Sondershäuser Unternehmen erhält Millionen-Auftrag aus Bolivien

Uyni / Sondershausen  Der Unternehmer Dr. Heiner Marx, Vorstandschef der K-Utec AG Salt Technologies in Sondershausen, hat am weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien, einen Meilenstein seiner Firmengeschichte gesetzt. Im Beisein des bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales wurde endlich der Vertrag zur Planung einer spektakulären Lithium-Gewinnungs-Anlage am Salar de Uyuni unterzeichnet.

Blick auf den Salzsee: Lange stemmte sich Bolivien gegen eine Förderung, der Salar ist eine große Touristenattraktion. Nun soll das Thüringer Unternehmen K-Utec die Lithiumgewinnung forcieren. Foto: Martin Alipaz

Blick auf den Salzsee: Lange stemmte sich Bolivien gegen eine Förderung, der Salar ist eine große Touristenattraktion. Nun soll das Thüringer Unternehmen K-Utec die Lithiumgewinnung forcieren. Foto: Martin Alipaz

Foto: zgt

Der Unternehmer Dr. Heiner Marx, Vorstandschef der K-Utec AG Salt Technologies in Sondershausen, hat gestern am weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien, einen Meilenstein seiner Firmengeschichte gesetzt. Im Beisein des bolivianischen Staatspräsidenten Evo Morales wurde endlich der Vertrag zur Planung einer spektakulären Lithium-Gewinnungs-Anlage am Salar de Uyuni unterzeichnet. Der Großauftrag über 4,5 Millionen ist ein „fetter Brocken“ für die Kaliforscher und Verfahrensingenieure des Sondershäuser Unternehmens, das dafür noch andere Partnerfirmen „ins Boot“ holen wird. Für Vorstandschef Marx ist der Vertragsabschluss am Freitagabend in La Paz und am Sonntag in Uyuni der krönende Abschluss eines zähen Ringens um das spektakuläre Großvorhaben, das weltweit ausgeschrieben war und bei dem es die K-Utec, die Firma Ercosplan in Erfurt und das Unternehmen Salt & Evaporation PLant (SEP) im schweizerischen Winterthur ins Ausschreibungsfinale schafften, wo sich dann das Sondershäuser Unternehmen durchsetzen konnte (TLZ berichtete). Die abschließenden Vertragsverhandlungen mit dem Bolivianischen Unternehmen Comibol, der Corporacion Minerva de Bolivia, in La Paz – „von Montag bis Freitag fast zehn Stunden täglich in einem fensterlosen Raum“, so Heiner Marx, waren hart und zäh, ehe er am Sonntag von La Paz nach Uyuni zur abschließenden Vertragsunterzeichnung mit Evo Morales flog.

Innerhalb von etwa 13 bis 15 Monaten muss nun die K-Utec – quasi als Generalplaner – die komplette Planung für den schlüsselfertigen Bau einer Industrieanlage erstellen, mit der später dann jährlich bis zu 30 000 Tonnen batterietaugliches Lithiumkarbonat gewonnen werden kann.

Die Lithiumvorkommen in Bolivien werden auf bis zu neun Millionen Tonnen geschätzt. Lithium-Batterien werden in Computern, Mobiltelefonen und Elektroautos verwendet. Die Nachfrage steigt seit Jahren, was sich auch in den Rohstoffpreisen widerspiegelt: Lag der Preis etwa 2005 bei etwa 2500 US-Dollar pro Tonne Lithium-Karbonat, sind es nun fast 6400 US-Dollar. Für Bolivien bedeutet das ehrgeizige Vorhaben einen gewaltigen Sprung nach vorn hin zu moderner Technologie.

Der bolivianische Staat will für die Anlage zur Lithium-Gewinnung bis zu 600 Millionen US-Dollar (538 Millionen Euro) investieren. Aber auch um die Ausbildung und Qualifizierung der Ingenieure für dieses Projekt in Bolivien will sich die mittelständische Ingenieurgesellschaft K-Utec in Sondershausen als Nachfolgeunternehmen des ehemaligen Kaliforschungsinstitutes der DDR kümmern. Dazu soll der deutsche Botschafter in La Paz, Peter Linder, der Bundeskanzlerin Angela Merkel zum bevorstehenden Staatsbesuch von Evo Morales in Berlin im Herbst 2015 einen Vorschlag zur dualen Ingenieurausbildung (Bolivien – Deutschland) unterbreiten, an dem sich dann auch die Sondershäuser K-Utec AB beteiligen könnte. Boliviens Staatspräsident Evo Morales wird Anfang November auch als Ehrengast und Festredner beim Lateinamerikatag 2015 in Hamburg dabei sein. Bei diesem Kongress, veranstaltet vom Lateinamerika Verein, einem Unternehmensnetzwerk und einer Informationsplattform für die deutsche Wirtschaft mit Interessen an und in Lateinamerika, wird Morales einen Vortrag über Investitionsmöglichkeiten in Bolivien halten und dabei auch das ehrgeizige Lithium-Projekt der K-Utec vom Salar de Uyuni vorstellen.

In Sondershausen können Interessenten bereits heute erleben, wie die Lithium-Gewinnung funktioniert. In der Lars-Eckmann-Halle auf dem Firmengelände der K-Utec AG Salt Technologies direkt neben dem historischen Petersenschacht in Sondershausen ist bereits seit Mitte Oktober 2014 eine Pilotanlage zur Lithium-Gewinnung in Betrieb und hat einen Namen: Li-Pia. Der Name steht als Abkürzung für Lithium-Pilotanlage, in der in Sondershausen im Auftrag des kanadisch-amerikanischen Konzerns Western Lithium versuchsweise aus kalzinierten Mineralgemischen vor allem das auf dem Weltmarkt gefragte batterientaugliche Lithiumkarbonat gewonnen wird. Außerdem fallen bei dem Verfahren, das die Verfahrensingenieure und Kaliforscher der K-Utec entwickelt haben, noch andere Stoffe an wie Natriumsulfat oder Kalisulfat, die als Düngemittel verwendet werden können. Eine solche Gewinnung ist auch in Bolivien angedacht, weshalb K-Utec-Vorstandschef Heiner Marx auch schon Anschlussaufträge zur Planung entsprechender Anlagen im Blick hat. Das Expertenwissen dazu ist in Sondershausen beheimatet.

Zu den Kommentaren