfindermesse iENA in Nürnberg im gleichen Jahr mit Silber dekoriert wurde, bislang in Norwegen. Klaus Fähnrich: "Im Großraum Bergen haben viele Leute ein Ferienhaus hoch oben in den Bergen, das aber drei bis fünf Autostunden von ihrem Arbeitsplatz entfernt liegt. Für sie ist es ein Problem, immer allein deshalb hin- und herpendeln zu müssen, um zu schauen, ob nicht zu viel Schnee auf dem Dach ihres Ferienhauses liegt. Bislang haben wir dort ungefähr 50 Systeme installiert." Der Kontakt, so Fähnrich, sei über einen Bekannten zustande gekommen, der in Norwegen lebt und sofort Feuer und Flamme war, als er von der Idee erfuhr.

Doch auch die Katholische Kirche St. Anton in Augsburg ging lieber auf Nummer sicher und rüstete das Schneelastwarnsystem nach. 4000 bis 5000 Euro muss ein Häuslebauer investieren, um sich mit dem System auszurüsten, für größere Gebäude wird das Ganze natürlich teurer. Klaus Fähnrich: "Unsere Zielgruppe sind eigentlich die Discounter, die immer sehr sparsam bauen. Doch die haben noch nicht so richtig angebissen." Dafür hat Professor Carsten Könke von der Weimarer Bauhaus-Universität, der das System 2012 unter die Lupe nahm, weitere Anwendungsmöglichkeiten ausgemacht: Genauso wie Schneelasten kann das System Windlasten und Lasten aus Verkehr - zum Beispiel an Brücken - messen, weil es auch auf sich sehr schnell verändernde Lasten reagieren kann.

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