Gier und Eifersucht: Andrea Seitz spielt in Erfurt die Molly Eyre

Am Freitag (20. Februar 2015) feiert Andrea Seitz als Molly Eyre im Theater Erfurt im gleichnamigen Stück von Tamsin Kate Walker Premiere. Wir sprachen mit ihr darüber und über mehr.

Für die Inszenierung von Molly Eyre hat sich Andrea Seitz extra die Haare abschneiden lassen. Inzwischen gefällt es ihr selbst auch sehr gut. Foto: Sylvia Obst

Für die Inszenierung von Molly Eyre hat sich Andrea Seitz extra die Haare abschneiden lassen. Inzwischen gefällt es ihr selbst auch sehr gut. Foto: Sylvia Obst

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Erfurt. Andrea Seitz absolvierte 1993 ihr Schauspielstudium an der Theaterakademie Spielstatt Ulm. Es folgten Engagements in Leipzig, München, Ravensburg und Berlin. Die Erfurter kennen sie vorrangig aus der Barfüßerruine und der dortigen sommerlichen Bespielung mit Shakespeare. Das Erfurter Neue Schauspiel engagierte Andrea Seitz in den Jahren 2008 als "Antonia / Schlucke" (Der Sturm), 2011 als "Kurtisane/ Äbtissin" (Komödie der Irrungen), 2012 als "Amme" (Romeo und Julia) und 2013 als "Herzogin/ Phoebe" in Wie es Euch gefällt.

Wovon handelt das Stück?

Molly Eyre erzählt die Geschichte von vier Müttern die zusammenkommen um gemeinsam eine Nutzung für einen leerstehenden Kindergarten Raum zu finden. Keine komplizierte Aufgabe möchte man meinen. Aber es zeigt sich, dass die Welt der Kindergartenmütter gar nicht so heil ist, wie sie zunächst scheint: Eifersucht, Manipulation, Gier, Unsicherheit und komplizierte Beziehungen herrschen und führen zu Kämpfen zwischen den Müttern.

Sie sind auch Mutter?

Oh ja, und zwar sehr gern. Meine Tochter Frida ist jetzt 7 Jahre jung und somit kann ich auch mal ein kleine Weile fern bleiben und in Erfurt proben. Denn der Vati ist ja bei ihr, den kennen die Erfurter übrigens auch: Reiner Gabriel, der hier überwiegend als Luther bekannt ist in dem Stück "Mein lieber Herr Katharina".

Und Ihre Rolle ist welche?

Molly Eyre befindet sich in einer Krise. Ihre Ehe droht zu zerbrechen und auch um ihre Karriere als Schriftstellerin ist es nicht gut bestellt. Was ihr fehlt ist Inspiration. Diese findet sie im Dunstkreis der drei anderen Mütter. Ich kann schon mal so viel dazu sagen: das Stück ist sehr lustig und sehr gut geschrieben. Überall blitzt der typische britische Humor hervor. Es gibt ständig einen herzerfrischenden Schlagabtausch in den Dialogen. Vielleicht ist es sogar ein moderner Shakespeare weiblichen Geschlechts? Es geht um vier verlorene Kometen, die umeinander kreisen und nicht zueinander finden...

Ist das Zufall, dass es vier Frauen sind?

Na gut, es sind Mütter und das sind nun mal Frauen. Das Stück ist ja auch relativ unbekannt. Der Regisseur hat es selbst erst vor zwei Jahren in Würzburg uraufgeführt. Aber es geht hier definitiv nicht nur um Mütter. Es spielt zwar in deren Dunstkreis, aber die Probleme sind einfach heutige und deshalb geht es uns alle an. Ich empfehle es jedenfalls jedem, den ich kenne.

Sie kommen aus Berlin; wie kamen Sie zu dieser Rolle? Wer sind die anderen Frauen?

Der Regisseur Jürgen R. Weber (auch Ausstattung und Musik) ist auch aus Berlin. Eine weitere Schauspielkollegin ebenfalls: Kristin Graf (Celesta). Carolin Isabelle Ruthig (Ranga) und Hellen-Swantje Wecker (Uta Treff) sind Musicaldarstellerinnen; letztere kennen die Erfurter auch schon, sie spielt am Theater etwa in "Kiss me Kate" sowie in "Evita". Den Regisseur kennt man hier auch; er führte schon 2005 Regie bei "Die Leiche im Sack" und bei "Robin Hood" 2011 in Erfurt. Außerdem ist er Regisseur für "GZSZ" und "Sturm der Liebe" im Fernsehen. Er hat uns alle vier ausgesucht und gecastet für diese Paraderollen. Wir müssen dabei nämlich auch musizieren. Oh, habe ich einen Bammel. Denn meine Akkordeonkenntnisse sind ja doch sehr laienhaft, aber der Regisseur macht uns allen immer wieder Mut und meint "Ihr macht das sehr gut!"

Warum heißt das Stück Molly Eyre und spricht man es so: Molly Eier?

Nee, das wird MollyÄr ausgesprochen - wie Jean-Baptiste Molière, der französische Dramatiker. Alle diese Frauen sind richtige Arche-Typen, ihre Namen stammen allesamt aus Molière-Stücken. Und dazu sieht der Regisseur in diesem (Molly) Eyre auch noch eine Hinwendung zu Erfurt. In den Proben hieß es "Mollyeyrefurt", ein hübsches Wortspiel finde ich.

Und was wird nun aus dem Raum und der Story im Stück?

Das kann man ab 20. Februar am Theater Erfurt sehen. Es ist eine Komödie mit schnellen Dialogen, Live-Musik-Songs, sogar mit Step- und Tanznummern. Ich sage Euch, das bringt gute Laune und zwar nicht nur für Kindergartenmütter.

Wir werden Sie demnächst auch noch anderweitig sehen?

Oh ja. Ich liebe Erfurt! Diese Stadt ist für mich ein Geschenk! Ich hatte irgendwann schon mal unterschwellig den Wunsch, von Berlin weg und hierher zu ziehen. Inzwischen sage ich: Erfurt ist ein so wundervolles Geschenk für mich und ich kann diese herrliche Stadt, so glaube ich, besser genießen, wenn ich nicht immer hier lebe.

So spiele ich demnächst noch in einem Schauspiel mit gregorianischem Choral "Im Spiegel Deiner Seele". Es geht um Meister Eckart und dessen Dialog mit der Begine Marguerite Porète. Die musikalische Leitung dafür hat Domkantor Silvius Kessel übernommen; ich spiele mit Markus Fennert, den viele Erfurter ebenfalls aus der Shakespeare-Inszenierung des Neuen Schauspiels vom vergangenen Jahr in der Barfüßerruine kennen. Die Premiere ist am 1. Mai in der Predigerkirche mit vier Folgeterminen.

Vielen Dank fürs Gespräch und toi-toi-toi.

Premiere von "Molly Eyre": Freitag, 20. Februar, 19.30 Uhr, im Studio. Weitere Aufführungen am Samstag, 21. Februar, Mittwoch, 25. Februar, Freitag, 27. Februar, Samstag, 28. Februar und Mittwoch, 4. März