Unseriöse Abrechnung: Thüringer Taxi-Unternehmer sind sauer

Thüringer Taxi-Unternehmer sind stinksauer. Weil in 11 der 22 Bezirke im Freistaat die Umstellung der Taxameter auf die neuen Tarife im Zuge des Mindestlohns noch andauert, bekommen sie vereinzelt den Unmut der Fahrgäste zu spüren.

Thüringer Taxi-Unternehmer wie am Erfurter Bahnhof sind stinksauer. Foto: Susann Fromm

Foto: zgt

Weimar. Zündstoff bietet vor allem die aus der Not geborene archaische Abrechnungsmethode für die gefahrenen Kilometer. Anstelle des geeichten Taxameters behelfen sich Taxifahrer mit Preislisten. Das kostet Zeit und führt beim Kunden, der den Blick aufs Taxameter gewohnt ist, nicht selten zu Verunsicherung. In der Silvesternacht entstand daraus sogar ein Übergriff auf einen Taxifahrer.

Beispiel Weimarer Land: Unternehmerverbände und Behörden schieben sich in diesen Tagen die Schuld für die Verzögerung gegenseitig in die Schuhe. Der Landesverband des Verkehrsgewerbes meint, das Bundesarbeitsministerium habe zu wenig Zeit für Umstellung gegeben. Der Vorsitzende des Landesverbandes der Thüringer Taxi- und Mietwagenunternehmen, Michael Beer, hatte jüngst jedoch das Eichamt in Ilmenau als Sündenbock ausgemacht. Die sollen es schlicht verschlafen haben, die seit Monaten beschlossenen Preisänderungen an die Hersteller der Taxameter weiterzugeben.

Anträge im Dezember kamen zu spät

Die im Weimarer Land rechtzeitig beim zuständigen Eichamt in Ilmenau angemeldeten Termine seien reihenweise geplatzt. Das Eichamt verschickte daraufhin Mitteilungen, dass sich die Unternehmer zum Ende des Monats wieder melden können.

Dem Vorwurf eines unangemessen langen Arbeitsstillstands in der Behörde wegen Urlaubs zum Ende des Jahres weist der Abteilungsleiter der Landesbehörde zurück.

"Wir sind nur das Ende einer Kette, an dem sich nun der Frust entlädt", sagt Olaf Kühn. Bereits im Sommer habe man Schreiben an die Landkreise verschickt und darauf hingewiesen, dass die Tarifordnung rechtzeitig ans Eichamt geschickt werden soll. Dies geschah in den meisten Landkreisen aber erst Ende November, teilweise sogar erst Anfang Dezember, sagt er. Nachdem die neuen Tarife vom Eichamt rechtlich geprüft wurden, werden die Taxameter-Hersteller beauftragt, eine entsprechend neue Software zu programmieren.

Auch dabei habe das Eichamt Fehler festgestellt, die Software musste überarbeitet werden. Erst danach beginnen insgesamt neun Mitarbeiter im Eichamt Ilmenau, die Taxameter technisch zu prüfen. Etwa acht Wochen nehme dieser Prozess ab Eingang einer neuen Tarifordnung in Anspruch. Aufgrund der Tatsache, dass es sich zum Jahreswechsel um eine Ausnahmesituation gehandelt habe, in der nahezu alle 22 Bezirkstarife gleichzeitig umgestellt werden mussten, seien längere Bearbeitungszeiträume normal, so Kühn.

Die Leidtragenden der Versäumnisse sind die Taxifahrer, die in einem Dilemma stecken. Bis sie allesamt über ein Taxameter mit neuem Eichsiegel verfügen, müssen sie entweder eine notdürftige Liste zur Hand nehmen oder ihre Fahrgäste mit einem veralteten Taxameter-Programm chauffieren. Beide Varianten sind ordnungswidrig und wirken wenig seriös auf die Kundschaft.

Taxameter werden in Deutschland einmal jährlich vom Eichamt überprüft. Wenn alles in Ordnung ist, wird das Taxameter mit einer Eichmarke versehen und verplombt - in der Regel durch Aufkleben der Eichmarke und Aufkleber auf den Schrauben.

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