Schott Solar schließt Waferproduktion in Jena

Die Schott Solar AG macht ihre Waferproduktion in Jena dicht. Bis Ende März wird die Produktion nach und nach zurückgefahren. 292 von 350 Solar-Mitarbeiter werden entlassen.

Bald kein großer Arbeitgeber mehr: Solarzellen aus Deutschland sind oft zu teuer - auch deshalb wird die Fertigung bei Schott Solar in Jena eingestellt. Übrig bleibt ein Technologiezentrum mit 58 Mitarbeitern. Foto: Alexander Volkmann

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Jena. Ziel ist es allerdings, von betriebsbedingten Kündigungen abzusehen. "Das ist eine schmerzliche, aber notwendige Maßnahme", so der Vorsitzende des Vorstandes der Schott Solar AG, Martin Heming, am Dienstag in Jena. Doch nur durch diese Neuausrichtung schaffe das Unternehmen die Voraussetzungen für profitables Wachstum. "Es gibt keine Alternative."

Starke asiatische Konkurrenz

Damit zieht der deutsche, aber global agierende Technologiekonzern die Konsequenzen aus der Entwicklung auf dem Solarweltmarkt, der von Überkapazitäten und, insbesondere bei Wafern (etwa einen Millimeter dicke Scheiben) und Zellen, von einem massiven Preisverfall gekennzeichnet ist. Schuld daran ist die asiatische Konkurrenz, die ihre Wafer mehr als 26 Prozent unter dem eigenen Herstellungspreis anbietet. "Das ungezügelte Wachstum in China bietet kein normales Wettbewerbsumfeld", sagte Heming.

Betriebsrat und die betroffenen Mitarbeiter wurden ebenfalls am Dienstag darüber informiert. Den entlassenen Mitarbeitern soll eine Weiterbeschäftigung in anderen Konzernbereichen angeboten werden. "Sie haben im Konzern Vorrang bei der Besetzung von Stellen weltweit", so Heming. Wohl wissend, dass dies nur bedingt möglich sein wird. Zudem werde sich die Personalabteilung auch um externe Vermittlung bemühen.

Forschung bleibt am Standort

Lediglich das Technologiezentrum für Forschung und Entwicklung mit 58 Mitarbeitern sowie das Modul- und Projektgeschäft, beides den Angaben zufolge "wachstumsstarke Geschäftsfelder", sollen in Jena bestehen bleiben. In dem Technologiezentrum werden monokristalline Wafer entwickelt. Auch die Fertigung von Photovoltaik-Dünnschichtmodulen wird in Jena fortgeführt. "Wir sind optimistisch, denn wir haben im vergangenen Jahr so viele Module verkauft wie nie zuvor und Marktanteile hinzugewonnen", so Heming.

Diesen Weg wolle man 2012 fortsetzen. "Jena bleibt also als Solar-Standort erhalten", so Heming, der zudem ankündigte, noch in diesem Jahr ein neues Hochleistungsmodul mit einem hohen Wirkungsgrad und hohen Energieerträgen auf den Markt bringen zu wollen. Außerdem habe der Konzern weitere Großprojekte in Planung - in Deutschland ebenso wie in Thailand, Indien, Griechenland und Frankreich. Erst Ende 2011 errichtete Schott in Thüringen einen Solarpark mit 24000 Modulen. Nun gelte es, den Technologievorsprung auszubauen. Dazu arbeite Schott in Forschungsverbünden weiter an Technologien, um Solarenergie wirkungsvoller und günstiger zu machen. Die Solarzellen, die Schott nun benötigt, werden bei ausgewählten Partnern in Asien eingekauft und mit Schott-Technologien veredelt.

Vor einem Jahr noch große Pläne

Vor fast genau einem Jahr hatte Schott-Vorstandschef Udo Ungeheuer bei der Bilanzpressekonferenz für das Geschäftsjahr 2009/2010 noch bekanntgegeben, Schott werde den Standort Jena weiter ausbauen. Die Waferproduktion sollte 2011 auf 500 Megawatt Leistung verdoppelt und etwa 100 neue Mitarbeiter eingestellt werden. Und im August vergangenen Jahres hatte es noch geheißen, Arbeitsplätze am Standort Jena seien nicht in Gefahr.

Schott Solar betreibt derzeit noch ein Werk im bayrischen Alzenau, das allerdings bereits im Februar dicht gemacht wird. Dort sind etwa 100 Mitarbeiter betroffen.

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