Mikro-Brauerei in der Sternwarte: Kunstprojekte im ACC Weimar

Die Sternwarte Sonneberg, Hüterin der zweitgrößten astronomischen Glasplatten-Sammlung der Welt, und ein Barockgebäude in Naumburgs Altstadt sind Gegenstand der neuen Ausstellung "i.A." im ACC Weimar und gleichzeitig "nur" Folie für die Projekte dreier Künstler. Um diese jedoch richtig einordnen zu können, wäre etwas weniger "Drumherum" schön geweseen.

Bierbrauen unter dem Teleskop? Die Ausstellung im ACC Weimar macht mit der Idee des Künstlerduos Müller/Genth zu einer nachhaltigen Nutzung der Sternwarte Sonneberg vertraut. Foto: 4pi Systeme

Bierbrauen unter dem Teleskop? Die Ausstellung im ACC Weimar macht mit der Idee des Künstlerduos Müller/Genth zu einer nachhaltigen Nutzung der Sternwarte Sonneberg vertraut. Foto: 4pi Systeme

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Weimar. Heinrik Schrat sowie das Duo Heike Mutter und Ulrich Genth sind gerade dabei, ihre Planungen weiterzuführen bzw. überhaupt erste Gestaltungsideen zu konkretisieren, so dass man in der Galerie eher Zeuge eines Arbeitsprozesses denn Betrachter eines fertigen Kunstwerkes ist.

Der Reiz dieser Betrachtungsweise wird allerdings gedämpft durch allzu viel "Drumherum": Kurator Frank Motz hat die noch unausgereiften aktuellen Projekte eingebettet in eine Gesamtschau mit bereits vollendeten Werken der Künstler, nur gehen sie darin leider fast unter. Dabei bieten Sternwarte, Baukunst-Haus und der Rahmen, in dem sie entstehen, Ausstellungspotenzial genug.

In der Sternwarte wurde seit 1923 in jeder klaren, mondlosen Nacht der Sternenhimmel über Sonneberg auf fotografische Glasplatten gebannt. Diese werden heute von einem Mitarbeiter der "4pi Systeme - Gesellschaft für Astronomie und Informationstechnologie" digitalisiert, die die Sternwarte seit 2004 betreibt. Auch wenn dort unter anderem innovative Teleskopsoftwares entwickelt und Mondteleskope für den Oman gebaut und getestet werden, so ist die Sternwarte Sonneberg doch abgekoppelt von der "großen", tonangebenden astronomischen Forschung.

Die öffentlich zugängliche, aber abgeschiedene Sternwarte wecke Assoziationen mit einer klosterähnlichen Anlage, führte Ulrich Genth gestern aus. Dementsprechend wäre als nachhaltige Nutzung eine selbstständig betriebene Mikro-Brauerei samt Ausschank denkbar, die den Finanzbedarf zur Erhaltung des Ortes deckt. Neben historischen Fotos und Projektionen von der Sternwarte sind daher im ACC auch Logo-Entwürfe für das Sternwarten-Bier ausgestellt.

Die beiden Künstler, die u.a. für die Hildebrand-Höhe in Duisburg die begehbare Skulptur "Tiger/Turtle", eine Achterbahn für Fußgänger, entwarfen, sehen ihr Projekt als eines, das dem wachsenden Bedürfnis vieler Menschen nach Rückzug aus der Hatz von Alltag und Erwerbsarbeit und gleichzeitig nach Teilhabe am gesellschaftlichen Leben begegnet. Vorerst aber ist die Brauerei unter Sternen noch Zukunftsgeflüster. "Wir sind sozusagen in der Findungsphase", bestätigte 4pi Systeme-Geschäftsführer Peter Kroll am Telefon.

Kunst im sozialen Umfeld

Der Berliner Künstler Henrik Schart indes unterstützt den Naumburger Bürgerverein dabei, ein Barockgebäude samt neuem Anbau in einem vernachlässigten Areal der Altstadt in ein Architektur- und Umwelthaus zu verwandeln. Ein Ort für behindertengerechtes Wohnen, für Umweltbildung und Baukultur soll dort entstehen, nur wie Schrats künstlerisches Vorgehen genau aussieht, das erschließt sich aus der Ausstellung nicht. Ersichtlich ist nur, dass eine Flut an Kirschkernen eine Rolle spielen wird - wohl in Anlehnung an Naumburgs Hussiten-Kirschfest und die damit verbundene Sage, dass im 15. Jahrhundert Kinder im Büßerhemd um das Ende der Stadtbelagerung durch die Hussiten baten und von deren Feldherrn Kirschen geschenkt bekamen.

Den Rahmen beider Projekte bietet das Netzwerk "Neue Auftraggeber". Das europaweite Programm führt Künstler und Projekte über einen regionalen Vermittler zusammen, sie alle agieren also "i.A.", im Auftrag. Mit dem Ziel, jedem zu ermöglichen, unabhängig von seiner Finanzkraft Kunst-Auftraggeber und -Initiator zu werden, agiert dieses Netzwerk außerhalb der bestehenden Strukturen der Kunstförderung. Die Vermittlerrolle für Sternwarte und Müller/Genth sowie für Henrik Schrat und Naumburg hat Frank Motz übernommen.

Begleitet wird die Ausstellung erstmals durch ein museumspädagogisches Angebot, das Kinder zwischen acht und zwölf Jahren zum selbstständigen Fotografieren, Filmen und Graffiti-Sprühen unter Anleitung von Künstlern, aber auch zum Planen einer Ausstellung animieren will. Für die kostenlosen, vierwöchigen Business- und Kreativworkshops können sich Schüler bis 6. Februar anmelden, einen Tag später sind alle Teilnehmer zu einem geführten Ausstellungsbesuch eingeladen.

In Vorträgen und Gesprächen mit den Künstlern lassen sich während der Ausstellung außerdem die Themen Baukultur und Umweltbildung (8. Februar), die "Neuen Auftraggeber" (22. Februar) und die Zukunft der Sternwarte Sonneberg (27. Februar) vertiefen.

Bis 11. März, Mo - So 12-18 Uhr, Fr/Sa 12-20 Uhr; www.acc-weimar.de

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