Eisenacher Theater am Markt hat sich gut entwickelt

Das Theaterpädagogische Zentrum am Landestheater ist 2008 den Sparmaßnahmen von Stadt und Land zum Opfer gefallen. Es wurde aus dem Landestheater herausgelöst und in die Freiheit entlassen. Dort lebt es seit zwei Jahren als "Theater am Markt" (TAM) in Trägerschaft des Stadtjugendrings weiter.

Arbeiten viel mit jungen Leuten: Marcus Coenen (re.) und Timo Bamberger, die das "Theater am Markt" in der Goldschmiedenstraße in Eisenach aufgebaut haben. Foto: Norman Meißner

Arbeiten viel mit jungen Leuten: Marcus Coenen (re.) und Timo Bamberger, die das "Theater am Markt" in der Goldschmiedenstraße in Eisenach aufgebaut haben. Foto: Norman Meißner

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Eisenach."Wir haben mit Null Geld und Null Räumen angefangen", berichtete zur jüngsten Kulturkonferenz in Eisenach einer der Gründerväter, Timo Bamberger. Sein Theaterpartner ist Marcus Coenen. Gesucht und gefunden hat das engagierte Duo eine Spielstätte in der Goldschmiedenstraße. Die ehemalige Gaststätte, in der bis zu 60 Plätze besetzt werden können, ist aber nur zu halten, "weil uns der Vermieter die Räume für lediglich die Betriebskosten überlässt", so Timo Bamberger. Das TAM macht Bürgertheater, modernes Volkstheater, bei dem die Zuschauer aktiv an der Arbeit teilnehmen – ob als Schauspieler, Techniker oder im Ticketdienst. Auf diese Weise hat das kleine Haus viele ehrenamtliche "Mitarbeiter" gefunden. Timo Bamberger spricht von einem Personalstamm von 100 Ehrenamtlern zwischen 7 und 65 Jahren, quer durch alle Schichten. Lediglich für Öffentlichkeitsarbeit und die Buchhaltung hat sich das TAM Profis genommen, denen Honorar gezahlt wird.

Das Theater fühlt sich einem Bildungsauftrag verpflichtet: Kultur zu vermitteln, wobei Timo Bamberger darunter "die Gesamtheit aller Werte und Normen" versteht. Intensiv arbeiten die Schauspieler mit Schulen zusammen. Es gibt auch eine Kooperation mit der Arge Eisenach über ein Projekt mit Langzeitarbeitslosen.

Seit 2008 lud das Theater am Markt in Eisenach zu 22 Premieren ein. Seine Spielzeiten stellt es unter Themen. 2010 geht es um "Märchen, Mythen, Meinungsbildung", 2011 heißt das Thema "Heimat - Kap der guten Hoffnung" – eine "Liebeserklärung an unsere Heimatstadt", schmeichelte der Schauspieler. 2009 bestritt das TAM 67 Aufführungen mit rund 2500 Zuschauern, in diesem Jahr waren es bislang 82 Aufführungen mit rund 3500 Zuschauer.

35 Prozent Eigenes

Aus dem Haushalt Eisenachs fließt kein Geld direkt ins Budget des TAM. Dafür aus der Gesellschaft zur Förderung des Gesundheits- und Sozialwesens in der Wartburgregion GmbH, in der die Stadt Eisenach Mitglied ist sowie aus dem Kultusministerium Thüringen. Den Gesamtetat des TAM (Personal- und Projektkosten) bezifferte Timo Bamberger auf 75 000 Euro. 35 Prozent davon erwirtschafte das kleine Theater selbst, ein Anteil, "der uns stolz macht". Der Theatermann: "Das ist ein erfolgreiches Geschäftsmodell."

Das TAM hat sich mittlerweile nicht nur einen Namen in der Region erarbeitet, sondern macht auch überregional auf sich aufmerksam. Die Eisenacher Theatermacher arbeiten beispielsweise am Leitbild "Kulturland Thüringen" mit, sitzen im Beirat zur Förderung der Theaterarbeit und wurden bereits zweimal eingeladen, an der Leistungsschau "Treff Junges Theater" in der Erfurter Schotte teilzunehmen. Timo Bamberger geizt nicht mit Stolz auf diese Leistung und bescheinigt seinem TAM darob "ästhetische Strahlkraft".

Die unterstrich zur Kulturkonferenz das Nachwuchstalent Lynn Pfingst mit einer Szene aus dem Theaterstück "Sinn" von Anja Hilling. Es erzählt fünf poetische, unter die Haut gehende Lebens- und Liebesmomente von Jugendlichen zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Von der Darstellung der jungen Dame waren die Gäste der Kulturkonferenz sehr berührt.

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