Gespräch mit einer Dolmetscherin bei der Europäischen Union

Viele Kinder lernen Englisch und Französisch in der Schule. Carlota Jovani kann das auch und dazu noch Deutsch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch. Carlota Jovani ist Dolmetscherin. Was Menschen in fremden Sprachen miteinander reden, kann sie sofort ins Deutsche übersetzen.

Das Europäische Parlament in Brüssel: Vor dem Gebäude in der belgischen Hauptstadt wehen die Flaggen der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union. Foto: ddp

Das Europäische Parlament in Brüssel: Vor dem Gebäude in der belgischen Hauptstadt wehen die Flaggen der 27 Mitgliedsländer der Europäischen Union. Foto: ddp

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Brüssel. Carlota Jovani dolmetscht bei der Kommission der Europäischen Union. Dort überlegen Politiker und Experten aus 27 Ländern, was in Europa wie gemacht werden soll. Katharina Handy hat Carlota Jovani zu ihrem Job befragt.

Frau Jovani, müssen Sie jeden Tag Vokabeln lernen?

Wer Dolmetscher ist, muss sehr fleißig sein. Wir müssen unsere Sprachen pflegen. Ich lese zum Beispiel ausländische Zeitungen oder gucke mir fremdsprachige Seiten im Internet an. Seit es Internetradio gibt, können wir auch immer andere Sprachen hören. Reisen ins Ausland sind sehr wichtig. Wir haben auch besondere Kurse, in denen wir unsere Fremdsprachen auffrischen. Alle Wörter können wir nicht wissen. Aber Dolmetscher haben gelernt, Dinge zu umschreiben, wenn ihnen mal ein Wort fehlt.

Wie sieht Ihr Arbeitsplatz aus?

Die Politiker und Experten, für die wir dolmetschen, treffen sich oft in großen Sälen. An deren Seiten sind Kabinen mit großen Glasfenstern eingebaut. Für jede Sprache gibt es eine Kabine. Dort sitzen wir Dolmetscher dann meistens zu zweit an einem Pult. Über Kopfhörer können wir hören, was die Politiker und Experten sagen. Wir dolmetschen es dann in die Mikrofone. Die Politiker haben auch Kopfhörer auf und hören, was wir dolmetschen. Jeder kann seine eigene Sprache hören und sprechen.

Woher wissen Sie, wen Sie gerade dolmetschen sollen?

Wir können direkt in den Saal gucken, wo die Politiker und Experten sitzen. Denn wenn wir jemanden dolmetschen, müssen wir ihn sehen können. Wir dolmetschen nämlich nicht nur, was einer sagt, sondern auch wie er es sagt. Dolmetscher müssen auch ein bisschen schauspielern können. Sie müssen vermitteln können, ob jemand wütend oder freundlich ist.

Sie sprechen sechs Sprachen welche können Sie am besten?

Mein Vater ist Spanier. Also ist Spanisch die Fremdsprache, in der ich mich am wohlsten fühle. Aufgewachsen bin ich aber in Deutschland. Deutsch ist meine Muttersprache. Bei uns Dolmetschern ist es normal, dass einer fünf Fremdsprachen kann. Manche können auch neun oder zehn. Aber wenn sich jemand als Dolmetscher bei uns bewirbt, reichen Fremdsprachen nicht aus. Man muss auch perfekt die eigene Muttersprache können. Das können nicht alle. Denn viele lesen nicht mehr gerne Bücher und spielen stattdessen lieber Spiele auf dem Computer.

Ist bei Ihnen schon mal richtig was schief gegangen?

Das fragen mich viele. Aber nein, ist es nicht. Dolmetscher haben gelernt, es zu überspielen, wenn sie mal nicht so gut Bescheid wissen. Aber einem Bekannten von mir ist mal was Lustiges passiert: Er dolmetschte für deutsche Leute bei einem großen Treffen. Da hatte er dann mal ein paar Minuten Pause, vergaß aber, sein Mikrofon auszustellen. In der Pause erzählte er seinen Kollegen, woher das Wort Pumpernickel kommt. Das Wort hat etwas mit Pupsen zu tun. Plötzlich lachten alle Deutschen bei dem Treffen. Sie hatten über ihre Kopfhörer mitgehört. Einige kamen später und sagten, dass sie das über die Pumpernickel viel spannender fanden als das Treffen.