Herrlich unkonventionell in Erfurt: Nina Hagen gospelt

Löbervorstadt  Nina Hagen spielt herrlich unkonventionell Rock, Blues und Traditionals in der Erfurter Thomaskirche.

Nina Hagen gab am Sonnabend in der ausverkauften Thomaskirche ein besonderes Gospel-Konzert und wollte ihre Darbietungen auch als „Musik zu Ehren Gottes“ verstanden wissen. Foto: Axel Heyder

Nina Hagen gab am Sonnabend in der ausverkauften Thomaskirche ein besonderes Gospel-Konzert und wollte ihre Darbietungen auch als „Musik zu Ehren Gottes“ verstanden wissen. Foto: Axel Heyder

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Nina Hagen macht, wofür sie ihre Fans lieben: Sie bleibt unberechenbar. Unangepasst. Unkonventionell. Gleich eine halbe Stunde eher als geplant stand sie mit ihrer Begleitband und vor dem Altar in der ausverkauften Thomaskirche. Derweil standen vor der Kirche noch Fans und hofften auf Einlass, mussten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen, weil in der Kirche die Plätze so gut gefüllt waren wie am Heiligen Abend.

Ein bisschen mehr Zeit zum Warmspielen gönnte sie sich und fing das Konzert einfach eher an. Wenn Nina Hagen zum Gospelabend lädt, dann ist das kein Oh-Happy-Day-Konzert mit Satzgesang und Chor.

Die 60-jährige Berlinerin vermischt ihre ganz eigenen religiösen Botschaften mit Blues-Rock-Klassikern. Sie vermengt Religiöses und Politisches, vertont Texte vom DDR-Regimekritiker Jürgen Fuchs und holt damit zugleich ein bisschen von dem Gefühl zurück, das die Menschen 1989 gehabt haben mussten, als sie in den Gotteshäusern der DDR vor der Staatsmacht Schutz fanden.

Die Menschen lauschten dort ebenso Konzerten und sprachen Dinge aus, die anderswo nicht laut gesagt werden durften. Ein bisschen von diesem Gefühl kehrte mit Hagen in die Thomaskirche zurück.

Sie erzählte von ihrer Ausreise in den Westen im Dezember 1976, verknüpfte diese Geschichte geschickt mit dem Leben von Schriftsteller und Regimekritiker Jürgen Fuchs, der zeitgleich im Gefängnis der Staatssicherheit inhaftiert war und sich dort den Anwerbungsversuchen der Stasi widersetzte. Nach Jürgen Fuchs ist die Straße am Haupteingang des Thüringer Landtages benannt.

„Nina Hagen goes Gospel“ war zugleich ihre besondere Liebesbotschaft an Jesus und „Musik zur Ehren Gottes“, wie sie sagte, wobei sie erfrischend Unerwartetes in ihre Rocksongs, Gospels und Traditionals einbaute. Liebe und Frieden blieben dabei das Grundgerüst ihrer Texte. Ihre Stimme klang derweil noch gereifter, kratziger als früher. Ebenso schräg wie zu ihren besten Punk-Tagen war ihr Outfit. Welche Künstlerin kann es sich schon erlauben, in altroséfarbenen Gummistiefeln und Leggins vor dem Altar einer Kirche zu singen?

Bei der Auswahl der Rock- und Bluessongs waren religiöse Inhalte prägend, sodass es am Ende doch etwas Gospel war. Hagen-Gospel eben.

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