Sinkender Milchpreis macht Milchbauern zu schaffen

Troistedt  Ralf Schmidt ist Milchbauer aus Troistedt bei Weimar und fürchtet angesichts der aktuellen Marktlage um seine Existenz. Viele andere Milchbetriebe in Thüringen haben bereits aufgegeben.

Heu von eigenen Feldern: 50 Milchkühe hält Ralf Schmidt auf seinem Hof. Die liefern zwar keine rekordverdächtigen Milchmengen, aber sie leben gesünder als manch anderes Tier. Foto: Peter Michaelis

Heu von eigenen Feldern: 50 Milchkühe hält Ralf Schmidt auf seinem Hof. Die liefern zwar keine rekordverdächtigen Milchmengen, aber sie leben gesünder als manch anderes Tier. Foto: Peter Michaelis

Foto: zgt

Ein verschmitztes Lächeln ist aus dem Gesicht von Ralf Schmidt nicht zu vertreiben. Dabei ist die wirtschaftliche Lage seines Milchviehbetriebs alles andere als rosig. „Aber man muss sich die gute Laune bewahren.“ Pro Liter Milch, die seine 50 Milchkühe geben, erhält er demnächst nur noch 27 Cent. Im Supermarkt steht ein Liter Vollmilch für Preise ab 55 Cent im Regal. „Die meisten Mineralwasser sind teurer“, sagt er und seine Stimme verrät trotz fröhlicher Miene eine gewisse Resignation.

Die Lage dürfte nämlich in den kommenden Wochen und Monaten nicht besser werden, denn weltweit wird immer mehr Milch erzeugt. Längst nähert man sich der 60-Millionen-Tonnen-Grenze an – vor zwölf Jahren waren es noch 40 Millionen. Somit sackt der Preis immer weiter in den Keller – es ist nach der Einschätzung von Ralf Schmidt die dritte Krise innerhalb von nur sechs Jahren. Der Hof des Landwirts in Troistedt (Weimarer Land) verfügt über eine Fläche von 80 Hektar – 50 davon sind Grünland, um die Kühe mit Futter versorgen zu können.

Er hält 50 Kühe für die Milch und noch einmal so viele als weibliche Nachzucht. Hinzu kommt etwas Ackerbau. „Früher haben wir unsere Milch an die Molkerei verkauft und sind damit gut hingekommen“, berichtet er.

Größere Höfe können Verluste leichter abfedern

Zuletzt habe es ein gutes Jahr und dann zwei schlechte gegeben. Seit zehn bis zwölf Jahren sei die Lage grundsätzlich schwieriger geworden – besonders für kleinere Betriebe, die sich ausschließlich mit der Milcherzeugung befassten. Nicht jeder Betrieb sei groß genug, ausreichend Reserven für schlechte Zeiten anzulegen – diese Unterstellung der Politik funktioniere einfach nicht überall. Es sei einfacher für solche Betriebe, die Milcherzeugung auf einem großen Hof mit mehreren hundert oder tausend Hektaren quasi nebenher betrieben. Da könne man in schlechten Zeiten auch mal eine Quersubvention fließen lassen und das schwache Milchgeschäft quasi mit durchziehen. Doch in einem kleinen Milchbetrieb sei das nicht möglich. „Ich muss mir die fehlenden Erlöse von meinem eigenen Geld abziehen“, sagt Schmidt.

Seiner Ansicht nach könne man ab einem Preis von 35 bis 36 Cent pro Liter vernünftig arbeiten – um Reserven bilden zu können oder gar Gewinn zu machen, sollten es 44 bis 45 Cent sein. Davon ist man aktuell weit entfernt. Dass die Milchquote in der EU erst vor wenigen Wochen weggefallen ist, schmeckt dem Landwirt denn auch überhaupt nicht – auch wenn er findet, dass sie wenig gebracht habe. Aber die Sichtweise von Politik und Bauernverband, dass sich die Milchwirtschaft dann eben um vermehrten internationalen Absatz kümmern müsse, will er nicht teilen.

Stattdessen plädiert er nicht zuletzt als Vertreter des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM) dafür, in Krisenzeiten die Menge an Milch zu begrenzen, die an Molkereien geliefert wird. Die Logik dahinter: Eine geringere Menge könnte einen zu niedrigen Preis verhindern – anders als das zunehmende Überangebot auf dem Weltmarkt. Problematisch ist nach Schmidts Meinung zudem, dass Standorte weitab von Seehäfen bei der Futtermittelversorgung höhere Kosten schultern müssten, weil die Transportwege kürzer seien. „Für Betriebe in Niedersachsen ist das leichter.“ Das Grünfutter reicht nämlich oft nicht aus. Hinzu kommen Maissilage oder Kraftfutter. „Wir kommen aber weitgehend mit Heu und Silage aus.“ Die Milch wird später in der Molkerei aus zahlreichen Betrieben vermischt – ob in den Betrieben mehr Gras oder mehr Kraftfutter verfüttert wird, spielt nur eine untergeordnete Rolle, obwohl es sich durchaus auf die Qualität der Milch auswirken kann.

Seine Tiere kommen auf eine Milchmenge von etwa 6000 Kilogramm pro Jahr und Kuh. Rekordleistungen von 8000 oder gar 10 000 Kilogramm, die nur mit Kraftfutter zu erreichen sind, sieht Schmidt kritisch: „Aber selbst da ist unter Umständen eine ordentliche Lebensführung der Tiere möglich.“

Betriebe beharken sich stärker untereinander

Für die Mengenbegrenzung der Milch in Krisenzeiten spricht aus seiner Sicht die Erfahrung aus anderen Wirtschaftszweigen: „Die Autoindustrie produziert ja auch nicht munter weiter, wenn es auf dem Markt nicht so gut läuft“, sagt er. In Kanada werde die Milchmenge mittlerweile auch begrenzt, wenn es Probleme gebe. „Und das sind ja keine Kommunisten“, meint Schmidt, der es nicht schätzt, wenn Unternehmer nach dem Staat rufen. Aber eine europäische Regelung sei dringend angezeigt, sonst drohe ein anhaltendes Sterben von Betrieben. „Hier in Thüringen haben schon viele aufgegeben, weil es sich einfach nicht mehr rechnet“, sagt er. Und im Anschluss sei bei einer Schlachtung der Tiere auch nicht mehr viel zu holen. „Stattdessen kriegen sich die Betriebe untereinander immer mehr in die Wolle, wenn das so weitergeht.“

Wichtig sei neben der Mengenbegrenzung im Krisenfall auch eine Anhebung des sogenannten Interventionspreisniveaus. Sobald ein bestimmter Marktpreis unterschritten wird, kauft der Staat auf. Der Preis für Milch liegt bei umgerechnet etwa 21 Cent – der Staat kauft im Zweifel nur Milchpulver, denn das lässt sich für bessere Zeiten einlagern und wiederverkaufen. 21 Cent aber seien viel zu niedrig.

Einen Brandbrief an den Bundeslandwirtschaftsminister hat man schon geschrieben. Eine sinnvolle Antworte von Christian Schmidt (CSU) steht bisher noch aus. Ralf Schmidt indes gibt die Hoffnung nicht auf, dass er mit seinen Kühen doch wieder auf einen grünen Zweig kommt.

Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.