Gewebte Bauhaus-Philosophie: Ausstellung im Neuen Museum Weimar

Mit Benita Koch-Otte widmet das Neue Museum Weimar ab dem 20. April einer der bedeutendsten Textilgestalterinnen des 20. Jahrhunderts eine umfangreiche Personalausstellung.

Zwischen originellem Einzelstück und modernem Textildesign: Das Neue Museum Weimar widmet der Bauhaus-Künstlerin Benita Koch-Otte eine Personalausstellung. Foto: Thomas Müller

Zwischen originellem Einzelstück und modernem Textildesign: Das Neue Museum Weimar widmet der Bauhaus-Künstlerin Benita Koch-Otte eine Personalausstellung. Foto: Thomas Müller

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Weimar. Wenn feine Garne von satten Blau-, Rot- und Gelbtönen durchdrungen werden, wenn ein Stück alltägliches Mobiliar in regem, geometrischem Violettverlauf zum hochklassigen Kunstobjekt avanciert, dann haben vielleicht ihre zarten Hände innovative Designvisionen zum Leben erweckt - Benita Koch-Otte. Im Mittelpunkt der ihr neuerdings gewidmeten, gleichnamigen Personalausstellung des Neuen Museums steht ihre Textilgestaltung und Freie Kunst der Schaffenszeit von 1920 bis 1933 am Bauhaus in Weimar und Dessau sowie der späteren Kreativphase an der Burg Giebichenstein bei Halle. Etwas stiefmütterlich wurde die Künstlerin lange Zeit behandelt, musste hinter Bauhaus-Größen wie Johannes Itten und Wassily Kandinsky zurücktreten. Davon, dass die sehr bescheidene Frau tatsächlich aber eine der bedeutendsten Textilgestalterinnen des 20. Jahrhunderts war, erzählen nun etwa 170 hochkarätige Exponate wie Teppiche, Webproben, Textilentwürfe und Fotografien, die nicht nur die künstlerische Entwicklung Koch-Ottes, sondern auch ihre Arbeitsprozesse und technischen Besonderheiten eindrücklich schildern.

Größte Bekanntheit errang die Künstlerin bis dato vor allem mittels ihres durch Walter Gropius persönlich ausgewählten Teppichs für ein Kinderzimmer sowie eines großen, 1923 vor Ort ausgestellten Knüpfteppichs für das Direktorenzimmer des Bauhauses. Gemäß der Leitidee Gropius' "Kunst und Technik - eine neue Einheit" schuf die studierte Turnlehrerin ein bedeutendes Lebenswerk zwischen künstlerischem Einzelstück und modernem Textildesign, dessen Inspiration sich ebenso aus De Stijl-Kursen speiste, wie es von dem visionären handwerklichen Procedere des Kunstgewerbes profitierte.

Eines der berühmten Beispiele der Weimarer Zeit Koch-Ottes stellt ein gedeckt-rötlicher Teppich mit Quadratstruktur (Nachwebung von 1925) dar. Eines der bekanntesten Weimarer Bauhaus-Produkte des Bereiches Textil sei es, welches, wie Kurator Michael Siebenbrodt erklärt, ein Sinnbild der "Verschmelzung künstlerischer Grundlagen der Bauhaus-Ausbildung mit der Produktion in den Werkstätten" darstellt. Deutlich sind hinter den klaren, typischen Quadratstrukturen des Gewebes Paul Klees bildnerische Formenlehre und Johannes Ittens Vorkurs zu erkennen, deren zweidimensionale Ausrichtung eine optimale Umsetzung dieser Vorlagen erlaubte und Platz für bis zu 36 verschiedene Farbstämme bot, die in der verflochtenen Kombination der bunten Fäden changieren. Ein spätes Teppichexemplar Koch-Ottes (um 1930) lässt dagegen den Kontrast zum älteren offenbar werden: Farben und Formen haben sich beruhigt und zeigen das zeittypische Braun, dessen parteipolitisches Pendant für die spätere Absetzung Koch-Ottes als Leiterin der Giebichensteiner Webereiwerkstatt sorgte.

Bis 10. Juni, Di-So 11-18 Uhr, Katalog: 128 Seiten, 14.90 Euro

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