Lola Blau verlangt es nach Theater

Das Landestheater Eisenach zeigt Georg Kreislers Ein-Personen-Musical über eine jüdische Schauspielerin, die um jeden Preis auf die Bühne will.

Bühnenkünstlerin: Irina Ries verkörpert die Lola Blau unter der Regie von Carsten Kochan im Landestheater Eisenach. Foto: Inka Lotz

Bühnenkünstlerin: Irina Ries verkörpert die Lola Blau unter der Regie von Carsten Kochan im Landestheater Eisenach. Foto: Inka Lotz

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Eisenach. Es ist schon ein Graus. Da eilt sie heran, die junge Schauspielerin, und der Intendant ist noch nicht einmal da. Nur dieser Klavierspieler, der teilnahmslos seine Zeitung liest. Sie also vertreibt sich die Zeit, stöbert durch die Requisiten, setzt sich da eine Perücke auf, macht dort ein albernes Gesicht. Die Eingangsszene von "Heute Abend: Lola Blau" im Landestheater Eisenach umrahmt das Ein-Personen-Musical um die jüdische Bühnenkünstlerin. So langwierig die übermäßig närrische Eingangsszene erscheint, so deutlich macht sie doch eins: Theater spielt man um jeden Preis. Irina Ries verkörpert eine Schauspielerin, die die Rolle der Lola Blau spielen will und auch spielen wird, "zum warm machen". Dazu braucht sie den Intendanten nicht.

Lola Blau ist versessen auf die Bühne, Politik kümmert sie nicht. "Hitler? Was interessiert mich Hitler?" Nur leider ist es 1938, und als Jüdin wird Lola das Engagement in Österreich entzogen. Ihre Vermieterin wirft sie freundlich und bestimmt aus ihrem Zimmer heraus, von ihrem Freund Leo Glücksmann wird Lola bis Kriegsende nichts mehr hören. Die Künstlerin kann in die USA emigrieren und ins Show-Geschäft einsteigen. Sie trällert im grünen Dirndl ihre Lieder und erträgt dabei die Abende immer weniger. Als sie vom Kriegsende erfährt, bleibt ihr vor Freude nur der Griff zur Flasche.

Der Österreichische Dichter und Komponist Georg Kreisler schrieb wunderbare Lieder für die naive jüdische Varité-Schauspielerin, melodiöse Sprachspiele, zum Teil bitterböse und am Rande des Nonsens. Christian Keul begleitet diese am Klavier. Dass er kein professioneller Schauspieler ist, dem Regisseur Carsten Kochan kleine Sprechrollen gegeben hat, stört nicht weiter. Die Bühne gehört ja Irina Ries als Lola Blau. Sie singt mit rauer Stimme und spielt die Naive einprägsam. Darin verliert sich die Figur jedoch mitunter zu sehr.

Gegen Ende zeigt sich aber doch, wie bitter Lola geworden ist. Die stärkste Szene ist jene mit Frau Schmidt. Irina Ries intoniert den derben Wiener Akzent, verzehrt das Gesicht zur feinen Dame, die über ihr Leben fabuliert und mitläuft, egal wer gerade regiert, "ich bin doch nur die Frau Schmidt." Denn in das alte Wien, wo der Tradition hinterher geweint wird, kehrt Lola Blau nach dem Krieg wieder zurück. Sie ist nun kein Star mehr, sondern tritt in kleinen Kabaretts auf, wo sie ihre provokanteren Lieder singen darf: "Ändern laßt sich gar nix, weil sonst hätt mer's ja schon g'macht."

"Heute Abend: Lola Blau" hält dem Bürgertum den Spiegel vor. Einzig zwei Stofftücher mit Hakenkreuzen sind eine bewusste Provokation. Ansonsten ist die Bühne, gestaltet von Lutz Kretzschmar, spärlich gehalten. Scheinbar spontan wird die Lola mit dem gespielt, was der Schauspielerin in die Hände fällt. Eine Lampe als Telefon, ein Koffer als Bett. Ja, wie schrieb schon Kreisler: "Im Theater ist was los."

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