"Daumesdick": Premiere in der Erfurter Himmelspforte

Puppenspielerin Christiane Weidringer begeistert Kinder mit der Premiere von "Daumesdick", frei nach dem Märchen der Gebrüder Grimm. Zwischendurch ist sie auf die Mithilfe ihrer Zuschauer angewiesen. "Wer spielt denn jetzt das Pferd?"

In der Inszenierung "Daumesdick" spielt Christiane Weidringer die Erzählerin, den Bauern, seine Frau und den Winzling gleichzeitig und noch viel mehr. Foto: Erfurter Theatersommer

In der Inszenierung "Daumesdick" spielt Christiane Weidringer die Erzählerin, den Bauern, seine Frau und den Winzling gleichzeitig und noch viel mehr. Foto: Erfurter Theatersommer

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Erfurt. Es war einmal ein armer Bauersmann, der saß abends beim Herd und schürte das Feuer, und die Frau saß und spann. Da sprach er: "Wie ist‘s so traurig, dass wir keine Kinder haben! Es ist so still bei uns, und in den andern Häusern geht‘s so laut und lustig her." - "Ja", antwortet die Frau und seufzt: "Wenn es nur ein einziges wäre, und wenn es auch ganz klein wäre, nur Daumes groß, so wollt‘ ich schon zufrieden sein; wir hätten‘s doch von Herzen lieb." Nun geschah es, dass die Frau kränklich ward und nach sieben Monaten ein Kind gebar, das zwar an allen Gliedern vollkommen, aber nicht länger als ein Daumen war. Da sprachen sie: "Es ist, wie wir es gewünscht haben, und es soll unser liebes Kind sein", und nannten es nach seiner Gestalt Daumesdick. Sie ließen es nicht an Nahrung fehlen, aber das Kind ward nicht größer, sondern blieb, wie es in der ersten Stunde gewesen war; doch schaute es verständig aus den Augen und zeigte sich bald als ein kluges und behendes Ding, dem alles glückte, was es anfing ...

So beginnt das Grimmsche Märchen vom Daumesdick. So beginnt es auch mit der Erzählerin und Puppenspielerin Christiane Weidringer in der Erfurter Weihnachtsaufführung. Am Sonntag, dem ersten Advent, war Premiere in der Himmelspforte und der Saal gut gefüllt, vor allem mit Drei- bis Sechsjährigen. Der kleine Held aus dem gleichnamigen Märchen der Brüder Grimm geht wagemutig auf Reisen; und Christiane Weidringer bietet mit seiner Geschichte wieder mal eine One-Woman-Show der Extraklasse. Unter der bewährten Regie von Harald Richter und mit der Ausstattung von Matthias Hänsel plus Musik von K.C. Kaufmann wird die Geschichte so spannend und unterhaltsam erzählt, dass die Kinder hinterher zur Bühne stürzen und sich alles noch genauer und aus der Nähe anschauen wollen. Zum Beispiel den Wolf.

Zuvor erlebt man, dass der kleine Daumesdick nicht wachsen will trotz Schinken und Käse, den man ihm füttert. Er will stattdessen in die große, weite Welt. Dort begegnen ihm aber nicht nur freundliche Wesen. Er landet in den Fängen von Gaunern, im Magen einer Kuh und im Rachen eines Wolfes, doch er lässt sich nicht unterkriegen. Seine Winzigkeit ist seine Stärke; und so kommt er nach einer abenteuerlichen Reise unbeschadet nach Hause zurück. Die Stärke des Winzlings arbeitet Christiane Weidringer in etlichen (fast Comedy-)Szenen heraus. Sie spielt die Erzählerin, den Bauern, seine Frau und den Winzling gleichzeitig, später den ersten Gauner, dann zwei weitere Gauner sowie die Magd, den Pfarrer, die Kuh, den Wolf...

Man glaubt es kaum. Der Einfallsreichtum auf der Bühne kennt keine Grenzen. Die Kinder staunen. Die Erwachsenen ebenso. Beispielsweise über die Wandlungsfähigkeit der Kulissen. Wie da aus dem Stuhl das Pferdegeschirr wird und aus dem Tisch später eine Kuh. Als der kleine Daumesdick im rechten Ohr des Pferdes sitzt, um dieses zu lenken (die Pferdeohren waren zuvor die Hausschlappen des Vaters!), wird noch das eigentliche Pferd gesucht.

"Wer von Euch möchte denn gern mal das Pferd spielen", fragt Christiane Weidringer die Kinder. Natürlich fliegen dabei etliche Hände in die Luft; und die Kinder spielen mit. So ist dieses Märchen nicht nur eine Parabel darüber, dass man die Schlauheit der kleinen Leute nicht unterschätzen sollte, sondern ebenso eine Geschichte darüber, wie ideenreich ein solches Märchen umgesetzt werden kann. Gemeinsam mit dem jungen Publikum. Wahrlich: ein Theatervergnügen sowohl für Kleine als auch Große.

Nächste Termine: 14. Dezember, 16 Uhr; 25. Dezember, 15 Uhr; 28. Dezember, 16 Uhr. Spielort: Himmelspforte, Marktstraße 6. Mehr im Netz unter der Adresse: www.erfurter-theatersommer.de

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