Eine „abgefahrene“ Zauberflöte mit drei besonders bunten Vögeln

Erfurt  Opernabend im Innenhof des Erfurter Naturkundemuseums stellt Spielerin Christiane Weidringer vor besondere Herausforderungen

„Die Zauberflöte“ nach Mozart und Christiane Weidringer verspricht eine Sternstunde für die Souffleuse zu werden: Christiane Weidringer spielt das Stück in der Regie von Harald Richter im Innenhof des Erfurter Naturkundemuseums als Soloprogramm mit diversen Puppen, hier dem Papageno.

„Die Zauberflöte“ nach Mozart und Christiane Weidringer verspricht eine Sternstunde für die Souffleuse zu werden: Christiane Weidringer spielt das Stück in der Regie von Harald Richter im Innenhof des Erfurter Naturkundemuseums als Soloprogramm mit diversen Puppen, hier dem Papageno.

Foto: Frank Karmeyer

Papagenos bunt-schillernder Haarschopf wiegt sich im lauen Wind, der dieser Tage ein wenig für Erfrischung im Innenhof des Naturkundemuseums sorgt. Dort, in dieser rosenumrankten Oase in der Innenstadt, wo die Bühne für „Die Zauberflöte“ stehen wird, ist er einer der Hauptcharaktere in Mozarts Oper, die hier am Donnerstag, 7. Juni, ihre Premiere feiern wird.

Als Klappmaulpuppe kommt er daher, geführt von Christiane Weidringer. Sie wird als Puppenspielerin viel beschäftigt sein: Drei illustre wie schräge Vögel gilt es zu dirigieren, die riesig erscheinende Königin der Nacht ebenso wie die märchenhaft zarten Marionetten von Pamina und Tamino. Dazu schlüpft sie selbst in die Rolle einer Souffleuse, die mit der Aufführung des Stücks eine Sternstunde erleben wird . . .

Mozarts Zauberflöte liegt in dieser Inszenierung von Harald Richter in den unerfahrenen Händen eben dieser Souffleuse, die ins Rampenlicht tritt, um eine ebenso verspielte wie dramatische, vor allem aber unwiderstehlich menschliche Version des Stücks darzubieten. Versprochen wird von den Machern dieser Zauberflöten-Version „ein Abend voller Emotionen, überraschender Wendungen und natürlich Mozarts grandioser Musik“.

Voller Vorfreude auf die erste Vorstellung

Christiane Weidringer fiebert der Premiere entgegen, steckt mitten im Training der nötigen Handgriffe. Wird alles klappen, wie sie sich das vorstellt und im heimischen Probenraum erdacht hat? Schließlich bringt sie die Oper als Ein-Frauen-Stück auf die Bühne, ist auf sich allein gestellt mit all den Figuren, der verrückten Geschichte und auch mit der Musik. Die kommt bis auf kleine Zwischengesänge aus der Konserve. Andreas Kuch hat sie eingespielt, mit einer Fülle virtueller Instrumente ein ganzes Orchester ersetzt, wie Christiane Weidringer erklärt. Und dabei auch einige Gesangspassagen umkomponiert.

Alle Arien sind von Musikstudenten eingesungen, werden von Christiane Weidringer im Spiel abgerufen. Als wäre das noch nicht genug, ist sie auch fürs Licht zuständig. „Eine Herausforderung, die ich mir selbst gesucht habe“, sagt sie lächelnd.

Das Interesse und die Neugier des Publikums scheint groß: Entweder durch die bisherigen Inszenierungen gelockt, wie die Soloabende „Till Eulenspiegel“, „Schlamassel“ oder „Die neue Melusine“ oder an der Seite von Klaus Tkacz bei „Parzival“, „Don Quichotte“ oder „Dracula“. Oder aber, um zu schauen, wie sie die große Oper mit dieser Vielzahl von Akteuren auf der kleinen Bühne allein bewältigen wird. Mit Marionetten, Handpuppen, Schattenspiel und und und.

Entwirren will die puppenspielende Darstellerin die Geschichte um Papageno, Papagena, Sarastro, Pamino, Pamina, Tamino und die Königin der Nacht. „Ein abgefahrenes Märchen“, nennt sie das Stück. Erst habe es gegolten, es selbst überhaupt zu begreifen.

Natürlich reist auch hier der Prinz in die Welt und mit seinem Helfer Papageno ins Reich der Königin der Nacht, um die schöne Tochter aus den Fängen Sarastros zu befreien. Allerdings stellt sich heraus, dass die Königin die eigentlich intrigante Person im Stück ist . . .

Die drei Vögel im Stück indes verwandeln sich immer mehr in die Stars des Abends. Sie wollen auch mal mitspielen und befreien sich aus ihren Metallkäfigen. Neben aller Tiefe und Ernst, die dem Stück innewohnt, ist es vor allem ein gewohnt komisches Stück, das der Theatersommer Erfurt da auf die Beine gestellt hat.

Das große Tor im Innenhof des Naturkundemuseums wird den Bühnenhintergrund darstellen, vor dem das verrückte Geschehen gezeigt wird. Bis zu 150 Gäste finden davor einen Platz. Sollte es regnen, zieht das Theater um ins laufnahe Nerly.

Es geht nicht darum, sich mit der großen Oper zu messen, stellt Regisseur Harald Richter klar. Es werde eine eigene Version, keinesfalls aber eine „Zauberflöte light“, wie er verspricht. Für ihn ist es in seiner 20-jährigen Zeit als Regisseur die mittlerweile 100. Inszenierung.

Die fantasievollen Puppen stammen übrigens aus der Berliner Werkstatt der Puppenbauer Barbara und Günter Weinhold. „Nach unseren Vorgaben haben sie ihre ganze Fantasie hineingesteckt“, freuen sich Weidringer und Richter über das Ergebnis. Nur eines, das haben die beiden eher zufällig festgestellt, haben alle agierenden Puppen gemein: die gleiche Schuhgröße. Ob das eine Rolle spielen wird? Wer weiß das schon . . .

Eine Voraufführung ist am Mittwoch, 6. Juni, um 20.30 Uhr im Hof des Erfurter Naturkundemuseums zu erleben, die Premiere folgt am 7. Juni, 20.30 Uhr. Bis in den September gibt es Vorstel-lungstermine für „Die Zauber-flöte“. Mehr unter: www. erfurter-theatersommer.de

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