Landgraf werde hart! „Der Schmied von Ruhla“ als Kammeroper

Ruhla  „Der Schmied von Ruhla“ ist nicht nur eine alte Sage. Auch nicht „nur“ das Wappen der Bergstadt. Sondern eben auch ein Bühnenwerk des 1820 in Ruhla geborenen Komponisten Friedrich Lux. Und dessen Vermächtnis ist zu neuem Leben erweckt.

Für die Neuaufführung der Kammeroper „Der kleine Schmied von Ruhla“ konnte sich Festspielleiter Miquel Àngel Parara Salvà (zweiter von links) wieder auf die drei Hauptdarsteller des vergangenen Jahres und sein bewährtes Team verlassen. Foto: Klaus-Peter Kaschke

Für die Neuaufführung der Kammeroper „Der kleine Schmied von Ruhla“ konnte sich Festspielleiter Miquel Àngel Parara Salvà (zweiter von links) wieder auf die drei Hauptdarsteller des vergangenen Jahres und sein bewährtes Team verlassen. Foto: Klaus-Peter Kaschke

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Im vergangenen Jahr von den Initiatoren der „Lux-Festspiele“ aus ihrem hundert Jahre andauernden Dornröschenschlaf erweckt, erfreute sich die Inszenierung der Kammeroper „Der kleine Schmied von Ruhla“ nach Motiven der gleichnamigen Oper von Friedrich Lux auch bei der neuerlichen Premiere am Freitagabend (29. Mai 2015) in der gut besuchten, allerdings nicht vollkommen ausverkauften St.-Trinitatis-Kirche großer Aufmerksamkeit.

Wenngleich auf dem opulenten Bühnenwerk des 1820 in Ruhla geborenen Komponisten Friedrich Lux basierend, stellt die musikalische Neubearbeitung durch den Spanier Adrián Artacho nur ein Rudiment des ursprünglichen Singspiels dar, das von Lux für ein großes Orchester, sieben Darsteller und gleich drei Chöre verfasst worden war. In dieser Form durch einen ortsansässigen, ehrenamtlich agierenden Festspielverein mit beschränkten finanziellen Mitteln in keiner Weise umzusetzen, war im Vorfeld der Wiederaufführung die kleine Form der Kammeroper gewählt worden, um den „Schmied von Ruhla“ und damit eines der prägendsten Werke von Lux zu neuem Leben zu erwecken.

Von Adrián Artacho und Regisseur Matthias Heger vom schwülstigen Theaterbombast des 19. Jahrhunderts entblättert, erweist sich die vom „Neuen Atelier Wien“ unter der Leitung von Joseph Miguel Mindán Seuba musikalisch begleitete Ruhlaer Inszenierung als unterhaltsame und muntere, zuweilen etwas statische Aufführung, die nicht zuletzt von der Präsenz und Ausdrucksstärke der drei Darsteller lebt. Allen voran der großgewachsene Florian Resetaris als unglücklicher Schmied, dessen Tochter Gretchen (Eva-Maria Prosek) dem hinterhältigen Grafen Dedo von Krainburg zu Diensten sein soll, damit der Vater nicht wie viele andere Dörfler als Strafe für seine Schulden vor den Pflug gespannt wird, während der Landesherr, Landgraf Ludwig (Michael Green), allein seinem Jagdtrieb nachgeht und sich in Gretchen verliebt.

Das „Eisenlied“ öffnet Ludwig die Augen

Auf der Suche nach der entfleuchten Schönheit landet Ludwig folgerichtig bei Schmied Wiprecht, der ihm mit seinem markanten, von massiven Hammerschlägen vorangetriebenen „Eisenlied“ die Augen öffnet.

„In Ruhla hart geschmiedet“, wie es im Text heißt, erkennt Ludwig die Not seiner Untertanen und stellt sich dem – etwas zu markant à la „Phantom der Oper“ als Bösewicht maskierten – Dedo in den Weg. Der wiederum sieht seine letzte Chance darin, den von Wiprecht mit einem Kettenhemd ausstaffierten Landgrafen mit dem Schwert zu attackieren, unterliegt jedoch – und schon sind die Einwohner von Ruhla vom bösen Alptraum befreit.

So weit die auf einer Sage basierende Handlung, die nicht nur jede Menge Lokalkolorit enthält, sondern auch etliche, an den pathetischen Zeitgeist der damaligen Epoche geschuldete Einblicke in die patriotische und nationalistische Gesinnung des Komponisten ermöglicht, mitunter jedoch sogar einige bemerkenswerte sozialrevolutionäre Züge offenbart.

Allerdings ist es weniger der mannhafte Schmied, auch wenn der bei seiner großen Arie mit dem erhobenen Hammer in der rechten Hand wie ein sowjetisches Arbeiterdenkmal wirkt, der das Leid der Menschen bekämpft, sondern der regierende Herrscher, dessen spätes Eingreifen aller Unbill ein Ende setzt. Als deutlich anspruchsvoller als die aufgrund der historischen Vorlage recht einfach gestrickte Handlung erweist sich die komplexe Komposition von Friedrich Lux, die in weiten Teilen einen dunklen, dräuenden Charakter vermittelt, der den zu diesem Zeitpunkt in Mainz tätigen Tonschöpfer an die heimischen Wälder erinnert und sich wie ein roter Faden durch die Aufführung zieht, immer wieder durchbrochen von hellen, freundlichen und fast optimistischen Passagen, obwohl selbst in den lichten Momenten die immanente Angst vor dem Despoten spürbar bleibt.

Während Florian Resetaris als Schmied sowie die charmante Sopranistin Eva-Maria Proseck rundum überzeugen können, wirkt der in Slowenien geborene Musicaldarsteller Michael Green in seinen Sprechrollen wegen seines ausgeprägten slawischen Dialekts im ersten Moment etwas deplatziert, weil er wie Karel Gott in der „Biene Maya“ klingt – die ja nun so gar nicht in die Ruhlaer Wälder passen will. Gesanglich stark, gelingt es ihm allerdings nur in Ansätzen, den Wandel vom selbstverliebten Weichei zum harten Kämpfer für Liebe und Gerechtigkeit zu verkörpern. Die Produktion, die von jungen Tänzerinnen und Tänzern der Folklore-Vereinigung „Alt-Ruhla“ umrahmt wird, kommt ohne Bühnenbild aus, sondern wird durch Projektionen des Thüringer Waldes oder der Wartburg untermalt.

Da die Bilder allerdings auch auf die Gesichter der Darsteller projiziert werden, hinterlassen sie zuweilen störende Licht- und Schatteneffekte, die vielleicht besser umgangen worden wären. Den Genuss des Zweiakters beeinträchtigen jedoch auch sie nur marginal.

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