Auf grauer Wand wird Kunst durch Erfurter Projekt "OQ-Paint"

Eine Freiraumgalerie mit Wandmalerei will das Projekt "OQ-Paint" erschaffen. Erfurter Kulturschaffende haben dafür Künstler und Wände organisiert.

Wo geht‘s hin? Michael Ritzmann hat das Bild im Kopf - nun sprüht er es auf die Hauswand. Der freie Künstler aus Erfurter gestaltet eine Wand für die künftige Freiraumgalerie des Projektes "OQ-Paint". Foto: Katja Dörn

Wo geht‘s hin? Michael Ritzmann hat das Bild im Kopf - nun sprüht er es auf die Hauswand. Der freie Künstler aus Erfurter gestaltet eine Wand für die künftige Freiraumgalerie des Projektes "OQ-Paint". Foto: Katja Dörn

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Erfurt. Ein kleiner Junge stemmt sich auf den Rücken eines anderen und linst neugierig aufs Erfurter Bahnhofsviertel. Wer demnächst von Erfurt in Richtung Weimar fährt, kann die beiden Burschen über die Schallschutzmauer erspähen. Und wer sich zu Fuß oder mit dem Auto aufmacht, erblickt auch noch die Berglandschaft und die kleinen Medizinmänner, die sich unter den Jungen herumtreiben. Der freie Künstler Michael Ritzmann gestaltet derzeit eine Hauswand für eine Freiraumgalerie in Erfurt. "OQ-Paint" nennt sich das Projekt, das Kulturschaffende der Landeshauptstadt initiiert haben.

Für die Open-Air-Galerie sind derzeit zwei Wandmalereien geplant, jenes an der Weimarischen Straße sowie am Güterbahnhof. Allein diese zu organisieren, sei ein Heidenaufwand gewesen, erzählt Björn Schorr. Der Kulturschaffende aus Erfurt ist Mitglied der Galerie 7B, der aber derzeit das Ausstellungsgebäude fehlt. Im vergangenen Jahr wurde das als Galerie genutzte Haus verkauft und saniert. Als Abschlussausstellung planten die Akteure eine Graffiti-Ausstellung - auch mit einer dazugehörigen Wand, die legal besprüht werden sollte. Doch das ließ sich mit Hauseigentümern und der Stadt nicht innerhalb von drei Monaten klären. Also wurde die Aktion verschoben.

Mit einer Empfehlung der Kunstkommission und des Kulturausschusses Erfurt in der Tasche wurde den Organisatoren nun der bürokratische Aufwand erleichtert. Dazu konnten sie noch die Sparkassen- und Landeskulturstiftung für eine Förderung gewinnen. Eine hiesige Immobiliengesellschaft unterstützt sie bei der Suche nach weiteren Gebäuden. Die Thüringer Kunstszene hat ein "hohes Maß an Qualität" - es fehle aber an Raum: Mit dieser Prämisse will das "OQ-Paint"-Projekt die Bürger und Gäste in der Landeshauptstadt für die Wandmalerei begeistern.

Andreas von Chrzanowski alias "Case" aus Schmalkalden beginnt in der kommenden Woche, seine fotorealistische Malerei auf eine Brandwand am Güterbahnhof zu sprühen. Der Künstler hat in der Trommsdorfstraße bereits eine Lokomotive gestaltet, die sich zu einem ICE wandelt. Auch in New York und Moskau zieren seine Werke nun einst graue Wände.

In der ersten Phase wird nun den beiden Künstlern freie Hand gewährt, sagt Björn Schorr. In der zweiten Phase folgt die Einladung an europäische Künstler - wenn es den Organisatoren gelingt, weitere Hauseigentümer für das Projekt zu begeistern und die Finanzierung zu klären.

Allein die Farbe für eine Mauer verschlinge 2000 Euro, sagt Björn Schorr. Und ohne geliehenen Hubsteiger sind Höhen bis zu 18 Metern auch nicht zu erreichen.

Vorerst kann es keine Wandgemälde in Erfurts Altstadt geben, erklärt der Kulturschaffende. Der Sanierungsplan der Stadt Erfurt lässt die Malereien dort derzeit nicht zu.

Michael Ritzmann, der in Erfurt schon Brachflächen besprüht hat und Projekte an Schulen realisierte, arbeitet noch bis Montag an seiner Wandmalerei. Das Honorar steckt er in das Projekt, dafür hat er ein neues Werk in seiner Künstlermappe. Seine farbreiche Arbeit mit Sprühflaschen ist buchstäblich auch hautnah zu erleben. Im windigen Herbst ist nur der richtige Luftstoß nötig - und schon ist der Schaulustige lila gepunktet.

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