Ein Kleinstadt-Kunstwunder: Otto-Mueller-Museum der Moderne öffnet in Schmalkalden

Schmalkalden  Dank bürgerschaftlichen Engagements eröffnet nächste Woche das Otto-Mueller-Museum der Moderne in Schmalkalden

Mit 40 Werken seines Namenspatrons öffnet nächsten Sonnabend das Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden. Rechtzeitig vor diesem höchst erfreulichen Akt präsentiert Kunst-Experte Hans-Dieter Mück den Katalog zur Schau.

Mit 40 Werken seines Namenspatrons öffnet nächsten Sonnabend das Otto Mueller Museum der Moderne in Schmalkalden. Rechtzeitig vor diesem höchst erfreulichen Akt präsentiert Kunst-Experte Hans-Dieter Mück den Katalog zur Schau.

Foto: Wolfgang Hirsch

Einen Monat nach dem Bauhaus-Museum zu Weimar eröffnet nächsten Sonnabend schon wieder ein neuer Kunsttempel in Thüringen die Pforten: das Otto-Mueller-Museum der Moderne in Schmalkalden. Die Dimensionen in der 20.000-Einwohner-Stadt jenseits des Rennsteigs sind freilich völlig andere: Das Haus kostet in Entstehung und Unterhalt die öffentlichen Hände keinen roten Heller. Lediglich zum Ankauf einer Sammlung übernahm die Kommune einen Teilbetrag von 50.000 Euro. Vielmehr steht ein exzeptionelles bürgerschaftliches Engagement im Zentrum dieses Wunders: Der Schmalkalder Kunstverein „kunst heute“ trägt und betreibt das Museum.

Gerade einmal zwei Jahre hat es gedauert von der kühnen Idee bis zu deren handfester Realisation. Als treibende Kräfte warfen der Schmalkalder Maler Harald Rainer Gratz und der Kunstsammler und -kurator Hans-Dieter Mück ihr Gewicht in die Waagschale. Mück, im Weimarer Land zu Hause, überließ dem Schmalkalder Kunstverein seine über ein Leben lang zusammengetragene Sammlung – 4500 Werke, vorwiegend Graphik, von Ackermann bis Zille – gegen einen deutlich unterpreisigen Betrag. Über konkrete Zahlen schweigt er sich verständlicherweise aus. Und Gratz, der in der historischen Schmalkalder Innenstadt seit 2003 eine Galerie in seinem um 1440 erbauten Fachwerkhaus betrieb, überlässt nun dem Verein das Gebäude gegen kleine, erschwingliche Miete.

Vorher hat Gratz das Haus noch ertüchtigen lassen. Ein paar Tage vor Eröffnung roch es gestern in den Räumen noch merklich nach frischer Farbe; neue Sicherheitstechnik wurde diskret installiert. Der Verein öffnet mittwochs bis sonntags das Museum, sorgt für ehrenamtliche Aufsichtskräfte aus den Reihen seiner etwa 70 Mitglieder und trägt die Betriebskosten aus Beiträgen sowie Geldern von Sponsoren, zu denen neben regionalen Unternehmen der Stromkonzern Innogy zählt. Ins Erdgeschoss zieht die mehrfach preisgekrönte Buchhandlung „Lesezeichen“ ein und übernimmt zugleich den Ticketverkauf.

All das scheint so plausibel wie das sprichwörtliche Ei des Kolumbus. Doch gestehen die beiden Kunstfexe freimütig, dass sie es ohne den Dritten im Bunde, Schmalkaldens Bürgermeister Thomas Kaminski, niemals geschafft hätten. Kaminski setzte sich für die Anschubfinanzierung aus dem städtischen Haushalt ein. Er erkennt in dem neuen Museum vor allem einen hohen soziokulturellen Gewinn für die Bürger und zugleich eine weitere touristische Attraktion für die Reformationsstadt. „Wir wollen den Aufenthalt in der Innenstadt Schmalkaldens zum Erlebnis machen“, kündigt er an.

Seinen Namen erhielt das neue Museum nach dem Expressionisten und „Brücke“-Maler Otto Mueller, der im Mückschen Bestand namhaft vertreten ist. Zwar hat sich die Hoffnung, ein zweites Mueller-Konvolut aus privater Hand zu erwerben, vorerst zerschlagen. Doch sind eine Reihe der besten Bilder daraus zur Eröffnung als Leihgaben präsent. Gratz geht davon aus, den Sammlungsbestand Zug um Zug zu erweitern. Da dieser vorwiegend aus Graphik besteht, erfordert der Ausstellungsbetrieb schon aus konservatorischen Gründen den steten Wechsel. Gratz kalkuliert mit zwei, drei Ausstellungen pro Jahr und gibt die angestrebte Besucherzahl mit 5000 bis 7000 recht defensiv an. Nach Amt und Würden strebt der Malerfilou nicht: „Wir haben keinen Museumsdirektor“, lacht er breit, und auf die Frage, wann denn seine eigenen Werke ausgestellt würden, fragt er zurück: „Bin ich denn schon museal?“

Gratz denkt viel grundsätzlicher. Er will eine „kulturelle Plattform für die Region Südthüringen“ schaffen und die „Kultur als Soft Skill für FH-Absolventen“ in der Stadt etablieren. So werden der Kunstverein ebenso wie die Buchhandlung die Museumsräume auch für Veranstaltungen nutzen – etwa auf dem Feld der Musik und der Literatur. Ein Herzensanliegen ist‘s Gratz und Mück jedoch, den fruchtbaren Diskurs über Kunstwerke anzuregen. Besucher sollen, so sie mögen, gleichsam in einer „Schule des Sehens“ mit den Kunstvereinsmitgliedern über die Bilder diskutieren sowie über deren Entstehungsumstände und -techniken mehr erfahren können.

Gratz wörtlich: „Es nutzt nichts, wenn man über Kunst permanent spricht. Man muss sie auch sehen können.“ Und das geht eben nur im Museum. Das neue Haus stellt ausschließlich Originale aus. Bei der vorzüglichen Otto-Mueller-Schau, die einen Bogen von dessen Anfängen bis zur Totenmaske spannt, dominieren erotische Motive. Ein Gratz empfindet so etwas nicht zuletzt als Ausdruck von Freiheit: „Weil es uns Spaß macht und wir niemandem zu nichts verpflichtet sind“, freut er sich auf dieses Kunstwunder. Und Bürgermeister Kaminski gibt strahlend zu Protokoll: „Ich bin wirklich stolz darauf.“

Zur Eröffnung am kommenden Samstag sprechen er und Landrätin Peggy Greiser. Hingegen fand sich aus der Landesregierung offenbar niemand bemüßigt, dieses Bürger-Engagement für die Kunst zu würdigen.

Eröffnung: Samstag, 11. Mai, 11 Uhr, in Schmalkalden, Altmarkt 8; Öffnungszeiten: Mi.-Sa., 10-18 Uhr, So., 14-18 Uhr; Katalog 25 Euro.

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