Thüringer Unternehmen K-Utec gewinnt 600-Millionen-Dollar-Ausschreibung

Sondershausen  Das Unternehmen wird bis 2020 eine Anlage zur Lithiumgewinnung am größten Salzsee der Welt, dem Salar de Uyuni in Bolivien, verwirklichen. Ein Ortsbesuch in Sonderhausen.

Ein K-Utec-Mitarbeiter befüllt die Pilotanlage mit dem in Weimar hergestellten Mineralgemisch. Foto: Dieter Luecke

Foto: zgt

Schon wieder dürfen sich die Thüringer Kaliforscher und Verfahrensingenieure der K-Utec AG Salt Technologies in Sondershausen über einen spektakulären Erfolg ihrer innovativen Arbeit freuen: das Unternehmen hat die internationale Ausschreibung für den Großauftrag zur Planung einer Anlage zur Lithium-Gewinnung am weltweit größten Salzsee, dem Salar de Uyuni in Bolivien, gewonnen. Im Ausschreibungsfinale konnte sich die K-Utec gegen zwei Mitbewerber durchsetzen, die Erfurter Firma Ercosplan und das Unternehmen Salt & Evaporation Plant (SEP) im schweizerischen Wintherthur. Erst kürzlich hatte das Sondershäuser Unternehmen mit dem Zuschlag für ein Großprojekt zur schachtlosen Salzgewinnung durch Heißsolung in Laos den bis jetzt größten Einzelauftrag ihrer Firmengeschichte bekommen.

In Bolivien will das dort angesiedelte Unternehmen Comibol etwa ab 2020 batterietaugliches Lithiumkarbonat herstellen. Das Projekt war weltweit ausgeschrieben worden. Mehr als drei Jahre hatte die K-Utec sich bemüht, den Auftrag aus Bolivien zu bekommen. Die Pläne für das Projekt mussten in Sondershausen mehrere Male überarbeitet werden, weil Comibol immer wieder Vorgaben veränderte.

Dass der Auftrag nun nach Sondershausen geht, ist nicht nur für die K-Utec das gute Ergebnis langjähriger Forschungs- und Entwicklungsarbeit, sondern auch für das Land und den Bund, die dies alles gefördert haben. Vorstand Dr. Heiner Marx: „Für die K-Utec ist das eine schöne Bestätigung unserer Arbeit der letzten 15 Jahre. Wir haben vor 15 Jahren mit Forschungs- und Entwicklungsmaßnahmen (F + E) begonnen, die teils durch den Bund und durch den Freistaat Thüringen gefördert worden sind. Wir haben dann die ersten Projekte in Südamerika für verschiedene Firmen gemacht, darunter ein Unternehmen aus Paris, das vor etwa sechs Jahren am Salar de Uyuni in Bolivien auf eigene Rechnung Lithium produzieren wollte, um daraus Elektrodenmaterial für Lithiumbatterien herstellen zu können.“

Dieses Geschäft zugunsten der Franzosen hatte der damalige französische Präsident Sarkozy mit Boliviens Präsident Evo Morales eingefädelt. Das Know-how holten sich die Franzosen bei der K-Utec in Sondershausen. Dann habe sich diese Zusammenarbeit zwischen Frankreich und Bolivien wohl zerschlagen, mutmaßt Vorstand Heiner Marx, das französische Unternehmen sei dann nach Argentinien gegangen, um dort sein Vorhaben zu realisieren.

Die K-Utec hatte zwischenzeitlich eigene Lithium-Projekte in Angriff genommen, etwa für Solarworld oder die seit dem vergangenen Jahr auf dem Sondershäuser Betriebsgelände der Thüringer Kaliforscher in Betrieb genommene große Pilotanlage für das kanadisch-US-amerikanische Unternehmen Western Lithium, das in Nevada (USA) die tonhaltigen Rohstoffe abbaut (TLZ berichtete).

Diese Pilotanlage ist in der Lage, neben Natriumsulfat und Kaliumsulfat am Ende aus der Lösung batterietaugliches Lithiumkarbonat herzustellen. Die Pilotanlage in Sondershausen dient insbesondere dem Zweck, andere interessierte Investoren für das Lithium-Gewinnungs-Projekt in den USA zu gewinnen. Von dieser Möglichkeit haben in den vergangenen Monaten einige Investoren Gebrauch gemacht. Diese kämen aus der ganzen Welt, berichtet Marx, nächste Woche etwa aus Thailand, die in das Projekt einsteigen wollen. „Unsere Pilotanlage ist vor allem für Western Lithium konfiguriert worden, ist aber von uns so multifunktional geplant worden, dass wir auch andere Projekt mit dieser Anlage bearbeiten können“. Für das Projekt in Bolivien etwa müsse die Anlage angepasst werden.

Unterstützung bei der Ausbildung

Was bedeutet nun konkret der aktuelle Auftrag aus Bolivien für das innovative Sondershäuser Unternehmen? Marx: „Wir werden am Salar de Uyuni eine Anlage planen, die in der Lage ist, aus den Naturlösungen des Salzsees verschiedene Produkte zu erzeugen. Eines der Produkte wird batterietaugliches Lithiumkarbonat sein, andere Produkte werden Natriumchlorid, Kaliumchlorid oder Borate sein“. In Bolivien müsse man von der Größenordnung her einige Millionen Kubikmeter Lösung aus dem Salzsee Salar de Uyuni in riesigen quadratkilometergroßen Beckenanlagen durch Verdunstung des Wassers unter der Sonne eindampfen. Aus den so gewonnenen konzentrierten Lösungen könnten dann in mehreren Schritten durch Kristallisation Natriumchlorid, Kaliverbindungen und am Ende eine lithiumhaltige Lösung gewonnen werden. Daraus könne dann in einer technischen Anlage batterietaugliches Lithiumkarbonat hergestellt werden.

Die K-Utec wird Planungsarbeiten überwiegend in Sondershausen durchführen, die erforderlichen Daten zur Errichtung der Industrieanlage dazu in Versuchsreihen im eigenen Technikum erarbeiten. Für die bauliche Umsetzung werden sich die Nordthüringer mit lokalen Partnern in Bolivien „verbünden“. Der bolivianische Staat plant eine Investition von insgesamt 620 Millionen Dollar (570 Millionen Euro) für die Lithium-Gewinnung. Der Salar de Uyuni auf 3650 Metern Höhe ist die weltweit größte Salzfläche. Die Lithiumvorkommen in Bolivien werden auf bis zu neun Millionen Tonnen geschätzt.

Lithium-Batterien werden in Computern, Mobiltelefonen und Elektroautos verwendet. Für Bolivien bedeutet das Projekt ein gewaltiger Sprung nach vorn hin zu einer modernen Technologie. Die Ausbildung und Qualifizierung der dafür erforderlichen Mitarbeiter in Bolivien werde die K-Utec unterstützend begleiten, unterstrich Vorstadt Dr. Marx. Während des Anlagenbaus und während der Anlaufphase nach der Inbetriebnahme werden Mitarbeiter des Sondershäuser Unternehmens vor Ort am Salzsee Salar de Uyuni arbeiten. Für die K-Utec ist es nicht das erste Projekt in Südamerika, auch in Chile, Peru, Brasilien und Argentinien sind die Thüringer Kaliforscher und Verfahrensingenieure bereits mit ihrem Know-how gefragt.

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